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Naturwunder: Der Tanz der Paradiesvögel

Auf den Aru-Inseln in Indonesien schützen zwei Schweizereinen Vogel: den Paradiesvogel Paradisaea apoda.

FOTOS
Loïc Degen, zVg
27. Januar 2014

Kaum ein Vogelhat schönere Federn als der Grosse Paradiesvogel. Seinen Balztanz führt er zeitlebens auf dem gleichen Ast auf. Der Grosse Paradiesvogel beim Balztanz. Vier Arten von Paradiesvögeln gibt es auf Aru, auch dies ist einer. Den schönsten und farbigsten Federschmuck hat der Grosse Paradiesvogel. Um den Balztanz zu sehen, klettern die beiden Schweizer mit Hilfe der Aruaner hoch in einen Baum. Vogelbilder zu schiessen, erfordert Geduld und Balance. Für Gäste wurde nun im viel versprechendsten Baum ein Sitz montiert. Die Aru-Inselgruppe ist geprägt vom Dschungel. Die Dörfer liegen direkt am Wasser. Am besten kommt man zu Fuss vorwärts oder auf Einbaumbooten. Im Bild Miguel beim Filmen. Sehr selten ist auf Aru der Laufvogel Kasoar anzutreffen. Die zwei Romands benannten ihr Reisebüro nach ihm. Zwei Schweizer Kunden von Loïc Degen und Miguel Garcia auf dem Aru-Archipel. Die beiden Indonesienkenner führen ihre Gäste auch zur Perlentauchstation von Pulau Kenari. Die Taucher bringen die Muscheln aus dem Meer, dann werden diese durchsucht. So präsentieren sich schliesslich die Perlen. Und dann beginnt der Tanz der Paradiesvögel von vorne.

Der Grosse Paradiesvogel beim Balztanz.

Vier Arten von Paradiesvögeln gibt es auf Aru, auch dies ist einer.

Den schönsten und farbigsten Federschmuck hat der Grosse Paradiesvogel.

Vogelbilder zu schiessen, erfordert Geduld und Balance. Für Gäste wurde nun im viel versprechendsten Baum ein Sitz montiert.

Reportage

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Es war alles ganz anders, als er es sich vorgestellt hatte. Nach einem halben Tag wollte Loïc Degen die Aru-Inseln gleich wieder verlassen. Er war von der Romandie aus auf die indonesischen Molukken-Inseln gereist, vor allem auf der Suche nach Paradiesvögeln.

Das Dorf Wakua auf dem wasserreichen Aru-Archipel wurde zum Basislager von Loïc Degen.Die 95 indonesischen Inseln liegen zwischen Australien und Papua-Neuguinea.

Loïc Degen ist Biologe. Schon immer hatte es den heute 40-Jährigen in den Dschungel gezogen. Als Kind gab es für ihn nichts Schöneres als Zoo- oder Aquariumsbesuche. Während seines Biologie-Studiums war er mehrmals nach Indonesien gereist. Danach machte er dort einen längeren Aufenthalt, um Indonesisch zu lernen. Im Januar 2001 reist er nach Aru. Seit Jahren hat er von der abgelegenen Inselgruppe im äussersten Südosten Indonesiens geträumt. Er weiss, dass es auf Aru vier von insgesamt 40 Arten von Paradiesvögeln gibt, er will die kaum erforschten Tiere sehen, studieren und fotografieren. Doch es ist Januar, da sind die seltenen Singvögel auf Aru nicht auffindbar. Nur im Sommer, wenn die Männchen ihre herrlichen Balztänze aufführen, bekommt man sie zu sehen. Auch für Papageien oder den Laufvogel Kasuar ist es die falsche Saison.

Die gastfreundlichen Einwohner leben in Pfahlhäusern von der Jagd, von Fischerei und vom Gemüseanbau.

Was soll er in diesem Dorf Wakua? Er beschliesst, am nächsten Tag zurück nach Jakarta zu reisen. Doch Wochen später ist er immer noch in Wakua, nicht Tiere, sondern die Menschen haben ihn hier gehalten. Er teilt mit acht Dorfbewohnern ein kleines Pfahlhaus am Wasser. Er spricht ja ihre Sprache, so zeigen ihm die Aruaner mit Freude ihre Sitten, ihr Jagen und Fischen, ihre Spiele. Saya pergi tapi akan kembali, sagt Loïc, als er im Februar abreist: Ich gehe, werde aber zurückkommen.

Im gleichen Sommer ist er wieder dort, hilft beim Bau der Primarschule und vor allem hat er eine gute Kletterausrüstung dabei. Die braucht er, um die Paradiesvögel zu sehen. Seine Begleiter führen Loïc zu der Stelle im Dschungel, wo die Vögel tanzen. Da sie dies zeitlebens nicht nur auf dem gleichen Baum, sondern auf dem gleichen Ast tun, ist der Ort einfach zu finden. Schwieriger ist es, um drei Uhr nachts im Dunkeln den 25 Meter hohen Baum zu erklimmen und dann möglichst regungslos zu warten, bis es losgeht. Doch es lohnt sich, und wie! Zwei Männchen erlebt Loïc auf dem selben Baum. Durch laute Rufe locken sie die unauffällig braun-gelben Weibchen zum Balzplatz und präsentieren ihnen hüpfend, schreiend und springend wieder und wieder ihre wunderschönen seidigen Schmuckfedern. In der nächsten Phase drehen sie den Weibchen still den Rücken zu. Wenn sich eines nähert, beginnt es der Göttervogel, wie er auch genannt wird, mit wildesten Flügelschlägen zu bezirzen und zu umgarnen. Den Abschluss der Choreografie bildet die kurze Begattung. Dann verlässt das Weibchen den Balzplatz um den Nachwuchs kümmert es sich später allein. Das Männchen beginnt den Tanz von vorne und paart sich womöglich erneut.

