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Embolo: Mein Weg ins Nationalteam

Um es an die Spitze zu schaffen, benötigt es nicht nur Talent und Wille. Der 19-Jährige verdankt seinen rasanten Aufstieg auch der Spitzensportförderung in der Schweiz.

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FOTOS
Sandro Mahler, Heiner H. Schmitt, zVg
06. Juni 2016

Ehrgeiz

Wuchs ohne Vater auf und lebte im FCB-Heim: Breel Embolo, 19, Marktwert über 20 Millionen Franken.

Er könne sich noch ganz genau an das erste Treffen erinnern, sagt Sandro Penta, Leiter Leistungssport Basel-Stadt, der Breel Embolo von klein auf kennt und ihn auf seinem Weg zum Fussballprofi begleitet hat. Breel tauchte in seinem 7. Schuljahr erstmals auf meinem Radar auf. Sein damaliger Fussball-Club, der BSC Old Boys Basel, hat mich auf ihn aufmerksam gemacht. Bald darauf vereinbarten wir mit ihm einen Gesprächstermin. Dabei ging es um seine Aufnahme in das Leistungssportförderprogramm von Basel-Stadt. Mit Massimo Ceccaroni sei bei dieser Unterredung bereits auch schon der Nachwuchschef des FC Basel mit dabei gewesen, wie auch Breels Mutter. Eine gewisse Skepsis war da schon spürbar. Wie Eltern halt so sind. So in dem Sinne: Was soll jetzt das mit diesem Fussball und Sportklasse und so. Man musste ihn fast ein wenig zu seinem Glück zwingen.
Es hat sich gelohnt. Denn heute, mit gerade mal 19 Jahren, ist Breel Embolo Stammspieler beim FC Basel und in der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft. Für die bevorstehende Fussball-Europameisterschaft ruhen die Hoffnungen einer ganzen Nation auf seinen Schultern, während sein aktueller Transferwert von rund 20 Millionen Franken ihn zu einem der weltweit teuersten Spieler unter 20 Jahren macht.
Dass sich der Basler mit kamerunischen Wurzeln im Schnellzugstempo an die Spitze gedribbelt hat, verdankt er aber nicht nur seinem Talent.

Sandro Penta,Leistungssportförderung Basel-Stadt

Wir mussten Breel erst klar machen, dass er wirklich gut ist und eine Perspektive hat. Er war und ist auch heute noch immer hochanständig. Ich habe ihm schon zig Mal gesagt, dass er mir Du sagen kann. Ich habe ihm beispielsweise erst vor Kurzem eine SMS geschickt und ihm zum Meistertitel mit dem FC Basel gratuliert. Vielen Dank, Herr Penta, hat er geantwortet. Eine solche Loyalität, wie er sie hat, habe ich bei einem Spieler in diesem Alter noch nie gesehen. Breel merkt sich haargenau, wer ihm in seinem Leben bisher Gutes getan hat und probiert dies immer irgendwie zurückzugeben.

Einzigartiger Charakter

Bei der EM-Vorbereitung im Nati-Camp in Lugano konnte Breel Embolo schon wieder Vollgas geben.

Logisch, seine fussballerischen Fähigkeiten sind grandios, doch vor allem auch was seinen Charakter betrifft, ist Breel einzigartig einer aus einer Million, sagt Basil Gygax, ein früherer Wegbereiter Embolos von der Leistungssportförderung Baselland.
Mit dieser Aussage steht Gygax nicht alleine da. Alle seine früheren Trainer und Betreuer, die von der Coopzeitung befragt wurden, teilen diese Meinung: Breel ist loyal, fleissig uund immer positiv.

Kometenhafter Aufstieg

Breel Embolo mit neun Jahren. 

Aktuell ist das Kraftpaket der wohl beliebteste Spieler mit dem weissen Kreuz auf der Brust. Sein Aufstieg in den helvetischen Fussballolymp: kometenhaft. Kein Wunder. Während sich viele seiner Kollegen noch bei Selektionsturnieren für eine Junioren-Auswahl zu empfehlen versuchten (siehe Interview Seite 22), nahm Breel Embolo die Abkürzung.
Bereits am 13.März 2014 debütierte der damals erst 17-jährige Jüngling beim Serienmeister Basel in der ersten Mannschaft im Europa-League-Spiel gegen Red Bull Salzburg. Der damalige Trainer Murat Yakin bot den Junior anstelle der beiden verletzten Publikumslieblinge Marco Streller und Alex Frei auf dem zu dieser Zeit erfolgreichsten Sturmduo der Schweiz. Grosse Fussstapfen waren das, fast schon Big Foots, in die er treten musste. Er tat dies mit Bravour. Und so gab er nur drei Tage später, gegen den FC Aarau, sein Debüt in der höchsten Liga der Schweiz und erzielte dabei sogleich sein erstes Tor als Profi. Es war der Start in seine bisherige Traumkarriere.

