X

Beliebte Themen

Freizeit

Nashville: Hier spielt die Musik

Gitarren, Cowboy-Boots, Live-Konzerte und Musiker prägen diese Grossstadt, die von der Atmosphäre und ihrer Unaufgeregtheit her eine Kleinstadt geblieben ist.

TEXT
FOTOS
Alamy, Michaela Schlegel, zVg; Karte: Rich Weber
22. Februar 2016

Am Lower Broadway pulsiert die Musik bei Tag und bei Nacht.


Music City

Musik ist der Antrieb dieser Stadt, sie zieht Songwriter, Sänger, Produzenten, Musiker und Fans magisch an. Nashville, Tennessee in den USA, das ist das Country-Music-Mekka. Die Autorin ist ihrem Klang und ihrer Geschichte durch die Strassen gefolgt, hat sich führen und verführen lassen wie so viele vor ihr, die nach Nashville, nach Music City, gekommen sind.

Das Ryman Auditorium.

Als Erstes zieht es sie an den Lower Broadway: Hier reiht sich ein Honky Tonk (Musikbar) ans andere. Die alten, meist dreistöckigen Häuser heben sich von den umliegenden Wolkenkratzern ab und bringen Wild-West-Feeling in die Stadt. Mit Leuchtreklamen verziert locken sie Touristen und Einheimische von der Strasse in ihre dunklen schmalen Räume, die von Live-Musikern zum vibrieren gebracht werden. Bevor das Herz überschäumt, gönnt man sich ein kühles Bier oder tritt auf die Dachterrasse an die frische Luft und beobachtet das Treiben auf dem Broadway, der breiten Hauptstrasse, von oben. Das berühmteste dieser Honky Tonks ist das Tootsies, hier standen schon Grössen wie Patsy Cline, Billy Ray Cyrus oder Willie Nelson auf der Bühne.

Die Grand Ole Oprey Show ist ein Muss für Fans.

Nur 37 Schritte davon entfernt steht die sogenannte Motherchurch (Mutterkirche) der Country-Music, das Ryman Auditorium. Ein Konzertsaal, der wie eine Kirche gebaut ist. Dort spielen bis heute die grössten Künstler der Szene. Zum Heiligtum wurde das Ryman Auditorium durch die Live-Radiosendung Grand Ole Opry Show, die 1925 vom Radiosender WSM initiiert wurde. Durch sie wurde Country-Musik in Nordamerika erst richtig populär. Da das Ryman nicht genug Leute fassen konnte, wurde 1974 für die Show der Opry-Land-Komplex ausserhalb der Stadt gebaut.

In der Country Music Hall of Fame sind Schätze der Country-Music ausgestellt.

Der Weg zur Musikhauptstadt

Nur ein paar Blocks vom Ryman Auditorium entfernt befindet sich ein imposant geschwungenes Gebäude, die Country Music Hall of Fame. Dieses Museum beherbergt nicht nur zahlreiche Artefakte wie etwa Kostüme, Gitarren und Autos von Country-Grössen, sondern vor allem die grösste amerikanische Sammlung an Musik- und Bildmaterial, die einer einzigen Musikrichtung gewidmet ist. Herr über diesen Schatz ist Alan Stoker, Kurator der Recorded Sound Collection.

Nashville ist ein kreativer Nährboden für Künstler. »

Alan Stoker, Kurator

In seinem Studio, das sich mitten im Museum befindet, digitalisiert er alte Aufnahmen der stetig wachsenden Sammlung. Für seine Arbeit wurde er mit dem begehrtesten Musikpreis, dem Grammy, ausgezeichnet. Eines seiner persönlichen Highlights war die Digitalisierung der ersten Aufnahme von Elvis Presley (siehe Youtube-Video). Der Musiker Jack White ersteigerte diese letztes Jahr für stolze 300 000 Dollar und wollte sie niemand anderem anvertrauen.
Dass Nashville zum Country-Music-Mekka wurde, lag laut Stoker nicht nur an der Grand Ole Opry Show. Sie hatte sicher eine grosse Anziehungskraft auf Studio-Musiker, Sänger und Songwriter. Aber auch Owen Bradley sei wegbereitend gewesen, der 1953 ein Musikstudio mit allen Schikanen baute. Dieses lockte die Grössen der Musikszene an, die dort ihre Alben aufnahmen. Damit machte er Nashville endgültig zur Country-Music-Hauptstadt und legte gleichzeitig den Grundstein für das Stadtviertel, das heute als Music Row bekannt ist.

