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Schlangenmann kompetente Führer zeigen ihre Welt

Die Welt mit den eigenen Augen zu erkunden, ist eine gute Idee.Doch für so manches ist ein gewiefter Führer sehr hilfreich. Zum Beispiel, um Schlangen zu finden.

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FOTOS
Yannick Andrea, Heinz Lerch, Swissimage, Marketing_TP, zvg
26. Juni 2017

Interessierte Gäste auf Hans Schmockers Schlangenexkursion (v.l.): Jeannine Züst (29), Vreni Conradin (60), Pascal Vögtlin (27).


Entdecken

Es ist schwül an diesem Morgen im Unterengadin. Die Sonne brennt heiss auf Sent GR hinunter. Eigentlich ideal, um Schlangen zu finden, sagt der Reptilienspezialist Hans Schmocker (67), der an diesem Morgen mit einer kleinen Gruppe Interessierter auf Schlangensuche geht. Bei Reptilien entscheidend ist das Wort eigentlich. Denn uneigentlich kann es passieren, dass man den ganzen Tag nicht eine Schlange sieht. Doch Schmocker beruhigt: Wenn er Gäste auf eine Schlangenführung mitnehme, könne er den Erfolg fast garantieren.

Also zieht die kleine Gruppe Schlangensucher guten Mutes los. Von der Hauptstrasse sticht sie einen steilen Weg hinunter Richtung Inn. Schmocker beschäftigt sich seit 40 Jahren mit Reptilien. Wenn irgendwo in Graubünden eine Strasse oder eine Bahnlinie gebaut wird und die Bauherrschaft einen Fachmann für Reptilien braucht, klingelt bei Hans Schmocker das Telefon. Er ist quasi der Crocodile Dundee von Graubünden.

Schlangen bewohnen gerne Kunstbauten wie Bahndämme, Stützmauern oder Uferböschungen. Fahren dort Baumaschinen auf, verlieren sie ihren Lebensraum oder gar ihr Leben. Schmockers Aufgabe ist es, den Bestand zu erfassen und Vorschläge zu machen, wie man die Population schützen kann.

Gegentrend zur virtuellen Welt

Immer mehr Leute lassen sich von kompetenten Fachleuten auf spannenden Führungen die Welt erklären, sagt Heinz Keller von Schweiz Tourismus und betont das Wort spannend. Seine Organisation hat die Angebote im Internet zusammengefasst. Die Zugriffszahlen liegen weit über unseren Erwartungen, sagt er. Anzahl und Qualität der aufgeschalteten Vorschläge ebenfalls. Rund 700 Angebote sind derzeit gespeichert und es werden täglich mehr. Keller sieht in diesem Phänomen einen Gegentrend zur virtuellen Welt. Im Alltag hocken wir die ganze Zeit vor einem Bildschirm, da wollen die Leute in ihrer Freizeit raus, wollen etwas Echtes anfassen und dabei etwas lernen. Stichworte: Infotainment, Edutainment.

Ein unüblich Mass an Geduld

Auf der Suche nach der Schlange: Die Exkursionsteilnehmer und Reptilienfachmann Schmocker geben nicht auf.

Reptilienspezialist Schmocker lässt seinen Blick über Sträucher und Büsche, Steine und Holzbeigen schweifen. Mit seinem Stock stochert er in möglichen Verstecken. Unter dem dürren Gras seien die Schlangen kaum zu erkennen, sagt er. Man muss sie ein bisschen aufscheuchen. Doch Schlangen? Fehlanzeige. Unsere Hoffnung auf eine Sichtung sinkt.

Wer Reptilien in freier Wildbahn suche, der brauche ein unüblich hohes Mass an Geduld und Ausdauer, sagt Schmocker. 200 Meter weiter unten ein sogenannter Hotspot: Hier gibt es Kreuzottern und Schlingnattern immer. Also denn! Schmocker selber hat die Hoffnung offensichtlich noch nicht aufgegeben. Wichtigste Frage: Was ist zu tun bei einem Schlangenbiss? Punkt 1, erklärt der Schlangenspezialist, ruhig bleiben wobei das leichter gesagt ist als getan.

Wer Schlangen sucht, braucht ein unüblich hohes Mass an Geduld»

Hans Schmocker (67), Reptilienexperte

Grundsätzlich sei nach einem Schlangenbiss der Arzt aufzusuchen, der aber in der Regel nur die Symptome bekämpfe und darauf verzichte, ein Serum zu spritzen. Schlangenbiss-Vergiftungen verlaufen meist mit nur leichten Symptomen. Da genügen eine Überwachung im Spital und allgemeinmedizinische Behandlungsmassnahmen. Im Prinzip sei die Angst vor einem Schlangenbiss aber unbegründet, denn Schlangen seien scheu und der Mensch stehe nicht auf ihrem Speiseplan.

