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Volldampf voraus!

Die Schifffahrt spielt eine wichtige Rolle beim Ausflugsverkehr in unserem Land. Besonders speziell: eine Tour mit der Greif, dem ältesten Dampfer der Schweiz.

FOTOS
Christoph Kaminski, Keystone, Christian Perret, Alamy
30. Juli 2018

Seit 1895, also schon über 120 Jahre, tuckert die Greif über den Greifensee. Ob Sprachrohr, Steuerruder oder Manometer ? Schiffsführer Ernst Bosshard hat die alten Instrumente im Griff. Heizer Hansueli Fuchs sorgt für ordentlich Dampf und auch für Geschmeidigkeit. Rund 90 Minuten dauert die Fahrt mit der Greif über den Greifensee.

 

Auf dem Greifensee

 

«Langsam zurück», ruft Schiffsführer Ernst Bosshard (65) in das kleine Messingrohr auf der Kommandobrücke. Heizer Hansueli Fuchs (72) bestätigt den Befehl am anderen Ende der Leitung und beginnt unten im Maschinenraum zu hebeln, schippt noch ein bisschen Kohle nach und lächelt dann zufrieden. Die Greif tuckert los, verlässt die Werftshütte an der Schifflände in Maur ZH und dampft davon. Macht sich auf, für eine weitere Fahrt auf dem Greifensee – es ist eine von vielen. 

Zwar ist die Schweiz ein Binnenland, doch spielt die Schifffahrt eine wichtige Rolle im Tourismus und beim Ausflugsverkehr. Die rund 170 Schiffe der eidgenössisch konzessionierten Schifffahrtsunternehmen befördern auf den Schweizer Seen, Flüssen und den Grenzgewässern rund 13 Millionen Passagiere pro Jahr. Speziell für Fans von alten Maschinen ist eine Fahrt auf der Greif. Sie ist das älteste mit Kohle befeuerte Dampfschiff der Schweiz. Am 12. Oktober 1895 stach sie das erste Mal in See.

Nur noch zum Vergnügen

Schon sechs Jahre zuvor hatte der Gemeindeverein Maur die Initiative zur Schaffung einer öffentlichen Schiffsverbindung ergriffen. Am 20. April 1890 erfolgte dann die Gründung der «Dampfschifffahrts-Gesellschaft vom Greifensee». Schuld daran war die beginnende Industrialisierung. Die kleinen gemächlichen Ruderboote genügten den steigenden Anforderungen nicht mehr. Es benötigte leistungsfähigere und schnellere Schiffe. Mit der Greif ist zumindest eines davon noch heute in Betrieb. Während sie damals für die regelmässige Schifffahrt zwischen den Gemeinden rund um den Greifensee verantwortlich war, «fährt das Schmuckstück heute aber nur noch zum Vergnügen», erzählt Hans-Peter Schefer (72), Vizepräsident der Stiftung zum Betrieb des Dampfschiffes Greif. Wobei die kleine Crew mindestens genauso viel Freude daran hat wie deren Passagiere. Jeweils von Ende April bis Anfang Oktober ist die Greif unterwegs. Tuckert von Maur nach Greifensee, legt in Niederuster an und fährt wieder zurück zum Ausgangspunkt. Rund 90 Minuten dauert eine Tour. «Wir fahren aber nur an Sonn- und Feiertagen», ergänzt Schefer. «Und nur bei guten Wetterbedingungen», ruft Heizer Hansueli Fuchs von unten.

 

Dem Heizer gehts an die Substanz

 

Fuchs schwitzt. Gute 25 Grad über Aussentemperatur muss er im kleinen Maschinenraum unter Deck aushalten. «Das geht schon an die Substanz», meint er und nimmt einen grossen Schluck aus seiner Wasserflasche. Der 72-Jährige ist heute der Mann, der schon am längsten auf dem Schiff ist. Um sieben Uhr am Morgen hat er mit Einheizen begonnen. Gute drei Stunden dauere dies. Davor musste er aber noch die Schlacke vom Vortag entfernen, den Rost putzen sowie Wasser- und Ölstand kontrollieren.

Seit sechs Jahren sorgt der Pensionär, der mit seiner schwarzen Mütze, dem «Blaumann» und dem roten Tüchlein um den Hals an «Lukas den Lokomotivführer» erinnert, für ordentlich Dampf im Kessel der Greif. «Freude an alten Maschinen ist da natürlich Voraussetzung», meint er. Es sei ein Privileg, eine solche Perle bedienen zu dürfen. Pro Fahrtstunde verbrennt diese Perle übrigens gut 25 Kilo Kohle. Das sei aber noch gar nichts. Allein zum Anheizen schaufelt Hansueli Fuchs ganze 60 Kilo davon in den Ofen des Dampfers. «Zuerst wird mit Holz angefeuert und dann kommt die Kohle drauf», erklärt der Maschinist seinen Knochenjob und stellt klar: «Es muss aber spezielle Kohle sein, eine mit hohem Brennwert». Diese beziehen sie von der Dampfbahn Zürich Oberland.

Doch nicht nur die Kohle ist speziell. Auch die Dampfmaschine im Unterbau der Greif ist besonders. «Besonders schön vor allem», findet Fuchs, sagts und nimmt ein Ölkännchen, um die Gelenke des alten Kraftpakets ein wenig zu schmieren. Das gehöre dazu, immerhin habe die Maschine schon über 120 Jahre auf dem Buckel. «Ja, richtig gehört», prahlt Hansueli Fuchs, «es ist immer noch das Original aus dem Jahre 1895.» Gedampft hat es aber nicht durchgehend auf der Greif.

