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Stimmung: Schweizer Städte leuchten

Weihnachten ist das Fest der Liebe, und des Lichts: Die Weihnachtsbeleuchtung in den Städtensorgt für besinnliche Stimmung und fördert die Freudeam Schenken.

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Keystone, Michael Djaoui, Alamy, Heiner H. Schmitt, Ti-Press
23. November 2015

Auch wenn die ganzen Strassen leuchten, der Tannenbaum darf nicht fehlen. Hier auf dem Marktplatz in Basel.


Festlich

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt, heisst es in einem bekannten Kinderreim. Ein Lichtlein? Es sind eher Millionen kleiner Lampen, welche die Schweizer Städte in der Weihnachtszeit in ein Lichtermeer verwandeln. Da kann der Weihnachtsmarkt noch so gross, die Christbäume noch so üppig geschmückt sein: Eine festliche Atmosphäre entsteht nur mit der richtigen Beleuchtung. Und das nicht nur in den eigenen vier Wänden, sondern auch in den Städten.

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Selbst in Zeiten des Stromsparens und des Klimawandels möchte kaum jemand auf die winterliche Beleuchtung verzichten im Gegenteil: Eher ist es so, dass bei uns Wünsche für zusätzliche Beleuchtungen und Vorschläge für weitere Standorte für dekorierte Weihnachtsbäume eingehen, meint Sabine Horvath, Leiterin Aussenbeziehungen und Standortmarketing in Basel und Mitglied des Vereins Basler Weihnacht, der die Aktivitäten rund um Weihnachten koordiniert. Ähnlich tönt es bei Markus Hünig, Präsident der Vereinigung Zürcher Bahnhofstrasse, welche für die Beleuchtung der bekanntesten Schweizer Einkaufsmeile zuständig ist. Wir sind überzeugt, dass ein Ausbleiben der Weihnachtsbeleuchtung bei der Bevölkerung auf wenig Verständnis stiesse, zumal der Stromverbrauch sehr gering ist. Die Weihnachtsbeleuchtung in der Bahnhofstrasse funktioniert mit Strom sparender LED-Technik.

Leuchtende Pracht: der Weihnachtsbaum auf dem Zürcher Sechseläutenplatz.

5 Watt Eine klassische Lichterkettemit herkömmlichen Lämpchen verbraucht rund 50 Watt.Dieselbe Kette mitLED-Lämpchennur noch 5 Watt.»

Glitzernder Sternenhimmel

Das Beispiel Zürich zeigt, wie gross das Publikumsinteresse an der öffentlichen Weihnachtsbeleuchtung ist. Als 2005 die Installation The Worlds Largest Timepiece in der Bahnhofstrasse montiert wurde, ging ein Aufschrei durchdie Bevölkerung. Die Mehrheitempfand die senkrecht hängenden Lichtröhren als zu kühl undwenig stimmungsvoll. Man wünschte sich wieder eine traditionellere Weihnachtsbeleuchtung. Diesem Bedürfnis kommt die aktuelle Installation Lucy nach, welche seit nunmehr sechs Jahren jeweils zur Weihnachtszeit als glitzernder Sternenhimmel über der Bahnhofstrasse hängt. Seit der Einweihung von Lucy wird öffentlich fast nur positiv berichtet, bestätigt Hünig. Kritik gibt es am ehesten, weil leider einige Geschäfte und Liegenschaftsbesitzer eigene auffällige Weihnachtsbeleuchtungen in Betrieb setzen, welche die Wirkung von Lucy stören.

Wichtige Verkaufssaison

Für viele Geschäfte ist die Vorweihnachtszeit eine wichtige Verkaufssaison. Kein Wunder, engagiert sich der Detailhandel in den Städten stark für eine festliche Atmosphäre, welche möglichst viele Besucher in die Innenstadt lockt. Während beispielsweise in St.Gallen die öffentliche Hand für die Weihnachtsbeleuchtung bezahlt, sind in Basel und Zürich die Geschäfte für die Finanzierung zuständig. Die Anschaffung und Erstinstallation von Lucy kostete rund 2,4 Millionen Franken, welche die Mitglieder der Vereinigung Zürcher Bahnhofstrasse aufbrachten. Seither investiert die Vereinigung jährlich 220000 Franken in die Weihnachtsbeleuchtung. Das Einschalten der Beleuchtung ist ein feierlicher Akt, der offiziell dasWeihnachtsgeschäft einläutet. Erfahrungsgemäss kommen in der Adventszeit viele Personen, um die Weihnachtsbeleuchtung zu sehen, meint Hünig. Und die Geschäfte hoffen natürlich darauf, dass dieser Besuch mit dem einen oder anderen Einkauf kombiniert wird. Auch in Basel ist die Anziehungskraft, die von den vorweihnachtlichen Aktivitäten ausgeht, gross. Gemäss einer Besucherbefragung gehen wir davon aus, dass die Weihnachtsstadt Basel rund 900000 Besucher anlockt, sagt Sabine Horvath. Rund zwei Drittel stammen aus der Region Basel, der Rest kommt aus der übrigen Schweiz oder dem Ausland. Horvath: Dass der Dezember längst nicht mehr der schwächste Tourismus-Monat ist, hängt direkt mit der verstärkten Vermarktung der Weihnachtsstadt Basel zusammen.