Wer sich traut, kann jetzt selber suchen, sagt Hans Schmocker. Wer eine Schlange finde, soll rufen. Rufen könnt ihr, so laut ihr wollt, die Schlangen hören nichts. Nur bewegen dürft ihr euch nicht. Sie sehen sehr gut und fliehen rasch. Dann werden Böschungen unter die Lupe genommen, Sonnenplätze inspiziert, Holzhaufen abgesucht. Einziger Fund: die noch relativ frische Haut einer männlichen Kreuz-
otter, vermutlich heute Morgen gehäutet, schätzt Schmocker.

Richtig gehalten sind sie entspannt

Endlich, eine weibliche Kreuzotter doch geht das wirklich mit rechten Dingen zu?

Und dann hält er plötzlich diese Schlange in der Hand beziehungsweise im Handschuh. Eine echte, lebende, 60 Zentimeter lange, weibliche Kreuzotter. Schmocker schmunzelt. Die Schlange schmiegt sich um seinen Handschuh. Wenn man sie nicht in Kopfnähe fasst und sie nicht zu stark drückt, ist sie recht entspannt, erklärt er und legt sie sachte auf einen warmen Stein. Die Kreuzotter rollt sich ein und bleibt liegen der Fotograf ist ganz begeistert. Und die Gruppe noch immer bass erstaunt, wie Schmocker die Schlange so schnell gefunden hat.

Damit ist das Ziel der Exkursion erreicht: Schlange gesehen. Sogar aus nächster Nähe. Der Guide nimmt einen Stoffbeutel, lässt die Kreuzotter hineinschlüpfen. Hat er die etwa von zu Hause mitgebracht? Nicht von zu Hause, sagt er schmunzelnd. Vor Führungen suche er immer eine Schlange und packe sie ein, damit er sicher eine zeigen könne. Nach der Exkursion fährt Hans Schmocker an den Ort, wo er das Kreuzotter-Weibchen entdeckt hat. Ich lasse es exakt dort frei, wo ich es gefangen habe. Das ist nicht mehr als fair. Schlangen fühlen sich in ihrem bekannten Habitat am wohlsten. Dort wissen sie, wo sie Nahrung, Sonnenplätze und Überwinterungshöhlen finden. Fragt sich noch, wie man Schlangen fängt. Auf zwei Arten, erklärt Schmocker. Man muss sie überraschen oder, in der Mehrzahl der Fälle, einfach schneller sein. Da vergesse ich manchmal, dass ich 67 bin.

Führungen mit Kindern

Heinz Keller, Tourismusexperte Schweiz Tourismus

Für Kinder gibt es nichts Langweiligeres, als einem Reiseführer zuhören zu müssen. Stimmen Sie dem zu?
Jein. Ich habe mit unseren Kindern von genial bis katastrophal schon alles miterlebt. Erfreulicherweise gibt es in den letzten Jahren markante Verbesserungen. Infotainment und Storytelling haben Einzug gehalten.

Wie kann man Kinder für geführte Touren begeistern?
In einer verständlichen Sprache, mit Begeisterung und in persönlicher, direkter Ansprache auf Augenhöhe.

Gibt es eine zeitliche Halbwertszeit, wie lange eine Tour für Kinder sein darf?
Das ist natürlich vom Thema und vom Alter der Kinder abhängig. Einen Richtwert gibt es meines Wissens nicht. Und: Der Glacestand am Schluss verleiht den Kindern Flügel.

Wovon würden Sie abraten, wenn man kleine Kinder hat?
Gute Guides können auch kleine Kinder bei bestimmten Themen, zum Beispiel Tiere, begeistern. Technik und Kunst sind für die Kleinsten in der Regel eher abstrakt und weniger gut vermittelbar. Aber natürlich gibt es auch hier Ausnahmen. Ich habe schon hervorragende Kulturvermittler in Kunstmuseen und Schlössern erlebt.

Ein heisser Tipp für ein tolles Erlebnis mit Kindern?
Zum Beispiel in der Sammlung Rosengart in Luzern. Dort gibt es das ziemlich einzigartige Programm Kinder führen Kinder. Vorbildlich ist auch der Kinderclub des Museums Aargau mit seinen diversen Schlössern, Museen und dem Römerlager Vindonissa. Diverse dieser Führungen und Erlebnisse sind bei den Kindern bereits Kult und werden fleissig weitererzählt. Oder die Bergwald-Wundertüte, ein neues Erlebnis im Naturpark Ela.

Die andere Sicht der Dinge

Lassen Sie sich die Schweiz zeigen über 700 Führungen und Einführungen fasst Schweiz Tourismus auf ihrer Homepage zusammen und es werden immer mehr.

Kohlebergwerk Horgen ZH

Eine Bergwerkführerin oder ein Bergwerkführer fährt die Besucher mit der Stollenbahn durch das 1,4 Kilometer lange Stollennetz. Dort lässt sich erahnen, unter welch schwierigen Bedingungen die Kohle abgebaut wurde. Geeignet für Einzelpersonen und Familien.