Wieder und wieder reist Loïc Degen zurück auf die Aru-Inseln, um die Paradiesvögel zu fotografieren und zu beobachten. Die vier verschiedenen Göttervögel auf Aru bilden eine eigene Unterart. Paradisaea apoda heisst der prächtige Grosse Paradiesvogel auf Lateinisch. Er ist deutlich farbiger als diejenigen, die auf Papua-Neuguinea leben. Am liebsten würde Loïc seine Doktorarbeit über die Vögel machen. Er ist spezialisiert auf genetische Studien und es gibt viele offene Fragen zu ihrem Verhalten, die geklärt werden könnten. Doch die scheuen Paradiesvögel lassen sich fast nicht einfangen. So gibt er diese Idee auf. Viel wichtiger ist es ihm, etwas zum Schutz der Tiere zu tun. Denn sie sind gefährdet.

Von Anfang an wundern sich die Dorfbewohner über die vielen Tierfotos, die Loïc macht. Er seinerseits versteht zwar, dass sie Wildschweine und Beuteltiere jagen, um sich zu ernähren, doch dass sie vorbeiziehenden Händlern eingefangene Papageien und Schlangen verkaufen, geht ihm gegen den Strich. Und vor allem ist ihm ein Dorn im Auge, dass Paradiesvögel im Moment des Balztanzes getötet und dann ausgestopft werden, weniger zum Verkaufen als zum Verschenken. Entweder will man jemanden besonders ehren oder man sichert sich mit so einem Geschenk die Gunst eines einflussreichen Beamten. Loïc versucht seinen Gastgebern behutsam klarzumachen, dass die Paradiesvögel ein Wunder der Natur und ein bewahrenswerter Schatz sind wenn sie am Leben bleiben. Unterstützt wird er dabei von seinem Freund aus dem Gymnasium in La Chaux-de-Fonds, Miguel Garcia.

Miguel macht Filme und schreibt Artikel. Loïc bringt seinen Jugendfreund dazu, die weite Reise fast ans Ende der Welt 2004 erstmals auf sich zu nehmen. Obwohl Dschungelexpeditionen ganz schön feucht und anstrengend sein können, gerade, wenn sie in 25 Meter hohe Balz-Baumkronen führen, ist auch Miguel bald begeistert von dem, was er erlebt. So entsteht die Idee, über die Schönheit der Inseln und der Vögel einen Dokumentarfilm zu drehen. Die Dreharbeiten finden 2007 statt, ausgestrahlt wird Vanen, les plumes du paradis auf verschiedenen Fernsehsendern in Europa und auch in Kanada. Die wichtigste Vorführung ist für die beiden Romands allerdings diejenige im 2008, als sie ihr Werk den Dorfbewohnern von Wakua zeigen. Ihre Paradiesvögel auf einem Bildschirm zu sehen und zu erfahren, dass Menschen in vielen Ländern sie bewundern, führt in Wakua zum Umdenken. Die Familie, der das Stück Land im Badi-Gaki-Dschungel gehört, wo die Vögel balzen und sich paaren, beschliesst zusammen mit dem Dorfpriester, eine neue Sasi-Regel auszurufen. Durch ein Sasi-Ritual wird ein Gewohnheitsrecht, eine Art Bann oder Fluch eingeführt. Wer gegen die Regel verstösst, riskiert nicht nur eine Strafe, sondern Krankheit oder Tod. In diesem Fall jeder, der Paradiesvögel einfängt oder tötet. So ein Sasi wirkt. Während ich anfangs zwei oder drei balzende Männchen antraf, sind es jetzt sicher sechs!, sagt Loïc stolz.

Der Vanen-Film hat auch das Leben von Miguel Garcia verändert: Diesen Winter führt er in der Hauptstadt der Molukken, Ambon, ein Hotel. Zudem haben die beiden Westschweizer 2012 ein eigenes Reisebüro gegründet, damit nicht nur ihre Freunde oder Familienmitglieder gut betreut auf die abgelegenen Inseln reisen können, sondern auch andere interessierte Naturliebhaber. In der Nähe von Wakua haben sie für die Übernachtungen fünf am Wasser gelegene Pfahlhäuser bauen lassen. Die Gäste vom letzten Sommer seien begeistert gewesen, so Loïc, von den Aruanern und vom Dschungel. Und alle hätten es gut gesichert auf den Baum geschafft, von dem aus das Treiben der Paradiesvögel zu bewundern ist. Der britische Naturforscher Alfred Russel Wallace nannte die Paradiesvögel die schönsten und aussergewöhnlichsten gefiederten Bewohner der Erde. Wer sie auf Aru gesehen hat, wird mit ihm einiggehen.

Selbererleben

Weitere Informationen auf der Internetseite von Kasoar Travel