2% (100 Millionen Kilowattstunden) werden für die Weihnachtsbeleuchtung von Haushalten, Geschäftenund der öffentlichenHand im Dezember in der Schweiz verbraucht.»

Privates Engagement in Basel

Was die Organisation und Finanzierung der Weihnachtsbeleuchtung in der Deutschschweiz angeht, sei die Basler Weihnachtsstadt ein leuchtendes Beispiel für eine gute Zusammenarbeit zwischen der privaten und der öffentlichen Hand, sagt Sabine Horvath, Leiterin Aussenbeziehungen und Stadtmarketing. Denn während der Kanton den Weihnachtsmarkt organisiert, setzt sich vor allem der Detailhandel für die Beleuchtung der Strassenzüge ein. Koordiniert werden die Aktivitäten vom Verein Basler Weihnacht. Aufgrund der vielen privaten Engagements seien die Gesamtausgaben für die Beleuchtung schwierig zu beziffern, meint Horvath. Der Kanton bezahlt aus dem Swisslos-Fonds jährlich 200000 Franken an den Verein Basler Weihnacht, der wiederum Beiträge an die Beleuchtung und Baumdekorationen in der ganzen Stadt leistet. Man kann davon ausgehen, dass der finanzielle Aufwand für das gesamte Erscheinungsbild der Basler Weihnachtsstadt diesen Betrag um ein Mehrfaches übersteigt. Allein die Industriellen Werke Basel (IWB), welche die diversen Beleuchtungen auf- und wieder abhängent, investieren jährlich 70000 Franken in Arbeitskraft und Stromkosten.Bekannt sind in Basel vor allem die prachtvollen Lichterbögen, die seit über 50 Jahren in der Freien Strasse, der Hauptshoppingmeile, angebracht werden. Seither kamen immer wieder neue Beleuchtungen hinzu.

Die Romandie

In der Romandie sind kreative Kräfte am Werk

Weihnachtsbeleuchtung für einmal anders: Genf zelebriert das Geneva Lux Festival.

Futuristisches Genf

Mit zehn künstlerischen Lichtinstallationen auf zehn Plätzen erweist das Geneva Lux Festival der Poesie, der Fantasie und der Science-Fiction die Ehre. Architekten, Designer und Lichtkünstler sind an einem originellen Lichtspektakel beteiligt. Die Stadt wird in eine halbe Million LEDs und 14 Kilometer Lichterketten gehüllt. Das ist eine gute Gelegenheit, über die Landesgrenzen hi-naus zu brillieren, freut sich der Genfer Stadtrat Guillaume Barazzone.
In Lausanne sind seit 2014 sämtliche Beleuchtungen mit LEDs bestückt, die vollumfänglich von der Gemeinde finanziert werden. Die Investition beläuft sich auf eine halbe Million Franken über vier Jahre. Zwölf Projektoren mit Bildern des Comiczeichners Buche sorgen für eine zauberhafte Atmosphäre. Die 505 Beleuchtungsdekorationen werden vollständig von der Stadt getragen, erklärt der Leiter der Stadtwerke, Jean-Yves Pidoux. Im Dezember prägen sie das Stadtbild, sie haben eine ästhetische und unterhaltende Funktion für die Bevölkerung. Und für das lokale Gewerbe sind sie eine gute Werbung. In Neuchâtel tönt es ähnlich. Wenn die Tage kürzer werden, bringt dieser Lichterzauber eine wunderbare Magie und erinnert das Stadtzentrum an seine mittelalterliche Vergangenheit, stellt Stadtrat Olivier Arni fest. Das regt die Fantasie an. Man eignet sich den öffentlichen Raum wieder an!

Das Tessin

Tradition und Erneuerung in der Shoppingmeile von Bellinzona sorgen für eine besinnliche Stimmung.

Es gibt Beleuchtungen, die im Laufe der Jahre zum Wahrzeichen einer Stadt geworden sind. Wie im Fall von Bellinzona. Eine Weihnachtszeit, ohne dass sich die Viale Stazione, die Shoppingmeile von Bellinzona, von strahlenden Lichtern erhellt in einen beeindruckenden Flur verwandelt, der den Weg zur Piazza Collegiata, dem Empfangszimmer der Stadt, weist? Unvorstellbar. Bereits seit den 90er-Jahren läutet diese Beleuchtung die Adventszeit ein, auch wenn sie 2010 auf LED-Technologie umgerüstet wurde.

Weihnachtsstimmung in der Altstadt von Bellinzona.

