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Es muss alles stimmen!

Nicht nur die Stimme zählt, auch der Ausdruck und die Ausstrahlung sind wichtig, wenn man Opernsängerin werden will. Hilfreich ist auch ein Preis bei einem Gesangswettbewerb wie dem Concours Ernst Haefliger.

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Heiner H. Schmitt, Philipp Zinniker
21. Juli 2014

2014: Nathalie Mittelbach wird im Theater Basel von Maskenbildnerin Simone Mayer für ihre Rolle in der Berlioz-Oper vorbereitet. Kurz vor dem Auftritt: Nathalie Mittelbach im Theater Basel. Nathalie Mittelbach beim Final-Auftritt des Concours Ernst Haefliger, den sie im August 2012 gewann.

Kurz vor dem Auftritt: Nathalie Mittelbach im Theater Basel.

Nathalie Mittelbach beim Final-Auftritt des Concours Ernst Haefliger, den sie im August 2012 gewann.

Reportage

Opernsänger werden ist nicht einfach. Die richtigen Lehrer finden, üben, an sich glauben, Stimme aufbauen, die Ausbildung berappen, Stiftungen anschreiben, Prüfungen bestehen, Agenten finden, für Rollen vorsingen und dann gibt es noch die Wettbewerbe. Anders als beim Schlager, Pop oder Rock werden Gesangswettbewerbe von klassischer Musik kaum am TV ausgestrahlt. Doch sie sind mindestens so spannend!

Die Schweizer Mezzosopranistin Nathalie Mittelbach ist Preisträgerin des alle zwei Jahre stattfindenden Concours Ernst Haefliger. Sie gewann bei diesem internationalen Gesangswettbewerb der Schweiz 2012 nicht nur den ersten Preis, sondern auch das Stipendium, das dem jeweils besten Schweizer Teilnehmer vorbehalten ist. Da sie bei der Vorausscheidung in Gstaad aus 80 Sängerinnen und Sängern als einzige Schweizerin in den Final kam, hatte sie diese 8000 Franken schon auf sicher. In der ersten Runde sang sie eine dramatische Händel-Arie, an der sie zuvor, vor allem im Studium in New York, intensiv gearbeitet hatte, nicht nur stimmlich, sondern auch mit einem Schauspiellehrer. Die Präsentation wird immer wichtiger, sagt Nathalie Mittelbach. Schliesslich überzeugte sie die Jury aber vor allem mit der Qualität ihrer Stimme und ihrer aussergewöhnlichen Musikalität.

Sängerin Nathalie Mittelbach (Mitte) bei der Preis-übergabe 2012 des Concours Ernst Haefliger. 

Es gibt Sänger, die nie an einem Wettbewerb teilgenommen haben und trotzdem sehr berühmt wurden. Es ist nicht zwingend nötig, aber es kann eine grosse Hilfe sein, meint die Baslerin. Da sie am Haefliger-Concours im Final auch den ersten Preis 10000 Franken gewann, nahm einerussische Stiftung Kontakt zu ihr auf und ermöglichte ihr Auftritte in St.Petersburg und in der Carnegie Hall in New York. Neben der Ausbildung machen sich solche Auftritte und natürlich auch Preise gut im Lebenslauf. Das kann helfen, zu Vorsingen zugelassen zu werden.

Man braucht jedenfallsviel Leidenschaft, um Opernsängerin zu werden, stellt Nathalie Mittelbach fest. Sie wusste lange nicht, was sie studieren sollte. Sie schwankte zwischen Medizin, Psychologie und Gesang. Um die Stimme auszubilden, darf man aber nicht zu lange warten: Wie bei einem Sport braucht es auch im klassischen Gesang viel Training.

Nach der Maturamachte sie ein Zwischenjahr, lernte Italienisch, schaute sich Musik-hochschulen in Deutschland an und hospitierte bei diversen Lehrern. So ergab sich, dass sie in Augsburg, Leipzig und Nürnberg studierte. Je länger ich studierte, umso mehr kam ich in den Beruf hinein, erinnert sie sich. Als Sängerin muss man sich mit Bewegung und Ausdruck und auch mit Sprachen und Literatur beschäftigen, das sagt ihr zu. Die Stimme ist das Wichtigste, aber nur ein Element von vielen, die eine Rolle spielen.

Man braucht jedenfalls viel Leidenschaft, um Opernsängerin zu werden»

Als ihre Lehrerin Edith Wienseine Professur in New York erhielt, bewarb sie sich ebenfalls an der Julliard School New York, was aufgrund der grossen Konkurrenz nicht einfach war und auch recht teuer wurde. Ein Jahr dort zu leben kostet mit den Studiengebühren gegen 60000 Dollar. Sie blieb zwei Jahre, auch weil die Schule ihr ein Stipendium gewährte und Schweizer Stiftungen sie unterstützten. 2012 schloss sie als Master of Music ab.