Es zählt der Wille des Sportlers

Der Kleinbasler Quartier-Club FC Nordstern war der erste Verein, für den der damals neunjährige Breel Embolo seine Tore schoss.

Bereits am 13.März 2014 debütierte der damals erst 17-jährige Jüngling beim Serienmeister Basel in der ersten Mannschaft im Europa-League-Spiel gegen Red Bull Salzburg. Der damalige Trainer Murat Yakin bot den Junior anstelle der beiden verletzten Publikumslieblinge Marco Streller und Alex Frei auf dem zu dieser Zeit erfolgreichsten Sturmduo der Schweiz. Grosse Fussstapfen waren das, fast schon Big Foots, in die er treten musste. Er tat dies mit Bravour. Und so gab er nur drei Tage später, gegen den FC Aarau, sein Debüt in der höchsten Liga der Schweiz und erzielte dabei sogleich sein erstes Tor als Profi. Es war der Start in seine bisherige Traumkarriere.

Basil Gygax,Leistungssportförderung Baselland

Man muss sich das vorstellen: Breel hat die Bürolehre als U16-Jüngling begonnen und als Champions-League-Torschütze beendet. Da plant man mit einem U16-Spieler und ein halbes Jahr später muss dieser im FCB-Profikader integriert werden. Das war nur möglich, weil er auch im Schulischen sehr engagiert war. Dies verdeutlicht auch die Tatsache, dass Breel, nachdem er den FCB spätabends mit seinem Tor in die Champions League geschossen hatte, am nächsten Tag um acht Uhr morgens wieder die Schulbank drückte, respektive sich noch vor Unterrichtsbeginn mit seinem Lehrer traf, um den verpassten Stoff vom Vortag nachzuholen.

Es zählt der Wille des Sportlers

Beim 19-maligen Schweizermeister Basel reifte Breel Embolo zur festen Grösse.

Auch in der heutigen Zeit ist nur ganz wenigen Ausnahmesportlern so etwas vergönnt. Doch während in früheren Jahren auch schon mal ein Jahrhunderttalent durch die Maschen fiel respektive nicht entdeckt, geschweige denn gefördert wurde, ist ein solches Szenario heute fast nicht mehr möglich, sagt Basil Gygax und ergänzt: Mit den aktuell vorhandenen Strukturen kommt es alleine auf den Willen des Sportlers an, ob er es packt oder nicht. Denn die regionale Leistungssportförderung in Kombination mit dem Angebot an Sportklassen in allen Ausbildungsrichtungen bietet eine optimale Basis. Der Einzige, der eine solche Ausbildung verhindern könne, sei der Jugendliche selbst. Entweder reicht dann das Talent halt wirklich nicht, oder es fehlt der Wille das Engagement.
Bei Breel Embolo war beides vorhanden, und zwar in einem sehr grossen Ausmass, sagt Sandro Penta und ergänzt: Dieser Breel war schon als kleiner Bub unglaublich besonnen und bodenständig. Klar, war es schon früh sein Wunsch, Fussballprofi zu werden. Aber er hatte auch stets einen zweiten Weg im Kopf.
Für eine Bürolehre habe er sich interessiert und seinen damaligen Mentor Sandro Penta angefragt, ob er ihm bei der Suche nach einer Schnupperstelle behilflich sein könne. Lieber Breel, habe ich ihm geantwortet, sagt Penta, klar, das mache ich gerne, aber erst, wenn du mir erklären kannst, was die Bürolehre überhaupt ist. Ruckzuck sei dieser zum Berufsberater und habe sich darüber informiert. Bei unserem nächsten Treffen hat mich Breel dann im Detail darüber aufgeklärt, was dies beinhalte und für welche Branche er sich interessieren würde, sagt Penta.
Das ist Geschichte. Im Juli 2015 schloss Breel Embolo seine Bürolehre beim Nordschweizer Fussballverband ab und avancierte in dieser Zeit zum Stammspieler in der ersten Mannschaft des FC Basel.

