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Abkürzung für Übersee-Waren

Die ligurischen Hafenstädte hoffen auf einen Aufschwung durch den Gotthard-Basistunnel und bauen kräftig aus: Künftig sollen Waren vermehrt vom Mittelmeer nach Norden transportiert werden.

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FOTOS
Keystone, Getty Images, zVg
26. Oktober 2015

Vom Schiff direkt auf die Schiene: Die Neat bringt auch für Gütertransporte künftig eine deutliche Abkürzumg.


Bericht

Mit Blick auf die im kommenden Jahr bevorstehende Inbetriebnahme des Gotthard-Basistunnels wird immer wieder gerne vorgerechnet, wie viele Minuten die Bahnreisenden zwischen Bellinzona und Zürich künftig sparen werden. Dabei gerät fast in Vergessenheit, dass die Neue Alpentransversale (Neat) ja vor allem gebaut wurde, um den internationalen Güterverkehr von der Strasse auf die Schiene zu verlagern. Die Neat ist ein zentrales Element im europäischen Güterkorridor RotterdamGenua. Dort verlaufen die Warenströme überwiegend in Richtung Süden, von den grossen Überseehäfen an der Nordsee via Deutschland nach Italien.

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Abkürzung via Schiene

In Rotterdam, Antwerpen oder Hamburg wird die Ladung der Containerschiffe aus Übersee gelöscht und von dort auf dem Landweg nach Süden transportiert. Dabei zeigt ein Blick auf die Landkarte sofort, dass Savona, Genua und La Spezia in Ligurien eigentlich viel näher an der Schweiz liegen als die nördlichen Hafenstädte. Dennoch nimmt das Transportgewerbe momentan im Überseeverkehr via Suezkanal einen Umweg von mehreren Tagen in Kauf. Die Frachtschiffe fahren dabei um halb Europa herum durch die Strasse von Gibraltar, die Biscaya und schliesslich noch durch den Ärmelkanal. Der Grund dafür: Die ligurischen Häfen sind für die modernen Containerriesen einfach zu klein, und zudem gelten sie als unzuverlässig sowie streikanfällig.

Moderne Umschlagplätze

Doch das soll sich ändern. So baut zum Beispiel die dänische Maersk-Gruppe zu ihr gehört die weltweit grösste Containerschiffsreederei in Vado Ligure bei Savona einen neuen Terminal, den auch die aus dem Fernen Osten kommenden Containerriesen ab 2017 oder spätestens 2018 anfahren können. Maersk-Manager Carlo Merli: Von hier können die Güter die Lombardei, die Schweiz, aber auch Süddeutschland erreichen. Damit die Container dort jedoch nicht einzig auf Lastwagen umgeladen werden, ist auch eine effiziente Anbindung an das Bahnnetz unerlässlich. Wegen des Platzmangels an der steilen Küste Liguriens wurden dazu im Landesinneren topmoderne Umschlagplätze erstellt, so etwa der in der Schweiz bislang noch wenig bekannte Rivalta Terminal Europa in Tortona bei Alessandria. Nicht zufällig liegt dieser Containerterminal in der Poebene nahe der neuen, 55 Kilometer langen Bahnverbindung zwischen Genua und dem Piemont (Terzo Valico dei Giovi). Allerdings wird dieses Grossbauwerk mit 37 Kilometern Bahntunnels erst nach 2021 fertiggestellt sein.

Gut für die Ökobilanz

Als vorbildlich gilt heute schon der Hafen von La Spezia, der einen Bahnanteil von 35 Prozent für die Transporte ins Hinterland aufweist. Zwei Dutzend Shuttle-Züge pro Woche verbinden den Hafen mit dem Terminal Melzo bei Mailand. Von dort aus können die Waren via Gotthard nach Norden weitertransportiert werden. Die zunehmende Bedeutung der Transportroute von Süden nach Norden und der Ausbau der Häfen an der Küste Liguriens spielen auch für Grossverteiler wie Coop eine Rolle. Denn so lässt sich die Ökobilanz verbessern. Wir werden in Zukunft verstärkt davon Gebrauch machen, sagt Pierre Page von Railcare, der Güterverkehrstochter von Coop.

Camper willkommen!

Ambros Zgraggen, Leiter Medienstelle Alp-Transit

Ich bin ein waschechter Urner und stamme aus Altdorf. Ich bin also am Fusse des Gotthards aufgewachsen. Zuerst arbeitete ich als Journalist. 1999 stiess ich zur Alp-Transit Gotthard AG nur wenige Tage nach dem ersten Spatenstich für den Zugangs-stollen Amsteg zum neuen Gotthard-Basistunnel. Als Pressesprecher und später als Leiter der Medienstellen erlebte ich, wie wichtig die Kommunikation dieses Projekts war. Viele Skeptiker sind auf die Baustelle gekommen, um sich selbst ein Bild zu machen. Alle sind begeistert zurückgekehrt.

Mehr als eine Million Besucher haben wir in den Besucherzentren von Pollegio, Sedrun und Erstfeld begrüsst Bahnfans, Ingenieure, persönlich Interessierte, Politiker. 90 Prozent unserer Besucher stammen aus der Schweiz. Der Hauptdurchschlag in Sedrun im Oktober 2010 war für mich das wichtigste Ereignis. Sehr berührt hat es mich, wenn Besucher eigens für den Tag der offenen Baustelle aus grossen Distanzen angereist sind etwa Familien aus Deutschland, die mit ihrem Camper vor dem Installationsplatz übernachteten!

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