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Filmtipp

Hotel Artemis

Jodie Foster war fünf Jahre lang weg von den Kinoleinwänden. Nun flickt die 55-Jährige in «Hotel Artemis» angeschossene Gangster wieder zusammen und beweist dabei Mut zur Hässlichkeit.

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23. August 2018

Filmbewertung

 
 

 

Waikiki, Niagara, Nice, Honolulu oder Acapulco – das sind alles wunderbare Fleckchen auf dieser Erde, auf denen man Ferien macht, um sich zu erholen. Wohl deshalb hat die Krankenschwester (Jodie Foster) bei der Eröffnung des Hotel Artemis vor 22 Jahren die Zimmer ihres speziellen Etablissements nach diesen Orten benannt. Gleichzeitig werden diese Namen auch zu den Namen der temporären Bewohner, denn was diese am meisten schätzen, ist Anonymität. Denn im Hotel Artemis macht niemand Ferien. Es ist ein illegales Spital für Verbrecher. Gegen eine beträchtliche Mitgliedschaftsgebühr findet man im Notfall Aufnahme im Artemis. Ein solcher Notfall ereilt eine Gruppe von Bankräubern, deren Raubzug misslingt und in mehreren Schusswunden endet. Während ein Bankräuber vom hünenhaften medizinischen Assistenten Everest (Dave Bautista) darauf aufmerksam gemacht wird, dass seine Mitgliedschaft abgelaufen ist, werden zwei Brüder in Waikiki und Honolulu untergebracht.

 Herrscherin über das Hotel Artemis: Die Krankenschwester.

 Ein neuer Gast hat eingecheckt. Die Krankenschwester und Everest kümmern sich um ihn.

 Rund um das Hotel Artemis herrscht Ausnahmezustand in Los Angeles.

 «Waikiki» traut dem Frieden im Hotel Artemis nicht.

Doch das Pech der verhinderten Bankräuber ist einerseits, dass rund um das Hotel Artemis die grössten Bürgeraufstände in der Geschichte von Los Angeles toben und andererseits, dass Honolulu beim Banküberfall unwissentlich dem grausamen Unterweltsboss «Wolf King» (Jeff Goldblum) Diamanten im Wert von 18 Millionen Dollar geklaut hat. Noch grösseres Pech ist, dass ebendieser Wolf King selbst ein medizinisches Problem hat und ebenfalls das Hotel Artemis aufsucht. Weil sich im Zimmer «Nice» auch noch eine Profikillerin eingenistet hat, ergibt sich im Zuhause der Krankenschwester eine explosive Mischung, in der die Regeln – keine Cops, keine Waffen, keine anderen Patienten töten – gleich reihenweise missachtet werden.

 Was verfolgt «Nice» für Pläne im Hotel Artemis?

Der prominenteste Gast überhaupt bringt Unruhe ins Hotel Artemis: «The Wolf King» ist verletzt. 

Everest, die loyale rechte Hand der Krankenschwester, bringt einen geheimen Gast.

 Rund um das Hotel Artemis herrscht Ausnahmezustand in Los Angeles.

Handlung und Besetzung dieses speziellen Actionthrillers sind absolut reizvoll. Superstar Jodie Foster beweist bei ihrem ersten Kinoauftritt seit fünf Jahren Mut zur Hässlichkeit und besticht als vom Schicksal gezeichnete Krankenschwester. Die Atmosphäre im etwas heruntergekommenen Hotel Artemis ist dicht und alle Figuren geheimnisvoll. Jeder hat ein dunkles Geheimnis, keiner traut dem anderen über den Weg – zurecht. Der ganze Film vor dem Hintergrund der Bürgeraufstände wegen Wasserknappheit in der nahen Zukunft übt eine spezielle Faszination aus und hat nur ein Manko: Er ist zu kurz. Man möchte viel mehr sehen und erfahren von diesen leidenschaftlichen, abgelöschten, aggressiven, arroganten, loyalen und verzweifelten Figuren, aber man kriegt nicht mehr als diese 94 Minuten. Vielleicht ist das ja auch gar kein Manko in einer Zeit, in der im Kino alles grösser, bunter und lauter wird, sondern die grosse Stärke von Hotel Artemis.

Credits:
Filmstart: ab 23. August 2018 in den Deutschschweizer Kinos
Land: USA 2018
Länge: 94 Minuten
Regie: Drew Pearce

Cast:
Die Krankenschwester – Jodie Foster
Waikiki – Sterling K. Brown
Nice – Sofia Boutella
The Wolf King – Jeff Goldblum
Everest – Dave Bautista