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Filmtipp

Mary Poppins' Rückkehr

Disneys Super-Nanny ist zurück auf der Leinwand! Emily Blunt tritt 54 Jahre später die Nachfolge von Julie Andrews an – und tut dies mit dem Charme des Originals.

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19. Dezember 2018

 

Filmbewertung

 

Erziehung ist heutzutage Ermessenssache. Die klare Hierarchie – wir sind die Eltern, ihr die Kinder – ist einem verschwommenen Miteinander gewichen. Ja den Nachwuchs in die Entscheidungen einbinden, lieber diskutieren und überzeugen als anordnen und befehlen. Da ist es nur verständlich, dass ein traditionsbewusstes Unternehmen wie Disney wieder die guten alten, aber leicht verstaubten Werte aus der Mottenkiste holt. Zumal der Unterhaltungskonzern seine grössten Erfolge nicht vergisst. Und so kehrt Mary Poppins, die Super-Nanny der 60er-Jahre,  zurück auf die Leinwand. Weder Kosten noch Mühen wurden gescheut, denn schliesslich gilt es, einem mit fünf Oscars bedachten Meisterwerk gerecht zu werden.

Auch die Originalbesetzung wurde dabei nicht vergessen. Dick van Dyke (93) wird von Bert zum gealterten Banker (den er auch schon 1964 spielte). Das Scheinwerferlicht gehört aber ganz Emily Blunt. Die gebürtige Londonerin zeigt dabei eine weitere Kostprobe ihrer schauspielerischen Bandbreite. Nach lustigen («Der Teufel trägt Prada»), romantischen («Lachsfischen in Jemen»), toughen («Edge of Tomorrow», «Sicario») und zerbrechlichen («The Girl on the Train») Rollen schlüpft die 35-Jährige in das biedere Kostüm der tanzenden und singenden Mary Poppins.

Und sie tut das mit einer Selbstverständlichkeit, als hätte es nie eine andere Schauspielerin in der Rolle der Mary Poppins gegeben. Schon im ersten Moment, als sie vom Himmel segelt, um im unter der Wirtschaftsdepression der 30er-Jahre ächzenden London für bunte Magie zu sorgen, strahlt sie jene gekonnte Mischung aus britischer Korrektheit und Schalk aus, die sie über die ganze Filmdauer hinweg nie verliert. Zudem glänzt sie stimmlich und tänzerisch in den vielen Musikeinlagen, dass es eine wahre Freude ist.

Ach ja, zur Story: Michael (Ben Whishaw) und Jane Banks (Emily Mortimer), die Kinder aus dem ersten Teil, sind erwachsen geworden. Michael hat nun selbst Kinder, drei an der Zahl. Aber er durchlebt harte Zeiten. Nach dem Verlust seiner Ehefrau droht der Witwer nun auch noch, das Haus zu verlieren. In der finanziellen Not nahm er einen Kredit auf das Familienanwesen auf, welchen der skrupellose Banker Mr. Wilkins (Colin Firth) mit einem fünftägigen Ultimatum nun vollumfänglich zurückfordert. Das ist natürlich nicht zu schaffen, ausser man findet die Aktienurkunde von Michaels und Janes Vater. Aber wo suchen? Da taucht die wunderbare Mary Poppins wieder an der Cherry Lane 17 auf, und plötzlich wird alles viel einfacher.

Es war ein cleverer Schachzug von Disney, nicht einfach ein Remake der ursprünglichen Geschichte zu machen. So lässt man das Original in seiner ganzen Pracht stehen und ehrt dieses nun vielmehr mit der Fortsetzung. Und auch diese ist ganz im Stil des Vorbilds gehalten. Die Tricktechnik, die seit den 60er-Jahren mehrere Quantensprünge vollzogen hat, wird subtil eingesetzt. Wieder agieren die guten alten Zeichentrickfiguren mit den realen Schauspielern, womit der Zauber erhalten bleibt. Alte Geschichte, neue Effekte, viel Tanz und Gesang – ein zauberhaftes Musical für die ganze Familie, pünktlich zur Weihnachtszeit.

Im Kino

Mary Poppins' Rückkehr

Filmstart: 20. Dezember 2018
Land: USA 2018
Länge: 130 Minuten
Besetzung: Emily Blunt, Ben Whishaw, Emily Mortimer, Lin-Manuel Miranda, Colin Firth, Meryl Streep
Regie: Rob Marshall