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Bielersee: Kind als Kapitän

Einmal im Leben Kapitän sein. Die Kapitäne der Bielerseeschifffahrt geben das Steuer gerne einmal aus der Hand und ermöglichen Kindern ein einmaliges Erlebnis. Als Souvenir erhält Ihr Kind kostenlos ein BSG-Knotenset. Für Kinder ab fünf Jahren, Anmeldung erforderlich.

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Susch GR: Sgraffitto machen

Der Engadiner Maler Josin Neuhäusler zeigt die Technik der Sgraffiti-Kunst und erklärt ihre Bedeutung. Das selbst gemachte Sgraffito können die Besucher nach dem Intensivkurs mitnehmen.

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Bern: Mani Matter

Mani Matter war Liedermacher, Troubadour und Poet. Aber auch Beamter, Kritiker, Politiker und Familienvater. Auf seinen Spuren geht es quer durch Berns Gassen und Lauben. Sie machen Bekanntschaft mit seinen wenig bekannten Seiten, mit Nationalräten und Bünzlis.

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Bern: Ein Tag mit dem Tierpfleger

Sie begleiten zwei Tierpflegerinnen oder Tierpfleger je einen Halbtag bei der Arbeit und dürfen auch selbst Hand anlegen. Der Tierpark bemüht sich, dass Sie dabei auch Ihr Lieblingstier besuchen können.

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Diemtigen BE: Schnecken im Naturpark

Für einmal geht es nicht um die Grossen: Der Schnecken-Experte berichtet von den über 250 Schneckenarten im Land und erklärt, warum nur ganz wenige scharf auf den Salat sind. Entdecken Sie die eigene Langsamkeit: Entschleunigung garantiert.

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Toggenburg: Johle- und Gradhebä-Kurs

In diesen Kursen der Klangwelt Toggenburg lernen Sie Naturjodelmelodien und Lieder aus der Alpsteinkultur und begleiten sich dazu selber mit Gradhebä. Dabei erfahren Sie etwas über die Bedeutung der Naturtöne und bauen Beispiele von Gradhebä ein.

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Luzern: Freewalk

Entdecken Sie die Schweiz durch die Augen eines Einheimischen! Die Stadtführungen werden in Luzern, Zürich, Thun, Genf, Basel, Fribourg, Lugano, Lausanne, Bern und Interlaken angeboten und sind gratis. Wer mag, gibt am Schluss ein Trinkgeld.

Mehr Infos Muotathal: Die Bödmern-Urwald-Tour Brig Simplon: Goldmine in Gondo Sargans: Versuchstollen Hagerbach Brienz: Im Führerstand aufs Brienz Rothorn Dixence: Ins Innere der Staumauer Sörenberg: Karsthöhlen-Exkursion Thunersee/Brienzersee: Einmal Kapitän sein Lenk: Scherenschnitt machen Simmental: Kräuter brauen Goldswil: Eine Kuh melken Hallau SH: Farbige Glaskugeln blasen Bern: Eigenes Parfum machen Muotathal: Naturjuuz-Kurs Chur: Auf den Spuren der Reformatoren St. Gallen: Proberli-Tour Schaffhausen: Bombardierung Winterthur: flanieren und probieren Winterthur: Die Eulach-Tour Zürich: Arbeitslose zeigen Zürich Zürich: Freewalk Zürich: Altstadt-Tour Zürich: Tuk-Tuk-Tour Aarau: Essbar Aarau: Die Dachgiebel-Tour Aarau: Bestatter Aarau: Unterirdisch Baden: Hexen und Dirnen Lenzburg: Kinderclub Museum Aargau Olten: Wetterhexe Olten: Autoren-Tour Zug: Design-Tour Luzern: Auf den Spuren der Fasnacht Luzern: Ab ins Mittelalter Luzern: Wassergeschichten Luzern: Hören-riechen-tasten Luzern: Alternativ-sozial Luzern: Detektiv-Trails Luzern: Museum Rosengart Bern: Top secret Bern: Duftspur, der Nase nach Basel: Sozialer Stadtrundgang Basel: Knastbrüder Basel: Aus den Federn Thun: Freewalk Thun: Trampelwurm Lausanne: Die einheimischen Greeters-Tour Montreux: Mit Sissi durch Montreux Genf: Watch-Tour Lugano: Moderne Architektur Casti-Wergenstein: Steinbock im Naturpark Beverin Cunter, Bivio, Lenz, Preda: Bergwald-Wundertüte Osterfingen: Biber im Naturpark Schaffhausen Zürich: Eisvogel an der Thur Aargau: Bergziegen im Jurapark Aargau Lungern: Schmetterlinge im Obwaldnerland Meiringen: Murmeltiere an der Grimsel St-Imier: Gämsen am Chasseral Cudrefin: Eisvogel am Neuenburgersee Château-d'Oex: Steinböcke in der Pierreuse (Naturpark Gruyère Pays-dEnhaut) Leukerbad: Bartgeier auf der Gemmi Acquacalda: Ameisen im Bleniotal