X

Beliebte Themen

Freizeit

Kraftvoll: Von Pferden und Drahteseln

Die Weiten der Camargue, die hügeligen Weinbaugebiete und interessante Städte: Der Süden Frankreichs hat viel zu bieten. Eine Entdeckungstour auf dem Velo.

TEXT
FOTOS
Noëmi Kern, Getty Images, zvg; Karte: Rich Weber
27. Februar 2018

Sie sind der Inbegriff der Camargue: die frei lebenden Pferde. Die Rasse gibt es nur in dieser Sumpflandschaft im Süden Frankreichs. Sur le pont dAvignon, lon y danse: Die unvollständige Brücke in Avignon ist das Wahrzeichen der einstigen Päpste-Stadt. Übrig ist heute nur noch eine Ruine. Einst war das Schloss in Châteuneuf-du-Pape die Sommerresidenz der Päpste in Avignon. Immer dem Fluss entlang. Die Rhone ist uns auf der Velotour stetige Begleiterin. Auf der Hängebrücke in der Nähe von Rochemaure. Blick von oben: Avignon mit dem Päpstepalast. Das Kloster Sénaque, davor Lavendel vor der Blüte. Dieser ist im Süden Frankreichs allgegenwärtig. Das Hotel-Schiff Excellence Rhône passiert die Burg Tarascon.

Sur le pont dAvignon, lon y danse: Die unvollständige Brücke in Avignon ist das Wahrzeichen der einstigen Päpste-Stadt.

Übrig ist heute nur noch eine Ruine. Einst war das Schloss in Châteuneuf-du-Pape die Sommerresidenz der Päpste in Avignon.

Immer dem Fluss entlang. Die Rhone ist uns auf der Velotour stetige Begleiterin.

Auf der Hängebrücke in der Nähe von Rochemaure.

Beinarbeit

Die heutige Route hält einige ruppige Steigungen für uns bereit. Das macht uns Veloleiter Jan Meulenbelt (66) klar, als er mit uns die geplante Tour durchgeht. Diese führt durch die Weinberge von Châteauneuf-du-Pape. Ihr schafft das alle ohne Probleme. Da bin ich mir sicher, macht er uns Mut. Wir, das sind elf Velofahrer, die sich für ein sportliches Programm auf dieser Velo-Fluss-Reise der Twerenbold Reise AG entschieden haben. Das heisst, wir fahren längere Strecken als die Radwanderer. Die einen sind mit dem E-Bike unterwegs, die anderen mit einem normalen Velo. An Jans ruppigen Steigungen scheitert niemand.

Beim Radfahren lernst du ein Land am besten kennen, sagte einst der amerikanische Schriftsteller Ernest Hemingway (18991961). Denn du schwitzt seine Hügel empor und saust sie dann wieder hinunter. Wie recht er damit hat! Die Belohnung für den anstrengenden Aufstieg ist nicht nur die schöne Landschaft und die tolle Aussicht, sondern auch der angenehm kühlende Luftzug beim Runterfahren.

Zudem sind Ferien auf dem Velo eine willkommene Abwechslung zum eher inaktiven Büroalltag: Man bewegt sich, ist an der frischen Luft und kann den Gedanken freien Lauf lassen. Aktiv-Erholung par excellence. Auch die Gerüche und Geräusche sind auf dem Velo besser erlebbar als im Bus oder Auto. So riecht die Luft in Südfrankreich nach warmen Nadelhölzern, nach Kräutern und Sonne. Wir hören das hohe Pfeifen der Mauersegler, das Zirpen der Zikaden. Am Wegrand leuchten die Farben des gelben Ginsters, des roten Mohns, der Rosen und des Oleanders. Wie schade wäre es, würden wir all dies verpassen.

Jeden Tag steht eine Velotour auf dem Programm. Der Süden Frankreichs, die Region Provence-Alpes-Côte dAzur, hat einiges zu bieten: Richtung Rhone-Mündung ins Mittelmeer liegen die flachen Sumpflandschaften der Camargue. Die Gegend ist äusserst fruchtbar und eignet sich daher gut als Anbaufläche für Obst, Gemüse und den berühmten Camargue-Reis. Auf der anderen Seite ist die Camargue ein grosses Naturschutzgebiet, in dem viele Vogelarten heimisch sind. Bekanntester Vertreter ist sicher der Flamingo. Zum typischen Bild gehören aber auch die Camargue-Pferde und -Stiere, die hier frei leben, jedoch jemandem gehören. Die Stiere kommen in meist unblutigen Stierkämpfen (Courses Camarguaises) zum Einsatz, beispielsweise im Amphitheater von Arles. Hier in der Camargue sind die Tiere und wir Velofahrer jedoch umgeben von Natur pur.