Der Advent 2015 hält jedoch eine Überraschung bereit: Die Stadt hat die Sanierung der Viale als Gelegenheit ergriffen, die weihnachtliche Beleuchtung neu zu gestalten. Im unteren Bereich der Viale Stazione wurden in diesem Sommer 26 Bäumchen eingepflanzt und für jedes davon wurde ein Stromanschluss eingerichtet, damit sie während der Festtage beleuchtet werden können, verrät Fabio Gervasoni, Leiter der Abteilung für öffentliche Arbeiten und Umwelt der Stadt Bellinzona. Auf der Piazza del Sole, dem Mittelpunkt der adventlichen Veranstaltungen, dort, wo auch eine überdachte Eisbahn errichtet werden soll, werden wir einen grossen Weihnachtsbaum aufstellen. Ausserdem wird es den traditionellen Weihnachtsbaum auf der Piazza Collegiata geben und, nachdem die Piazza Indipendenza zwei Jahre ohne einen eigenen Weihnachtsbaum geblieben ist, wird dieses Jahr auch dort wie gewünscht ein Baum aufgestellt. Dafür, zum Teil aufgrund der Kosten für den Helikoptertransport, wird es im Corte del Municipio sowie auf der Piazzale della Stazione keine Weihnachtsbäume geben, erläutert Gervasoni.

Im Unterschied zu anderen Städten, in denen die Beleuchtung von Privatpersonen und Unternehmern finanziert wird, werden in Bellinzona die Beleuchtungskosten von rund 45000 Franken von der Gemeinde getragen. Dank der nun eingesetzten LED-Technologie bleibt der Stromverbrauch im Rahmen. Nicht umsonst wurde die Tessiner Hauptstadt auch im Jahr 2015 erneut als Energiestadt zertifiziert. Die Vorbereitungen für die Festtagsbeleuchtung sind derzeit voll im Gang: Wir testen sie gerade an einem Weihnachtsbaum und die Passanten sind stehen geblieben, um Fotos zu machen. Ich zweifle nicht daran, dass die Bürger dieses Jahr von der Beleuchtung begeistert sein werden, ist Gervasoni zufrieden.

Grosses Sparpotenzial

Wie sieht es bei der Weihnachtsbeleuchtung eigentlich mit der Energieeffizienz aus?

Die Coopzeitung sprach mit Giuse Togni, Expertin für öffentliche Beleuchtung bei der Schweizerischen Agentur für Energieeffizienz (S.A.F.E.).

Giuse Togni, Schweizerische Agentur für Energieeffizienz

Wie viel Strom verbraucht die Weihnachtsbeleuchtung in der Schweiz?
Giuse Togni: Der Stromverbrauch durch die Weihnachtsbeleuchtung beträgt 0,08 Prozent des jährlichen Konsums von Privathaushalten und Geschäften (was einer Ausgabe in Höhe von 6,55 Millionen Franken für jede der beiden Kategorien entspricht). Für die Stadtbeleuchtung beläuft sich der Prozentsatz auf 0,02 Prozent bei einer Ausgabe in Höhe von 1,45 Millionen Franken.

Das sind relativ geringe Kosten...
Ja, das stimmt. Allerdings werden immer noch herkömmliche, stromfressende Glühlampen verwendet.

Erzeugen LED-Lampen nicht ein kaltes Licht?
Das ist nicht unbedingt so. Man kann die Farbtemperatur der LEDs auswählen. Ein warmes Licht erhält man bei einem Wert zwischen 2700 und 3000 Kelvin. Dieser Wert muss auf der Verpackung angegeben sein. Andernfalls kann man das Verkaufspersonal um Rat bitten. Kaltes Licht hat eine Farbtemperatur von 4000 Kelvin.

Wie viel Prozent Strom spart eine LED-Lampe gegenüber einer herkömmlichen Glühlampe ein?
Momentan liegt die Ersparnis bei 90 Prozent. Eine Lichterkette mit 5-Watt-LED-Lämpchen spendet genauso viel Licht wie eine klassische Lichtgirlande mit herkömmlichen 50-Watt-Lämpchen.

Welche weiteren Massnahmen helfen, den Stromverbrauch zu senken?
Es empfiehlt sich, eine Zeitschaltuhr anzuschaffen, die dafür sorgt, dass die Weihnachtslichter tagsüber und nachts ausgeschaltet werden. Man kann die Uhr so einstellen, dass die Beleuchtung beispielsweise zwischen 17 und 23 Uhr sowie zwischen 6 und 8 Uhr angeht, während die Lichter die restliche Zeit ausgeschaltet bleiben. Man sollte es ja auch nicht übertreiben mit der Beleuchtung: Wir sind schliesslich nicht in Las Vegas und die weihnachtliche Hausbeleuchtung könnte die Nachbarn stören. Abschliessend sei noch darauf hingewiesen, dass die Lichter nicht vor dem ersten Adventssonntag dieses Jahr fällt er auf den 29.November eingeschaltet und spätestens am 6.Januar, dem Dreikönigstag, abgenommen oder ausgeschaltet werden sollten.