Werner Mogg,FC Basel-U16-Trainer

Ich habe schon nach ein paar Wochen bemerkt, dass Breel ein ganz Spezieller ist. Trotzdem war es zu diesem Zeitpunkt noch schwierig zu sagen, ob er den Durchbruch auch wirklich schafft. Es war seine unberechenbare Art, Fussball zu spielen, die ihn von anderen abhob. Er machte Sachen, die kann man gar nicht trainieren. Breel war schon als Junior physisch sehr stark und schnell. Und was hinzukommt: auch nie verletzt. Einmal hat er mich aus dem Trainingslager mit der 1. Mannschaft angerufen und gefragt, ob er beim nächsten U18-Match mitspielen darf. Er spielt einfach gerne Fussball, ist immer aufgestellt und hat immer ein Lachen auf den Lippen. Breel muss man einfach gern haben.

Heilbringender Messias

Auch der Rest der Schweiz war beeindruckt von den Fähigkeiten des Juniors sah den gebürtigen Kameruner für die offizielle Landesauswahl bereits als heilbringenden Messias. So schrieb denn der Blick am 1.April 2015 nach seiner Länderspiel-Premiere im Testmatch gegen die USA: Spezial-Applaus gibts in der 56. Minute: Der erst 18-jährige Basel-Stürmer Breel Embolo feiert Nati-Premiere.
Aber eben, dieser Breel Embolo war und ist nicht nur auf dem Fussballplatz extraklasse ein Ausnahmetalent. Auch wie er seinen Weg vom 13-jährigen Stras-
senkicker bis hin zum Schweizer Nationalspieler meisterte, sucht seinesgleichen. Doch wohin führt der Weg des allgemeinen Publikumsliebling noch? Und was sagt er selbst dazu (siehe Interview Seite 16 und 17). Fakt ist: Dem FC Basel liegen schon diverse Angebote vor.
Ich würde es ihm einfach gönnen, dass es bis nach ganz oben reicht. Für ihn wäre ideal, dass er so gut wird, um sich seinen zukünftigen Club selber aussuchen zu können, sagt Basil Gygax, während Sandro Penta meint: Im Moment sieht es ganz danch aus, als ob er das bald einmal können wird. Und mit einem Lachen fügt er an: Gut, haben wir Breel damals ein wenig zu seinem Glück gezwungen.

Interview

Die Coopzeitung traf den 19-jährigen Stürmer Breel Embolo in Lugano bei der Vorbereitung mit der Schweizer Nationalelf auf die bevorstehende Europameisterschaft. Beim lockeren Gespräch gab er Auskunft über seinen Formstand und sein Leben.

Breel Embolo, wie geht es Ihrem verletzten Knie?
Ich konnte wieder problemlos trainieren, bin schmerzfrei und fit für die EM.

Es war dies ihre bisher einzige grössere Verletzung. Wie sind Sie damit umgegangen?
Als ich die Diagnose erhielt, machte ich mir im ersten Moment schon Sorgen. Unser Team-Arzt konnte mich aber rasch beruhigen. Zwar hatte ich schon öfters Probleme mit dem Knie, zu einer Pause gezwungen wurde ich bisher aber noch nie. Im Nachhinein hat es aber auch etwas Gutes. Nach 40 Ernstkämpfen mit dem FC Basel, konnte ich mich so ein wenig erholen.

Ihr Aufstieg zum Fussballprofi war ja kometenhaft. Was ist das für ein Gefühl?
Super natürlich. Ich bin mit sechs Jahren mit meiner Mutter und meinem Bruder in die Schweiz gekommen. Fussball war damals für mich noch kein grosses Thema. Ausser, dass ich mit meinen Freunden immer auf der Strasse gekickt habe. In einen Club (FC Nordstern aus Kleinbasel, Anm. d. Red.) trat ich erst mit neun Jahren ein ziemlich spät also.

Wie kam es dazu?
Ein Kollege hat mich gefragt, ob ich nicht auch Lust dazu hätte. Also ging ich nach Hause und fragte meine Mutter, ob sie einverstanden wäre.

Wie hat sie reagiert?
Sie hat quasi gejubelt (lacht). Denn ich war ein unglaublich aktives Kind und wollte abends nie ins Bett. Also sagte sie mir: Mach das unbedingt. Wenn du danach müde bist und gut einschlafen kannst, bin ich sofort dafür.

Können Sie sich noch an das erste Training erinnern? Gelang Ihnen ein Tor?
Ich kann mich noch gut daran erinnern. Ein Tor schoss ich nicht, denn ich stellte mich zu Beginn gleich freiwillig zwischen die Pfosten.

Warum?
Weil ich von Natur aus eher ein zurückhaltender Typ bin. Ich dachte mir, dass man als Goalie nicht viel falsch machen kann. Die ersten Matches stand ich also im Tor. Doch bei den Junioren werden die Positionen oft gewechselt. Als mich der Coach einmal im Sturm aufstellte, hatte ich danach Torhüterverbot. Seither spiele ich vorne.

