X

Beliebte Themen

Freizeit

Voices of Gospel: Himmlische Musik

Alabama ist das Zuhause des Gospelchors Prince Yelder and Disciples for Christ. Bald schon wird er in der Konzertreihe Voices of Gospel auch in der Schweiz zu hören sein. Hier ein kleiner Vorgeschmack, worauf sich das Publikum freuen darf.

TEXT
FOTOS
Darrin Vanselow
29. Oktober 2013

Voller Körpereinsatz beim Birmingham Mass Choir: Gospelmusik wird nicht nur gesungen, sondern auch getanzt und geklatscht. Bei Prince Yelder muss die Musik stimmen aber auch der Style soll nicht zu kurz kommen. Chorleiter Prince Yelder ist je nach Situation auch musikalischer Begleiter und Sänger. Haley Mitchell ist eine der Stimmen von Disciples for Christ. Eine junge Kirchenbesucherin Am Sonntag kleiden sich die Frauen elegant für den Kirchgang. Die New Hope Baptist Church ist bekannt für exzellente Kirchenmusik. Die Musik und die Predigt reisst die Kirchgänger der New Hope Baptist Church von den Stühlen.

Bei Prince Yelder muss die Musik stimmen aber auch der Style soll nicht zu kurz kommen.

Chorleiter Prince Yelder ist je nach Situation auch musikalischer Begleiter und Sänger. 

Haley Mitchell ist eine der Stimmen von Disciples for Christ.

Eine junge Kirchenbesucherin

Reportage

Birmingham im US-Staat Alabama, ein Sonntagmorgen um sieben Uhr. Während draussen die Vögel zwitschern und die Morgensonne die noch schlafende Cleburn Avenue in helles Licht taucht, sitzen die ersten Kirchgänger schon in der dunklen New Hope Baptist Church. Es sind mehrheitlich ältere Frauen in eleganten Kostümen und mit fantasievollen Hüten, die sich die besten Plätze in der Kirche sichern wollen. Mit Ping-pong-Schläger-ähnlichen Fächern, die das Konterfei der Obama-Familie zieren, wedeln sie sich Luft zu und warten auf den Rest der Kirchgemeinde.

Um acht Uhr kommt langsam Leben in die verschlafenen Südstaaten-Strassen: Autos fahren von rechts und links heran. Ihnen entsteigen elegant gekleidete Männer, Frauen und Kinder. Sie winken einander zu und schwatzen, bevor sie durch die verschiedenen Eingänge in die Kirche schreiten.

Zur gleichen Zeit finden sich die Mitglieder des Gospelchors Disciples for Christ (die Jünger Christi) im Proberaum im ersten Stock des Nebentraktes ein; sie haben heute einen Gastauftritt in der Kirche. Noch ein bisschen verschlafen warten sie auf ihren Chorleiter Prince Yelder, der sich im Nebenraum in Schale wirft. Dann schreitet er in den Raum, setzt sich ans Klavier, ruft zur Ruhe. Mit geschlossenen Augen stimmt er ein Lied an und aus den vorher noch gähnenden Chorkehlen erklingen voluminöse Tenor-, runde Alt- und helle Sopran-Stimmen, von denen jeder hiesige Sucht-den-
Superstar-Kandidat nur träumen kann. Yelder ist der Gründer der Disciples for Christ. Der quirlige Mann, dessen siebenundvierzig Jahre man ihm weder an seiner Art noch an seinem Kleidungsstil ansieht, ist der musikalische Leiter der New Hope Baptist Church und verantwortlich für die Sänger und Musiker der Kirche. EE EE Daneben leitet er den Birmingham Mass Choir, den grossen Chor der Gemeinde, und den ausserkirchlichen Chor der Disciples for Christ. Alle diese Chöre haben sich der Gospelmusik verschrieben.

Etwas anderes kommt für Prince Yelder nicht infrage: In meiner Familie hiess es von klein auf: Wenn du singen willst, dann singst du Gospel, verrät er lachend, meine Mutter ist diesbezüglich eine sehr strikte Frau. Sie war früher selbst eine bekannte Gospelsängerin in Birmingham, hat das Talent an Yelder weitergegeben und ihm später auch das Klavierspielen beigebracht. Nach der Highschool schlug Prince Yelder ein Stipendium für ein Musikstudium aus und entschied sich für eine Karriere bei einem Radio natürlich einem Gospelradio. Gleichzeitig fing er an, für verschiedene Kirchen zu musizieren und eigene Gospelsongs zu schreiben. Dabei half ihm seine Arbeit beim Radio, wo er sein Gehör schulen und ein Gespür dafür entwickeln konnte, was beim Publikum ankommt. Mit neunzehn Jahren nahm er mit einem Chor aus Florida die erste Platte auf: Ein absolutes Highlight in meiner Karriere, erzählt Yelder.