Gemeinsam durch Hochs und Tiefs

Einiges steiler sind hingegen die Ausläufer der Alpen mit dem 1912 Meter hohen Mont Ventoux, den die Fahrer an der Tour de France jeweils erklimmen müssen.

Trotz Hemingways Aussage: So hoch hinaus wollen wir auf unserer Reise dann doch nicht. Schliesslich haben wir Ferien. Und da wollen wir uns treiben lassen oder führen. Jan kennt die Route bereits. Er ist sie schon mehrmals gefahren in den vier Jahren, die er als Veloleiter unterwegs ist. Zudem gibt es immer eine sogenannte Reko-Reise, bevor eine neue Tour ins Programm aufgenommen wird. So wissen wir genau, wo sich ein Halt lohnt und welche Strecken man besser nicht nimmt, erklärt Jan. Er weiss auch sonst, worauf es ankommt. Versucht, immer schön regelmässig zu fahren. So werdet ihr weniger schnell müde, rät er uns.

Damit das Fahren in der Gruppe gelingt, müssen einige Regeln eingehalten werden. Wir sollen in Einerkolonne fahren und genügend Abstand halten. Mit Handzeichen und Rufen macht Veloleiter Jan auf Stoppstrassen, Hindernisse auf der Strasse oder Gegenverkehr aufmerksam. Neben der Sicherheit liegt ihm eines ganz besonders am Herzen: Jeder soll eine gute Zeit haben. Deshalb ist gegenseitige Rücksichtnahme unabdingbar. Braucht jemand dringend eine kurze Pause, hält die Gruppe an. Und wenn jemand gar nicht mehr mag, gibt es immer die Möglichkeit, früher in den Bus zu steigen.

Eine gute Zeit haben wir. Doch es gibt auch Hochs und Tiefs nicht nur landschaftlicher Art, sondern auch moralischer: müde Beine, ein schmerzendes Füdli, Hunger, einen Platten, ein E-Bike, dessen Antrieb nicht funktionieren will Wir unterstützen uns gegenseitig mit einem Traubenzucker, mit Zuspruch, mit einer Velopumpe. Das schweisst unsere Velogruppe schnell zusammen.

Von Künstlern und Päpsten

Als Kontrastprogramm und zur Erholung bleibt auch Zeit für Stadtbesichtigungen. Das Städtchen Arles wurde 46 vor Christus von Julius Cäsar gegründet. Ein mächtiges Amphitheater erinnert noch heute an die römische Vergangenheit der Stadt. Auf den Besuch eines Stierkampfes verzichten wir allerdings.

Der niederländische Maler Vincent Van Gogh wohnte 1888 während kurzer Zeit in Arles. Er hoffte, hier die blauen und heiteren Farben des Südens zu finden. Diese Zeit war eine seiner kreativsten Phasen: Er malte 187 Gemälde in 16 Monaten. Kein Wunder: Das Städtchen ist das, was man als malerisch bezeichnet. Alte, enge Gässchen, Blumen an den Häusern, Pflastersteine und viele kleine Cafés. Frankreich aus dem Bilderbuch.

Avignon ist dagegen recht pompös mit der noch intakten Befestigungsmauer und dem Papstpalast. Die Stadt der Päpste war von 1309 bis 1423 Papstsitz. Bekanntestes Wahrzeichen ist jedoch die Brücke, die in der Mitte des Flusses aufhört. Der Legende nach entstand der Pont Saint-Bénézet, weil eine himmlische Stimme den Schäferjungen Bénézet dazu veranlasst hatte, eine Brücke über die Rhone zu bauen.

Die Stadtbewohner verspotteten ihn zuerst. Als er jedoch einen schweren Stein aufhob und damit den Grundstein legte, erhielt er Unterstützung für den Brückenbau. Durch verschiedene Kriege und Hochwasser wurde die Brücke immer wieder beschädigt und schliesslich ganz aufgegeben. Hochwasser zerstörten später die Brücke so weit, dass heute nur noch vier Brückenbogen stehen. Sie gehören zum Unesco-Welterbe Historisches Zentrum Avignon.

Gutes Essen, gute Gesellschaft

Am Ende sind alle wieder pünktlich auf dem Schiff. Gut so, denn es wird am späteren Nachmittag ablegen und für die nächsten Stunden auf dem Rhonekanal unterwegs sein.