In welchem Alter haben Sie bemerkt, dass es bis ganz nach oben reichen könnte?
Mit zehn oder elf Jahren kam ich zum ersten Mal in ein Junioren-Team des FC Basel. Gefallen hat mir das aber nicht. Das lag nicht am FCB, sondern an mir. Ich wollte Fussball spielen, um mit meinen Freunden zusammen zu sein, und diese spielten noch immer beim alten Club. Also ging ich wieder dahin zurück. Der Kontakt zum FC Basel blieb aber immer bestehen und dieser hat sich auch weiterhin um mich bemüht. Mit 13 Jahren nahm ich dann erneut einen Anlauf und bin seither dem FCB treu geblieben. An eine mögliche Profikarriere dachte ich dann aber erst mit 15 oder 16 Jahren.

Wie reagierten Ihre Eltern auf diesen Gedanken?
Ich machte meiner Mutter einmal beim Mittagessen klar, dass ich mich voll auf den Fussball konzentrieren möchte. Eigentlich war ich ja ein guter Schüler und hätte auch die Noten fürs Gymnasium gehabt. Aber beides brachte ich nicht mehr unter einen Hut. Meine Mutter war schon erstaunt, sagte aber auch, dass es meine Entscheidung wäre. Doch sie bestand auch darauf, dass ich weiterhin einigermassen gute Noten nach Hause brachte.

Sie besuchten weiter die Sportklasse und absolvierten danach eine Bürolehre. Sind Sie froh über dieses zweite Standbein?
Ja klar. Ich fand eine Lehrstelle beim Nordwestschweizer Fussballverband und war somit auch neben dem Fussballplatz mit dem verbunden, was ich am liebsten machte.

Auch als Sie beim FC Basel mit 17 Jahren in der ersten Mannschaft debütierten, führten Sie die Lehre fort.
Es war für mich von Beginn an klar, dass ich dies zu Ende bringe. Ich hatte ja auch nur noch ein Jahr zu absolvieren und Spass daran. Abgeschlossen habe ich dann mit einer 4,7. Das ist doch nicht schlecht, oder? Obwohl mein Lehrer meinte, dass ich noch besser hätte sein können.

Ihre Mutter zog früh wieder von Basel weg und Sie kamen im FCB-Wohnheim unter. Ein schwieriger Schritt für Sie?
Als ich 15 war, trat meine Mutter eine neue Stelle in Pruntrutt an. Ungefähr anderthalb Zugstunden von Basel weg. Es stand zur Diskussion, ob ich mitgehe oder nicht. Der FC Basel bot mir dann einen Platz in seinem Wohnheim an, was ich dankend annahm.

Dort wohnten Sie rund drei Jahre. Nie Heimweh?
Am Anfang schon. Aber mit der Zeit war es wie in einer grossen Familie. Ich war ja nicht alleine. Viele meiner früheren Mitspieler aus demselben Jahrgang wohnten dort. Wir wurden super betreut, bekocht und an Turniere begleitet. Man kann dies mit der Stimmung in einem Schullager vergleichen.

Alle schwärmen von Ihrem Charakter. Wie würden Sie diesen selber beschreiben?
Ich bin sehr familiär und gerne mit Menschen zusammen. Ich glaube daran, dass wenn man jemandem etwas Gutes tut, kommt es irgendwann auch wieder zurück. Auch bin ich unendlich dankbar, dass ich beim besten Fussballclub der Schweiz lernen durfte und darf.

Dem FC Basel liegen immer wieder Angebote für Sie vor. Für welchen Verein oder welche Liga würden Sie sich entscheiden, wenn Sie wünschen könnten?
Früher war immer der FC Barcelona mein Traumverein. Auch weil mein Idol, der Kameruner Samuel Eto, dort spielte. Heute faszinieren mich die englische Premier League wie auch die deutsche Bundesliga. Für mich steht aber immer im Vordergrund, dass ich spielen kann. Ich will nicht in einen Verein wechseln und dann auf der Bank sitzen. Egal, wie viel Geld ich da verdienen könnte. Daher lasse ich mir mit dieser Entscheidung noch etwas Zeit. Ich in ja auch erst 19 Jahre alt.

Nun steht die EM vor der Tür. Wie weit kommt die Schweiz?
Ziel ist natürlich, die Gruppenphase zu überstehen. Das wollen wir erreichen und sagen dies auch offen. Eine andere Einstellung wäre ja auch schwach. Danach ist alles möglich.