In der Spielzeit 2013/14sang Nathalie Mittelbach als Mitglied des Opernstudios OperAvenir am Theater Basel Rollen wie Hänsel (in der Humperdinck-Oper Hänsel und Gretel) oder kürzlich eine kleine Partie in der Berlioz-Oper La Damnation de Faust. Nächsten Frühling geht es am Theater Basel weiter, dazwischen sind Gastspiele in Bremen, Giessen und Pfäffikon sowie Konzerte in Basel geplant.

Auf den Opernbühnensingen häufig die Sopranistinnen die schönen Rollen. Wir Mezzosoprane spielen meistens die Bösen, die Hexen und Gouvernanten und oft auch Männer oder Jungs, sagt Nathalie Mittelbach lachend. Sie geniesst es, auf der Bühne ihre dunkleren Seiten auszuleben und Rollen mit Charakter zu interpretieren. Das passt auch zu ihrer herrlich vollen und wohlklingenden Stimme.

Concours Ernst Haefliger

Chance für Opernsänger

Die Schweizer Tenorlegende Ernst Haefliger sang Oratorien, Lieder und Opern, vor allem in Berlin und München.

2006 traten am ersten Concours Ernst Haefliger 80 Kandidaten und Kandidatinnen aus über 20 Ländern an, die aus 130 Bewerbungen ausgewählt werden konnten. Ihre Auftritte fanden im Rahmen des Menuhin-Festivals in Gstaad statt, damals noch in Anwesenheit des Schweizer Tenors Ernst Haefliger (19192007), der den Gesangswettbewerb mitbegründete und dem er heute gewidmet ist.

Zehn junge Sängerinnen und Sänger qualifizieren sich in Gstaad jeweils für den Final des Concours. Dort werden Auftritte an renommierten Häusern, ein Stipendium und Barpreise vergeben. Die Auftritte im Kirchgemeindehaus Gstaad vom 18. bis 21.August sind öffentlich, ebenso das Finale im Casino in Bern am 24.August 2014.

www.concours-haefliger.com

Weitere Gewinner

Gewinnerin 2006: Ana Maria Labin

Gewinner 2008: Seung Gi Jung

2008 siegte der südkoreanische Bariton Seung Gi Jung, der vorher schon sechs andere europäische Gesangswettbewerbe für sich entschieden hatte. Erste Bühnenerfahrungen machte er in Seoul, wo er seine Ausbildung begonnen hatte, als Figaro in Mozarts Hochzeit des Figaro. Sein Studium setzte er an der Hochschule für Musik in Karlsruhe fort.

Er ist bis heute dankbar, dass er den Concours Ernst Haefliger 2008 in Bern gewann: Es war eine wirklich gute Chance und Erfahrung für mich. Besonders, weil ich so 2009 als Renato in Un Ballo in mschera im Stadttheater Bern meinen ersten europäischen Opernauftritt hatte. Im selben Jahr war er auch am Menuhin-Festival in Gstaad zu hören.Seit der Spielzeit 2011/2012 singt er im Opernensemble des Badischen Staatstheaters von Karlsruhe, 2013 etwa den Rigoletto, in dieser Saison unter anderem den Kaiser von China in Die Nachtigall.

Gewinner 2010: Eung Kwang Lee

Auch 2010 siegte am Concours Ernst Haefliger ein Bariton aus Südkorea. Eung Kwang Lee hatte ebenfalls in Seoul und in Deutschland studiert und diverse Gesangswettbewerbe gewonnen. In der Spielzeit 2008/2009 war er Mitglied des Opernstudios OperAvenir am Theater Basel, wie jetzt Nathalie Mittelbach. Seit der Saison 2009/2010 gehört Eung Kwang Lee fest zum Ensemble des Theaters Basel. Hier war er als Sharpless in Madame Butterfly, als Graf Tomskij in Tschaikowskis Pique Dame, als Escamillo in Bizets Carmen zu sehen und zu hören sowie als Renato in Verdis Un ballo in maschera.

In dieser Saison verkörperte er Eugen Onegin.Wie sein Kollege Seung Gi Jung, singt auch Eung Kwang Lee etwa an europäischen Musikfestivals und an gros-sen Opernhäusern im koreanischen Seoul. Und auch er denkt mit Freude an die positiven Auswirkungen des Concours Ernst Haefliger zurück.