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Viel Geduld und Pferdemist

Jedes Jahr verkauft Coop Tausende von Weihnachtsbäumen, die in der Schweiz aufgewachsen sind – gut für regionale Produzenten und kurze Transportwege.

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Heiner H. SCHMITT
25. November 2019
Jeder fängt klein an: Simon Fünfschilling mit einem künftigen Weihnachtsbaum. Die perfekte Spitze (unten) sieht aus wie ein Stern.

Jeder fängt klein an: Simon Fünfschilling mit einem künftigen Weihnachtsbaum. Die perfekte Spitze (unten) sieht aus wie ein Stern.

Dunkelgrün und gut gebaut sollen sie sein, in der passenden Grösse für die Stube, mit kräftigen Zweigen, um Kugeln und Lichterkette zu tragen – so sehen die Wunschkandidaten beim Weihnachtsbaumkauf aus. Stets beliebt: die Nordmanntanne. Am besten in Bio-­Qualität, denn schliesslich ist der Baum ja für ein paar Wochen quasi unser Mitbewohner, mit dem wir die Raumluft teilen.

Um das Anforderungsprofil erfüllen zu können, müssen Nordmanntannen in die Baumschule – für eine Karriere bei Coop in die «Abies de Lully» unweit des Neuenburgersees im Kanton Freiburg. «Die Bäume lieben den sandigen Boden hier», sagt Simon Fünfschilling (40), der 2004 die Weihnachtsbaum-Produktion von seinem Vater übernommen und drei Jahre später auf Bio umgestellt hat.

Bio heisst: keine Herbizide (chemische Unkrautbekämpfungsmittel). Für den Landwirt bedeutet das deutlich mehr Arbeit. Aber auch mehr Freude. «Heute hat es richtig viel Leben zwischen den Bäumen. Sogar Hasen sind wieder da», erzählt der Bio-Bauer beim Besuch in der Baumschule. Und er erklärt, warum zwischen den Reihen hohe Erlen stehen: «Diese Bäume geben Stickstoff an die Tannen ab. Und sie bieten erhöhte Sitzplätze für Vögel.» Dies hilft den Nordmanntännchen, zu prachtvollen Weihnachtsbäumen heranzuwachsen: Vögel sitzen nämlich am liebsten ganz oben – auch auf den Tannen. Bricht dabei der junge Mitteltrieb ab, werden sie nicht so schön gerade.

Wenn Fünfschilling die zugekauften Setzlinge einpflanzt, sind sie dreijährig und knapp zwei Handbreit hoch. Durch fleissiges Mähen zwischen den Reihen verhindert er, dass die Pflänzchen von Gras, Brombeeren und anderen Konkurrenten überwuchert werden. Bei dieser Arbeit hilft, was beim Ausmisten des zum Hof gehörenden Gestüts anfällt: Der Pferdemist ist einerseits ein natürlicher Dünger. Andererseits hält die Strohschicht das Unkraut klein und zugleich den Boden feucht. «Selbst bei der Hitze im letzten Sommer musste ich nicht wässern», sagt Fünfschilling.

Die jetzt dreieinhalbjährigen Pflänzchen schauen gerade einmal über das Stroh hinaus, und auch die ein Jahr älteren im Feld nebenan sind noch längst nicht aus dem Gröbsten heraus. Erst im sechsten Jahr, wenn sie knapp kniehoch sind, sieht man den Nordmanntännchen an, dass später einmal Grosses aus ihnen werden kann. Doch bis zur Stubenreife dauert es noch lange: Etwa acht bis zehn Jahre müssen sie wachsen, bevor sie mit dem Oecoplan-Label bei Coop sowie Coop Bau + Hobby in den Verkauf kommen. Besonders günstig ist der Kauf bei der Weihnachtsbaumaktion – nicht nur für die Kundinnen und Kunden. Denn dann geht pro verkauftem Baum 1 Franken an die WWF-Bio­diversitätsprojekte in der Linth­ebene, die Coop zur Feier von 30 Jahren Oecoplan unterstützt.

Da Bio-Nordmanntannen während der Zeit des Heranwachsens nie mit Herbiziden behandelt wurden, machen sie sich nicht nur in der Stube gut: Sie können auch bedenkenlos an Tiere verfüttert werden. Das kann Weihnachtsbaum-Bauer Fünfschilling nur bestätigen: «Auch bei uns im Stall knabbern die Pferde gerne daran.»

Tat Nr. 300

Heimische Weihnachtsbäume

Jedes Jahr verkauft Coop Tausende von Weihnachtsbäumen, die in der Schweiz aufgewachsen sind – gut für regionale Produzenten und kurze Transportwege. Der Anteil der Bio-Bäume mit Oecoplan- Label liegt inzwischen bei 15 Prozent. Mehr unter: www.taten-statt-worte.ch/300