Nun winken eine wohlverdiente Dusche und ein feines Diner. Am Tisch treffen wir uns wieder. Denn die Velogruppen, inklusive Veloleiter, essen gemeinsam. Währenddessen geniessen wir die Aussicht auf die vorbeiziehende Landschaft. Und wir unterhalten uns über den vergangenen Tag und das Programm von morgen. Es hat aber auch Platz für andere Themen: Woher kommst du? Was machst du im richtigen Leben? Kennst du dieses Buch oder jenen Film? Die Stimmung ist ausgelassen, fröhlich, fast schon familiär. Es ist immer schade, wenn sich eine tolle Gruppe nach einer Woche wieder auflöst, findet Jan. Doch nicht jeder Abschied ist für immer: Bisweilen entstehen hier neue, jahrelange Freundschaften. Und für viele unserer Gruppe ist klar: Wir machen wieder eine solche Reise.

Und selbst, wenn nicht: Diese Art des Reisens lohnt sich dennoch. Denn am Ende lernt man dabei eben nicht nur das Land kennen, sondern auch sich selber und seinen
Körper.

Die Autorin reiste im Juni 2017 auf Einladung der Twerenbold Reise AG.

Gut zu wissen

Gelungene Veloferien

  • Eigenes Velo oder Mietvelo?
    Jeder Gast kann wählen, ob er sein eigenes Velo mit auf die Reise nimmt oder eines mieten will. Auch die Wahl zwischen E-Bike und normalem Velo ist jedem Teilnehmer freigestellt.
  • Gruppeneinteilung
    Bereits bei der Anmeldung gibt jeder an, ob er eher gemütlich oder sportlich unterwegs ist. Entsprechend wird man von den Veloleitern eingeteilt. Ein Wechsel während der Reise ist bei Bedarf möglich.
    Die Velogruppen bleiben in der Regel auch beim Abendessen zusammen. Der Veloleiter isst mit der Gruppe. Es gibt also keinen separaten Leitertisch.
  • Doping für Normalsterbliche
    Es empfiehlt sich, neben genügend Flüssigkeit eine kleine Stärkung für zwischendurch dabeizuhaben: Getreideriegel, Traubenzucker, Dörrobst oder Obst (z.B. Bananen). Denn es kann sein, dass man einen Energieschub braucht, wenn gerade keine Verpflegungspause ansteht und es keine Einkaufsmöglichkeit gibt.
  • Kleidung
    Man verbringt einige Stunden pro Tag auf dem Sattel. Das ist mit der Zeit spürbar. Eine gut gepolsterte Velohose kann dies zwar nicht verhindern, aber doch entschärfen. Auch gepolsterte Velohandschuhe sowie eine Sonnenbrille sind gute Helfer. Einen Velohelm zu tragen, ist auf den Twerenbold-Reisen zwar nicht Pflicht, jedoch empfohlen.

Angebot: Das schwimmende Hotel

Die Excellence Rhône begleitet die Velo-Reisenden von Anfang bis Ende der Tour. Die Tagesetappen starten vom Schiff aus entweder mit einer Busfahrt oder direkt auf dem Velo und enden auch wieder beim Schiff. Das Praktische daran: Das Schiff kann, wo nötig, während des Tages die Anlegestelle wechseln und die Gäste am Zielort wieder empfangen.

So ist auch das Hotelzimmer immer mit dabei und man muss nicht jeden Morgen erneut seine Koffer packen. Wenn nach dem Tagesprogramm alle wieder an Bord sind, legt das Schiff ab. Man kann nach dem Duschen einen Apéro auf dem Sonnendeck geniessen und sich vom Velofahren erholen. Und während des Diners verändert sich die Aussicht aus dem fahrenden Schiff laufend. Damit die Gäste ruhig schlafen können und nicht von den Motoren gestört werden, legt das Schiff über Nacht an.

Twerenbold hat verschiedene Angebote, die Velofahren und Flussreisen miteinander kombinieren. Die Reise im Schiff Excellence Rhône führt Sie auf der Rhone und der Saône durch die landschaftlichen Schönheiten von Südfrankreich und des Burgunds.

Die Veloferien und -touren sind so konzipiert, dass sie von jedem Teilnehmer und jeder Teilnehmerin ohne Probleme bewältigt werden können.

Die Reisedaten 2018:

  • 28.4. 5.5.2018
  • 12.5. 19.5.2018
  • 18.8. 25.8.2018
  • 1.9. 8.9.2018
Twerenbold