 

Durch Zufall wieder gefunden

 

Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 begann die grosse Kohlennot; der Betrieb musste reduziert und teilweise sogar eingestellt werden. Mit dem Beginn des Ölzeitalters erhielt auch die Greif 1916 einen neuen Daimler-Benzinmotor. Erst in den Jahren 1986 bis 1988 – also mehr als ein halbes Jahrhundert später – wurde das Schiff durch die Stiftung nach den Originalplänen restauriert und wieder mit der ursprünglichen Dampfmaschine ausgestattet. «Durch puren Zufall haben wir diese 1979 wieder gefunden», erklärt Stiftungs-Vizepräsident Hans-Peter Schefer. «Sie diente jahrzehntelang einem Schwimmbagger im Zürcher Obersee als Kübelkettenantrieb.»

Mittlerweile hat die Greif ihren ersten Halt «Greifensee» am heutigen Tag hinter sich und dampft gemütlich Richtung Uster. Für Schiffsführer Ernst Bosshard ein wenig zu gemütlich. «Chasch ä bitzeli me gä», ruft er seinem  Maschinisten zu. «Bitzeli me», quittiert dieser, hebelt und schaut auf die Manometer-Anzeige und ruft dann zurück: «I mues aber no chli me Druck ha», sagts, packt seine Schaufel und schippt ein paar Kohlestücke nach. Schiffsführer Bosshard nickt und lässt seinen Blick zufrieden über den See schweifen. Eine Aura purer Glückseligkeit umgibt ihn dabei. Und während er voraus schaut, haben die meisten Passagiere nur Augen für die alte Dampfmaschine – «ein unglaublich faszinierender Anblick», meint einer und knipst mit seiner Spiegelreflex, was das Zeug hält.

Seit 38 Jahren lenkt Ernst Bosshard  Schiffe über die Schweizer Seen. Es ist seine Passion – die Arbeit, in der er aufblüht. Schon als kleiner Bub habe er am liebsten Schiffe gemalt. Sie strahlten etwas aus, das ihn faszinierte. Zu den richtigen Booten kam Ernst Bosshard dann durch ein Zeitungsinserat. Es ist der Anfang einer langen Karriere auf dem Wasser – und Land ist noch lange nicht in Sicht. Nach seiner Lehre in der Maschinenfabrik Rüti arbeitet Bosshard 20 Jahre als Schiffsmechaniker in der Werkstatt, bis seine Karriere auf alten Limmatbooten ihren Anfang nimmt. Dabei durchläuft er alle Stationen, «den klassischen Weg», sagt er, «vom Matrosen bis zum Schiffskapitän.»

Es ist schon ein Unterschied zu den grossen Dampfern.»

Ernst Bosshard

Mehr als sein halbes Leben stand Bosshard als Kapitän am Steuer der beiden grossen Raddampfer «Stadt Zürich» und seinem Schwesterschiff «Stadt Rapperswil». Am Karfreitag dieses Jahres gab er sein Ruder aus der Hand und trat in den Ruhestand. Oder eher (Un)-Ruhestand? Ernst Bosshard will die Leinen noch nicht ganz loslassen.

Vor drei Jahren nahm er mit der Stiftung Greif Kontakt auf und absolvierte Ende Mai 2018 die erforderliche Zusatzprüfung für Schiffsführer auf dem Greifensee. So heissen die Bootslenker auf dem zweitgrössten See im Kanton Zürich – nicht Kapitän. «Diesen Test hat der erfahrene Mann mit Bravour bestanden», erinnert sich Stiftungsvizepräsident Hans-Peter Schefer und ergänzt: «Wir sind stolz, einen solch gestandenen Kapitän neu in unseren Reihen zu wissen.» Neben Ernst Bosshard steuern noch acht weitere Schiffsführer die Geschicke der Greif – auch Heizer Hansueli Fuchs hat noch eben so viele Berufskollegen.

Die heutige Besatzung hat die Sache im Griff. Das Duo Bosshard/Fuchs wirkt eingespielt, routiniert. Kaum zu glauben, dass es für Ernst Bosshard die erste offizielle Fahrt als Schiffsführer der Greif ist. Und dies, obwohl er sagt: «Es ist schon ein enormer Unterschied zu den grossen Dampfern auf dem Zürichsee.»

 

«Mädchen» für alles

 

Im Gegensatz zu seinem früheren Job  mache er hier alles selbst, sagt Ernst Bosshard. Schiff putzen, Schweizer Fahne hissen, Tickets verkaufen und den Passagieren die Getränke servieren. 24 Gästen bietet die Greif maximal Platz. An diesem Sonntag waren es neun auf der ersten Fahrt. Gefallen hat es allen. Vor allem den Kindern, die  zwischendurch sogar selber steuern durften.

Zwei weitere Touren stehen heute für das Duo Bosshard/Fuchs noch auf dem Programm. Danach haben beide vorerst genug Dampf abgelassen.

  

KURZ UND BÜNDIG

  • Am 12. Oktober 1895 stach die Greif zum ersten Mal in See.
  • Pro Stunde verbrennt sie 25 Kilo Kohle.
  • Im Heizerraum ist es 25 Grad über Aussentemperatur.
  • Die Greif fährt nur bei gutem Wetter.

   

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