Selektion

Er coachte diverse SFV-Nachwuchs-Auswahlen und war an der WM 2014 in Brasilien als offizieller Scout unterwegs. U21-Trainer Heinz Moser (48) kennt den Weg zum Fussballprofi.

Heinz Moser schaut nicht nur auf den aktuellen Formstand, sonder auch auf das Potenzial.

Es sind die Helden der Zukunft. Gerade mal 14 Jahre alt, sollen sie schon bald an einer EM oder WM die Tore für die Schweiz erzielen. Anfang Mai fand in Magglingen eines von zwei Selektionsturnieren für das Schweizer U15-Fussball-Nationalteam statt. Mit dabei war auch der Schweizer U21-Coach Heinz Moser, der sich seine Favoriten notierte und erklärte, wieso.

Herr Moser, wie erkennt man ein Talent?
Was heisst Talent überhaupt? Die Antwort steht im Leitfaden von Swiss Olympic mit dem etwas komplizierten Namen Prognostische Integrative Systematische Trainer-Einschätzung, kurz PISTE.

Der Name suggeriert schon, dass dies nicht ganz so einfach ist.
Ein Talent erkennt man nicht in einer Momentaufnahme. Da gibt es die aktuelle Leistung, aber auch das Drumherum.

Wie wird denn die aktuelle Leistung im Fussball bewertet?
Es gibt fünf verschiedene Faktoren: die Technik, die Spielintelligenz, die Schnelligkeit und Ausdauer, die persönliche Präsenz auf dem Platz sowie den biologischen Entwicklungsstand.

Was muss man sich unter biologischem Entwicklungsstand vorstellen?
Sie werden heute auf dem Platz 14-jährige, jedoch auch 12- und 17-jährige Spieler sehen. Zumindest in der subjektiven Wahrnehmung. Doch alle Spieler haben Jahrgang 2002. Beim genaueren Hinsehen werden Sie aber realisieren, dass gewisse Spieler vom körperlichen her schon ausgewachsenen Männern ähneln, andere hingegen die Figur eines Primarschülers aufweisen. Das ist der biologische Entwicklungsstand, der in diesem Alter noch extrem variieren kann.

Wie wird vermieden, dass die Grossen den Kleinen vor der Sonne stehen?
Bisher wurden in erster Linie diejenigen Spieler mit der jeweils aktuell besten Leistung gefördert. Von diesem System sind wir aber weggekommen. Heute interessiert uns nicht primär, wie erfolgreich ein Talent im Moment ist, sondern, ob es sein Potenzial mithilfe der Förderung, die es erhält, auch ausschöpfen kann.
Früher wurden vor allem jene Kinder gefördert, die im ersten Semester des Jahres Geburtstag haben. Sie sind aufgrund ihres Altersvorteils je jünger, desto grösser kann dieser sein leistungsstärker und wurden deshalb bisher als vermeintliche Talente identifiziert.

Dennoch gibt es die Redewendung: Das Talent wurde ihm in die Wiege gelegt...
Es ist doch so, dass es beim Sohn eines aktiven Profifussballers schnell einmal heisst: Ui, der muss ein Talent sein. Komplett falsch ist das nicht. Und dass Gene weitervererbt werden, ist ein Fakt. Die Frage ist: Wird dies auch erkannt?

Ab welchem Alter landen die Kinder denn auf dem Radar der sogenannten Scouts?
Wir haben in der Schweiz rund hundert Ausbildungsstandorte mit zwischen 1700 und 1800 Junioren. Dabei arbeiten wir mit einer Förderstufenpyramide von Footeco (siehe Grafik unten). In diesem Rahmen beginnt schon auf Vereinsebene eine erste Selektion. Die nationale Sichtung findet dann ab Altersstufe U14 statt.

Das heisst, die Vereinstrainer geben Ihnen Spielerempfehlungen ab?
Genau. Und diese Athleten werden dann von uns aufgeboten. Im Jahrgang 2002 sind es rund 180 Spieler, die wir von den regionalen Stützpunkten für diese Selektionsturniere zusammengezogen haben. Dort spielen sie dann in zufällig zusammengewürfelten Teams gegeneinander.

Was braucht es heute für Qualitäten um Profifussballer zu werden?
Neben der technischen Begabung und der immer wichtiger werdenden Schnelligkeit benötigt es grosse Persönlichkeit. Ohne Willen, Ehrgeiz und Lernfähigkeit kann auch das grösste Talent seine Möglichkeiten nicht ausschöpfen.

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