Die Owen-Bradley-Statue in der Music Row.

Wo die Stars sich treffen

Die Music Row ist sozusagen die Wallstreet der Musikszene. Alle wichtigen Aufnahmestudios, Plattenfirmen sowie der Hauptsitz des Country Music Awards (CMA) verteilen sich hier auf insgesamt drei Strassen der 16th, 17th und 18th Avenue. Wer es in der Szene zu etwas bringen will, der muss früher oder später in die Musik Row kommen, wie Radiomoderator und DJ Billy Slam Duncan verrät. Egal, ob Sänger, Songwriter oder auch Radio-DJs. Ihm gelang dieser Sprung 2001, als er vom Radiosender WSIX engagiert wurde.

Wer es zu etwas bringen will, muss in die Music Row. »

Billy Slam Duncan, Radio DJ

Das Energiebündel, das 2014 auch eine wöchentliche Show für den Schweizer Radiosender Country Radio Switzerland produzierte, ist seither mit den Stars der Country-Szene auf Du und Du und kennt sich in der Music Row aus wie in seiner Westentasche. Er führt die Autorin vorbei an imposanten Gebäuden wie dem Aufnahmestudio von Riba McEntire und dem Komplex des Plattenlabels BMI zu den zwei Bars Winners und Losers. Dort feiern die Stars, wenn es ihre neuen Platten oder Lieder in die Charts schaffen: Je nach Höhe des Einstiegs im Winners (Gewinner) oder im Losers (Verlierer), meint Duncan augenzwinkernd. Wenn man in Nashville Stars begegne, bleibe man übrigens sehr diskret. Die Stars schätzen dies. Sollte man etwa Nicole Kidman und Ehemann, Sänger Keith Urban, antreffen oder Jack White, den Sänger der White Stripes, dann grüsse man höflich, gehe dann aber weiter.

Im RCA Studio B ging Elvis ein und aus.

Genauso unauffällig und unprätentiös wie die Stars verhält es sich auch mit den Gebäuden: Typisch für die Music Row sind laut Duncan nicht die wenigen grossen Prestigebauten, sondern die kleinen Häuser, die zwar wie Wohnhäuser aussehen, aber wichtige Hauptsitze von Plattenfirmen sind. Auch das legendärste Aufnahmestudio in der Music Row, das RCA Studio B, macht von aussen wenig her. Im Inneren jedoch entstanden die grössten Hits. Kris Kristofferson, The Everly Brothers und Dolly Parton waren hier Stammgäste. Sein berühmtester Gast war jedoch Elvis, der hier viele seiner Hits aufnahm. Diese Zeiten sind vorbei. Heute kann man das Studio auf geführten Touren besichtigen. Ein Kreuz auf dem Boden signalisiert aber noch, wo Elvis stand, als er in kompletter Dunkelheit seinen Hit Are You Lonesome Tonight aufnahm. Wenn zum Ende der Führung das Licht gedimmt wird und man in aller Stille die Aufnahme dieses Liedes hört, weiss man: The King is still alive.

Nicht verpassen

Konzert

Grand Ole Opry Ryman Auditorium The Bluebird Cafe

Stadttouren der besonderen Art geben die Nash-Trash-Ladies.

Stadttour

Eine besonders unterhaltsame Stadtrundfahrt bieten die Nash Trash Tours an. Im pinken Bus lästern die zwei Nash-Trash-Ladies über ihre liebsten Country-Stars, dazwischen gibts Gesangseinlagen. Ab und an erfährt man auch etwas Historisches. Unbedingt im Voraus buchen unter:

NashTrash Tours

Liegt eine Reise nach Nashville grad nicht drin? Kein Problem, mit der Serie Nashville können Sie die Stadt durch den Fernseher erleben und werden an alle wichtigen Schauplätze mitgenommen.

PDF herunterladen PDF herunterladen PDF herunterladen PDF herunterladen