X

Beliebte Themen

Filmtipp

25 km/h

Was sind Versprechen, die man sich mit 15 Jahren gibt, als Mittvierziger noch wert? Zwei entfremdete Brüder finden auf einem rasanten Roadtrip auf ihren alten Mofas wieder zueinander – und zu sich selbst.

TEXT
06. November 2018

 

Filmbewertung

Versprechen darf man nicht brechen, erklären wir unseren Kindern. Doch was ist mit den vielen Versprechen, die wir uns als Kinder oder Jugendliche gegenseitig gegeben haben? Jene, die wir vielleicht – oder eher ganz bestimmt – im jugendlichen Übermut formulierten, damals aber überaus ernst meinten. Mit 15 Jahren verspricht man sich ewige Liebe, man gelobt, niemals Kinder zu haben, man schwört, niemals so zu werden wie die Erwachsenen. Aber was sind solche Versprechen 30 Jahre später noch wert?

Die Brüder Christian (Lars Eidinger) und Georg (Bjarne Mädel) waren in ihrer Kindheit unzertrennlich. Sie stellten Streiche an, bewiesen sich ihren Mut bei waghalsigen Stunts, lachten und stritten miteinander. Richtige Brüder eben. Und sie planen einen Trip mit ihren Töfflis von ihrem Schwarzwälder Kaff Löchingen quer durch Deutschland, geknüpft daran allerhand verrückte Bedingungen. Ziel war es, gemeinsam in die Ostsee zu pinkeln. Doch dazu kam es nie, weil es Christian bei erster Gelegenheit weg von der öden Heimat und vor allem von dem streitbaren Vater. Die grosse Finanzwelt lockte.

30 Jahre später kehrt Christian aus Singapur zurück – aber nur zur Beerdigung seines Papas und das auch noch zu spät. Prompt kommt es am offenen Grab zur Prügelei der beiden entfremdeten Brüder. Doch ebenso schnell versöhnen sich die zwei wieder – dem Schnaps sei Dank. Und weil im Suff die besten Ideen entstehen, überredet Christian seinen grossen Bruder, den geplanten Roadtrip doch noch in Angriff zu nehmen. Sofort, mit 2 Promille im Blut, in den Beerdigungs-Anzügen, auf den alten Mofas, die – oh Wunder – immer noch laufen.

Und so starten die zwei in ihr Abenteuer. Anfangs noch etwas holprig und unbeholfen, da sie einfach nicht mehr aneinander gewöhnt sind. Doch immer mehr wird der Roadtrip zu einer Reise zu sich selbst. Während Christian sich mit seiner Vergangenheit und seinem unehelichen Sohn auseinander setzen muss, beginnt sich Georg mit der Beziehung zu seiner ungeouteten Jugendliebe zu beschäftigen. Und nebenbei gilt es, die Bedingungen zu erfüllen und mit all den Unwägbarkeiten der neuen Bekanntschaften und Erlebnisse zurecht zu kommen.

«25 km/h» ist nicht nur ein weiterer Film zum Thema «Wer bin ich und was will ich eigentlich?». Vielmehr ist es eine unterhaltsame Komödie, welche den Grat zwischen Klamauk und Nachdenklichkeit gekonnt meistert. Mitverantwortlich dafür sind die beiden Hauptdarsteller, bei denen der eher unbekannte Bjarne Mädel mit dem wandelbaren Lars Eidinger auf Augenhöhe agiert. Aber der Film ist auch in den teils skurrilen Nebenrollen prominent besetzt. So funktioniert Unterhaltung nicht nur für ehemalige Töfflibuben, sondern für beide Geschlechter – und am besten natürlich, wenn man sich auch in den Vierzigern befindet.

Im Kino

25 km/h

Filmstart: 8. November 2018
Land: Deutschland 2018
Länge: 116 Minuten
Besetzung: Lars Eidinger, Bjarne Mädel, Franka Potente, Alexandra Maria Lara
Regie: Markus Goller