Seine Musik brachte ihn auch nach Japan, Korea, Mexiko und Europa, wo er als Sänger oder Workshop-Leiter Projekte realisieren durfte. 1997 gründete er seinen eigenen Chor: die Disciples for Christ. Ich wollte einfach einen Chor, der meine Handschrift trägt: ausgezeichnete Chormusik und tolle Outfits. Meine Ladies und meine Männer sollen klasse gekleidet sein wenns um Mode geht, scherze ich nicht, lacht er augenzwinkernd.

Und ja, wenn man die Mitglieder von Disciples for Christ an diesem Sonntag- morgen anschaut, dann sind sie geschniegelt von Kopf bis Fuss: Die Frauen tragen High Heels und elegante Kleider, die Männer Anzug. Die Roben, wie sie für Gospelchöre typisch sind, ziehen sie nur für spezielle Konzerte über.

Während sich der Chor oben einsingt, heizt unten der Pastor Dr. Clarke der Gemeinde ein. Für seine Predigt zum Thema Overflow (Überschuss) erntet er heftig zustimmendes Kopfnicken, laut ausgesprochene Amen und inbrünstige Hallelujas.

Aber so gut der Pastor auch predigen mag, ohne Musik geht bei einem Gottesdienst in den USA nichts, besonders in der afroamerikanischen Kultur. Ein schlechter Chor kann eine Kirche töten, erklärt Yelder. Hier gehen die Leute in erster Linie in die Kirche, um den Chor zu hören und erst dann den Pastor. Nur wenn der Chor gut singt, energiegeladen ist und seine Message rüberbringt, kann er den Pastor beflügeln. Diese Energie kann man auch spüren, wenn man nicht religiös ist. Darum ist Gospelmusik auch ausserhalb der Kirche ansteckend.

Diese Energie bringen nun die Disciples for Christ in die Kirche. Stolz werden sie vom Pastor angekündigt und die Kirchengemeinde empfängt sie mit Applaus. Noch inbrünstiger als im Proberaum schmettern sie die Hymnen, tanzen und klatschen. Dazwischen gibts immer wieder Solos von Prince Yelder und anderen Chormitgliedern.

Eine der Solistinnen ist Haley Mitchell. Die 32-Jährige singt seit zwölf Jahren mit den Disciples for Christ. Ich war an einem Konzert von ihnen und hab gedacht: Wow, da will ich auch mitmachen. Sie schienen so viel Spass miteinander zu haben. Und so hab ich noch am gleichen Abend mein Interesse angemeldet, kurz was vorgesungen und schon war ich dabei. Und es macht mir heute noch genauso viel Spass wie am Anfang. Die Begeisterung, der Spass der Chormitglieder das wirkt ansteckend: Schon nach den ersten Tönen steht die ganze Gemeinde, wiegt und klatscht, macht mit. Wir lieben es, wenn das Publikum so richtig mitgeht, klatscht, winkt und tanzt, meint Prince
Yelder, erst dann wissen wir, dass wir einen guten Job machen.

Neben ihren Auftritten in Kirchen nehmen sie auch Lieder auf und singen an Events. Ein grosses Ereignis kommt im Dezember auf sie zu, wenn sie mit einem weiteren Chor im Rahmen der Konzertreihe Voices of Gospel in verschiedenen Schweizer Städten auftreten. Über dieses Engagement freut sich der Chor. Und als der Pastor der Gemeinde da-rüber berichtet, bricht diese in Jubel aus.

Video

This presentation requires the Adobe Flash Player. Get Flash!



Mit der Supercard zu Voices of Gospel

Lassen Sie sich vom 2. bis 18.Dezember 2013 von einem der Chöre aus den USA mitreissen und erleben Sie eines der 24 Konzerte in einer der 15 Schweizer Städte der Voices-of-Gospel-Tournee.

Den Tourneeplan und weitere Informationen erhalten Sie unter www.voicesofgospel.ch. Profitieren Sie mit der Coop-Supercard von 10 Franken Rabatt auf alle Konzerte (ausser Dinnerkonzert Basel und solange Vorrat) und Ticketkategorien (nicht kumulierbar mit dem Jugendrabatt). Tickets sind online per www.voicesofgospel.ch, telefonisch unter 0900900100 (Fr. 0.95/Min.) oder in den Coop-City-Vorverkaufsstellen am Kundendienst erhältlich.