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SAC-Jubiläum: Wo alles begann

Wer Richtung Tödi wandert, versteht gut, warum gerade dort die erste SAC-Hütte gebaut wurde. Die Gegend ist archaisch und voller Geschichten. Die lässt man sich am besten von der Hüttenwartin Gabi Aschwanden erzählen.

FOTOS
Yannick Andrea
28. Juni 2013
Was für eine Aussicht! Die Fridolinshütte am Weg zur Grünhornhütte. Museum Grünhornhütte Gedenktafel Grünhornhütte So bescheiden fing es an Dort oben ist die Hütte Auf dem Weg Kochen gehört zum Hüttenwartsjob Abstieg Daheim Glarnerland macht schön

Was für eine Aussicht! Die Fridolinshütte am Weg zur Grünhornhütte. Museum Grünhornhütte Gedenktafel Grünhornhütte So bescheiden fing es an Dort oben ist die Hütte Auf dem Weg Kochen gehört zum Hüttenwartsjob Abstieg Daheim Glarnerland macht schön

Museum Grünhornhütte

Gedenktafel Grünhornhütte

So bescheiden fing es an

Dort oben ist die Hütte

Reportage

Der Gletscherbach gräbt sich wie ein verwundetes Untier tief in den Boden. Die zerklüfteten, namenlosen Felswände schauen abweisend und drohend auf die Menschen des Glarnerlandes hinab. Der Biferten-Gletscher ist ein unberechenbarer Tatzelwurm, der die Weiden überzieht und manchmal auch einen verwegenen Gämsjäger verschlingt. Die Welt oberhalb der Alpen von Linthal nennen die Glarner darum Die Öde. In dieser Steinwüste, wo die Götter, Geister oder auch der Teufel daheim sein mögen, haben die Menschen nichts verloren.

Die Grünhornhütte ist heute ein Museum, erzählt von früheren Wanderungen.

Der Bau der einfachen Hütte kostete 1863, vor genau 150 Jahren also, 861 Franken. Doch für ein wirkliches Dach reichte es anfänglich nicht: Die Besucher zogen jeweils eine Harzdecke über die Sparren und rollten diese vor dem Weiterziehen wieder ein, weiss die Hüttenwartin. Zu den ersten Gästen gehörten viele Wissenschafter, welche die damals noch fast unbekannte Bergwelt erkundeten.

Von der Fridolinshütte gehts weiter zur Grünhornhütte. Sie ist heute ein hochalpines Baudenkmal.

Ein hinreissendes Berg-Panorama.»

Im Hüttenbuch auch das gab es schon sind schöne und weniger schöne Kommentare zu lesen: Am 11.Juli 1865 dankt jemand für die schöne Tafelmusik im Hotel Grünhorn. Gemeint war das Gemecker der Geissen. Wie unterschiedlich schon damals der Begriff Komfort interpretiert wurde, zeigen die beiden nächsten Einträge: Wir froren tüchtig, es wäre jedenfalls sehr gut, wenn die löbliche Sektion Tödi etwas mehr Heu in die Hütte brächte. Und das Gegenteil: Herzlichen Dank dem Schweizerischen Alpenclub für die glückliche Idee, den herrlichen Tödi zugänglicher zu machen und für die praktische und komfortable Ausführung dieser Idee, schrieb gleichen Jahres ein anderer.

Sie ist der gute Geist des Tödi: Hüttenwartin Gabi Aschwanden bietet auch geführte Wandertouren an.

Einfach, aber sehr gemütlich.»

Das war vor 200 Jahren. Was so oder ähnlich nicht nur für die Glarner, sondern für fast alle Bewohner des Alpenbogens galt, hat sich seither radikal verändert: Ich lebe in den Bergen, mit den Bergen. Ich liebe sie und manchmal rede ich auch mit ihnen, sagt Gabi Aschwanden, die seit 22 Jahren die Fridolins- und die Grünhornhütte ob Linthal wartet. Die Hütten gehören der SAC-Sektion Tödi der Name ist bezeichnend: Was über Jahrhunderte Die Öde war, wurde zum Tödi, dem mit 3614 Metern höchsten Gipfel der Glarner Alpen. Auf dem Weg zum Tödi steht die Grünhornhütte, sozusagen die Wiege des Schweizerischen Alpenclubs (SAC). Rudolf-Theodor Simler nicht etwa ein Bergler, sondern ein Zürcher Fabrikantensohn hatte bei der langen Erstbesteigung des Tödi die Idee einer Schutzhütte. Die Umsetzung dieser Idee besorgten dann einheimische Bergführer, Hirten und Gämsjäger, weiss Gabi Aschwanden. Sie steht in der Küche der Fridolinshütte, die nur eine Stunde von der Grünhornhütte entfernt liegt, kocht Zigerhörali und erzählt, was ihr überliefert wurde. Für die Verköstigung der Erbauer wurden gewaltige Tagesrationen festgesetzt: ein Pfund Fleisch oder Wurst, zwei Pfund Brot, ein Schoppen Cognac, eine Flasche Wein, vier Lot Kaffee, zudem für alle zusammen zwei Flaschen Spiritus, zwei Pfund Zucker und Schokolade. Das brauchten die Männer auch. Die Balken etwa, welche vom Tal heraufgetragen werden mussten, wogen 50 Kilo.

