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Filmtipp

A Star Is Born

Schauspieler Bradley Cooper überzeugt bei seinem Regiedebüt als Sänger, Sängerin Lady Gaga als Schauspielerin. Dieses Remake hat es wahrlich in sich. 

FOTOS
© 2018 Warner Bros. Ent. All rights reserved.
04. Oktober 2018

 

Filmbewertung

Jackson Maine (Bradley Cooper) ist ein gefeierter Country-Rockstar, der mit seinen mitreissenden Gitarrenriffs und seinem charismatischen Gesang grosse Halle füllt. Doch sein Stern ist im Sinken – Schuld sind Alkohol, Pillen und anderen Drogen, denen er verfallen ist. Getrieben in die Sucht haben ihn der Stress im Musik-Business. Zudem suchen ihn ein schlimmer Tinnitus sowie drohende Taubheit heim. Nach einem Konzert ist der einsame und griesgrämige «Wolf» auf der Suche nach Alkohol und landet zufällig in einer Drag-Bar, in dem Travestiekünstlerinnen ihre Performances zum Besten geben.

Amüsiert lässt er sich volllaufen. Plötzlich aber wird er vom tollen Gesang aus dem Suff gerissen. Auf der Bühne trägt eine junge Sängerin den französischen Chansons «La vie en rose« vor – und zwar mit einer solchen Intensität und Stimmgewalt, dass Jackson seine Augen und Ohren nicht von ihr lassen kann. Nachdem er sich versichert hat, dass die Vortragende ganz bestimmt kein geschmikter Mann ist, lässt er sich in ihre Garderobe führen und lernt Ally (Lady Gaga) kennen, die eigentlich als Kellnerin arbeitet – aber von einer grossen Karriere als Sängerin träumt.

Am nächsten Tag lässt Jackson Ally zu seinem nächsten Konzert einfliegen und holt sie während seines Auftritts für ein Duett auf die Bühne. Sie begeistert mit ihrem Können nicht nur Jackson, sondern auch die Massen. Damit ist ein neuer Stern am Pophimmel aufgegangen – a star is born. Jackson entdeckt auch Allys Qualität als Songschreiberin und nimmt einige Lieder von ihr in sein Bühnenprogramm auf. Als ein Manager vor der Tür steht, lässt sich Ally nicht zweimal bitten. In kurzer Zeit wird sie zur supererfolgreichen Newcomerin – allerdings trimmt der Manager sie zur Dance-Pop-Sängerin.

Jackson unterstützt sie am Anfang stark, fällt aber immer wieder zurück in seine Alkoholsucht. Dies wird immer schlimmer, je stärker Ally beim Publikum ankommt. Offenbar kommt sein Ego nicht mit dem Erfolg seiner Frau – sie haben in einer Kurzschlussreaktion geheiratet – zurecht. Es kommt zu Streitigkeiten, Jackson sagt unschöne Dinge zu Ally; ausserdem stellt er Ally bei der Grammy-Verleihung bloss, in dem volltrunken zu ihr auf die Bühne torkelt, etwas ins Mikrofon lallt und sich dann auch noch in die Hosen pinkelt. 

Irgendwie schaffen die beiden es dennoch, ihre Liebe zu retten – und Jackson geht für einige Monate in den Entzug. Scheinbar geläutert kommt er zurück, schreibt Liebeslieder für seine Frau. Da erfährt er zufällig – und ohne das Wissen von Ally – , dass sie sich eine Weltkarriere wünscht und noch mehr Erfolg auf einer grossen Tournee haben möchte. Aber sie erklärt ihm am nächsten Tag, dass sie erst einmal eine Pause machen und Zeit mit ihm verbringen möchte. Jackson hat aber Angst vor einem Rückfall. Hat Angst vor der immer schlimmer werdenden Taubheit, die für ihn als Musiker besonders tragisch wäre. Und hat Angst, dass er Ally bei ihrer Entfaltung zum Weltstar im Weg steht. Kann es eine gemeinsame Zukunft für die beiden geben?

Singende Schauspieler, schauspielernde Sänger – das hat es immer wieder gegeben. Oft war den Versuchen wenig Erfolg beschieden. Dieses Mal allerdings sieht die Sache anders aus: Bradley Cooper zeigt mit seiner überraschend verletzlich-rauen Stimme, dass er durchaus auch als Rockstar eine Karriere einschlagen hätte können. Und Stefani Germanotta alias Lady Gaga schlägt sich schauspielerisch überzeugend als treue Ehefrau, deren Karriere plötzlich ins Unermessliche explodiert.

Und in ihrem angestammten Metier zeigen die beiden, auf die der Film ganz und gar zugeschnitten ist, dass sie es können. Wer schon einmal einen Fall in der Familie oder unter den Freunden hatte, erkennt, wie perfekt der 43-Jährige Cooper die Bewegungen, den Blick und das Genuschel eines Alkoholikers draufhat. Er spielt den Jackson Maine mit seinen vielen lichten, aber auch vielen dunklen Momenten auf einer reduzierten Art und Weise, die aber auch noch einige Interpretationen des Zuschauers zulässt. Und Lady Gaga dominiert mit ihrer vollen Stimme den ganzen Film – ihr hört man während der über zwei Stunden Laufzeit mit Ehrfurcht zu. Zudem hat der Streifen für die 32-Jährige auch etwas Autobiografisches. Denn als sie mit ihrer Karriere begann – übrigens genau vor 10 Jahren –, waren ihr Einstieg ins Musik-Business auch tanzbare Disco-Knaller mit treibendem Beat. Erst mit ihrem letzten Album «Joanne» (2018) trat sie aus dem Schatten des Dance-Pop heraus und zeigte mit rockigeren Songs ihr beeindruckendes Stimm-Repertoire. 

Der aktuelle Film ist seit 1937 bereits die vierte Version des bewährten Stoffes. Filmconnaisseuren sind vor allem Judy Garland und Fredric March (1954) sowie Barbra Streisand und Kris Kristofferson (1976) als Liebespaare ein Begriff. Doch die 2018er-Version ist keineswegs ein schlechter Aufguss eines alten Themas. Im Gegenteil: Das Drama wirkt deutlich energetischer und packender als manch einer seiner Vorgänger. Vor allem macht der Film musikalisch sehr viel Spass. 

Ein Wermutstropfen bleibt am Ende aber doch, der «A Star Is Born» aber nicht anzulasten ist. Denn die Erkenntnis vor allem von älteren Semestern wie dem Autor dieser Zeilen ist: «Richtige» Mega-Stars sterben immer mehr aus – sowohl in der Popmusik als auch auf der Leinwand. Oder gibt es bereits Nachfolgerinnen oder Nachfolger für Legenden wie Michael Jackson, Prince, Madonna, Barbra Streisand, Robert de Niro oder Elizabeth Taylor?

Im Kino

A Star Is Born

Filmstart: 4. Oktober 2018
Land: USA 2018
Länge: 136 Minuten
Besetzung: Bradley Cooper, Lady Gaga, Sam Elliott
Regie: Bradley Cooper