Wie das duftet! Eine feine Gemüsesuppe von Gabi Aschwanden.

Wobei das mit der Praktikabilität so eine Sache war: Einen Herd gab es nicht. Das Lager bestand aus Heu ohne Bretterunterlage. Wasser und Feuerholz mussten hochgetragen werden, die besten Gäste waren die Mäuse. Und so kam es, wie es kommen musste: Die Grünhornhütte wurde zwar mehrmals saniert, doch irgendwann war Schluss und als auch noch der inzwischen eingebaute Ofen den Geist aufgab, wurde die Grünhornhütte abgerissen. Nein eben nicht. Gott sei Dank gab es Leute, die sich dagegen wehrten, erzählt Gabi und serviert gebrannte Creme zum Dessert. Sowie einen Grappa.

Damals kostete ein Kaffee noch etwas weniger.

Seit einigen Jahren kann man in der allerersten SAC-Hütte nicht mehr übernachten. Dafür wurde sie am letzten Samstag als Museum eröffnet: Tisch, Bank, Schilder und Tafeln erzählen von anno dazumal. Wer heute auf den Tödi will, übernachtet bei Gabi in der Fridolinshütte, lässt sich von ihr bekochen, hört ihren Geschichten zu und badet blutt im Haussee. Der wird nicht vom Gletscher, sondern von einer Quelle gespeist und ist daher sommers gut und gerne 20 Grad warm. Die Berge rings um Gabis Heimat sind immer noch steil, aber sie flössen keine Angst, allenfalls aber Respekt ein. Sie haben inzwischen auch Namen erhalten, heissen Bifertenstock, Selbsanft oder eben Tödi. Auch der Gletscherbach ist kein Ungeheuer mehr und auf den Berggipfeln hockt nicht der Teufel, sondern da sitzen die Menschen, die sich göttlich über die Natur freuen.

Wanderungen

Der Zustieg zur Fridolinshütte fordert keine besonderen Kenntnisse: Ab Linthal/Tierfehd zu Fuss 4 Std. Von der Fridolins- zur Grünhorn-Hütte: 1 Std. Wer mit dem Alpentaxi bis Hintersand fährt, spart bis 2 Std. (Fr. 15. pro Person, Gruppen auf Anfrage).
Tel. 0794262715

Weitere Informationen auf der Internetseite des Alpentaxis

Die Berge rund um die Grünhorn- und die Fridolinshütte sind ein Wanderparadies und die brevetierte Wanderleiterin Gabi Aschwanden bietet geführte Wandertouren an:

Weitere Informationen auf der Internetseite von Gaby Aschwanden

Übergang zur Claridenhütte, 3 Std.
Übergang zur Planurahütte, 4 bis 5 Std.
Anspruchsvolle Gletschertour auf den Tödi, 6 bis 7 Std. (Bergführer empfohlen).

Einmal im Jahr diesmal vom 12. bis 15.August werden die Berggänger von Mitmenschen mit Handicap bedient. Nicht nur, aber besonders dann, freut man sich in der Fridolinshütte auf Gäste. Voranmeldung ist von Vorteil: Tel. 0556433434/ 0792289160.

Weitere Informationen auf der Internetseite der Fridolinshütte

SAC-Hüttenbuch

Was wäre der SAC ohne seine derzeit 152 Hütten? Einfach ein Verein mehr. Doch die Unterkünfte von der einfachen Gauligletscher- bis zur schon fast mondänen Monterosahütte sind so etwas wie das Aushängeschild des Schweizerischen Alpenclubs. In und mit diesen Hütten wurde Geschichte geschrieben, sie haben Leben gerettet, Feste erlebt.

Zwei Kenner der Berge und der Szene Marco Volken und Remo Kundert sind losgezogen und haben zum Jubiläum einen prächtigen Bildband aller SAC-Hütten der Schweiz gemacht. Auf 332 Seiten stellen die beiden jede Hütte in ihrem Umfeld und mit ihren Eigenheiten vor. Ein Kartenausschnitt zeigt, wie man auf die jeweilige SAC-Hütte gelangt. Und wenn das Wetter mal gar nicht will, dann lässt sich beim Durchblättern Die Hütten des Schweizer Alpenclubs in alten Erinnerungen schwelgen oder man kann neue Abenteuer planen.

Angebot: Die Hütten des Schweizer Alpenclubs ist 2013 im AS-Verlag erschienen und für Coopzeitung-Leser zum Sonderpreis von Fr. 58. inklusive Versandkosten in der Schweiz erhältlich (Ladenpreis Fr. 68.).

Bestellungen:
Per E-Mail an huettenbuch@as-verlag.ch
oder per Telefon an 0443002323.

Weitere Informationen zum Buch auf der Internetseite des AS Verlags