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Filmtipp

Gundermann

Die wahre und bewegende Geschichte des Gerhard Gundermann, der sein Geld als Baggerfahrer und die Lorbeeren als Musiker verdiente – in der DDR und im Deutschland nach der Wende.

10. September 2018

Filmbewertung

 
 

 

Von der Arbeitsmoral her war Gerhard Gundermann, 1955 in Weimar geboren, ein vorbildlicher Bürger des Arbeiter- und Bauernstaates DDR. Bereits frühmorgens pflügte er sich mit dem Bagger durchs Lausitzer Braunkohlewerk – obwohl er doch in der Nacht zuvor mit seiner Band auf der Bühne gestanden hatte. Gundermann wollte seine Kohle mit den Händen verdienen und zur Erfolgsgeschichte des real existierenden Sozialismus beitragen. Weil er jedoch sah, wie gross die Misswirtschaft in der DDR war und diese auch anprangerte, eckte er bei der Partei an. Sein Verhältnis zu ihr war ambivalent: Er war SED-Mitglied, wurde als Stasi-Spitzel angeheuert und selber bespitzelt, weil man ihm nicht recht traute. Gleich zweimal wurde er aus der Partei ausgeschlossen.
 
Nach der Wende arbeitete Gundermann weiter als Baggerführer. Mit seiner neugegründeten Band feierte er grosse Erfolge; er traf den Nerv der verunsicherten Bürger im Osten Deutschlands. Gleichzeitig umtrieb ihn seine Vergangenheit als Informeller Mitarbeiter der Staatssicherheit. Von dieser inneren Unruhe Gundermanns, seinem Zweifeln, aber auch den real existierenden Problemen in der DDR sowie im Deutschland nach der Wende erzählt dieser Film. Und von der Liebesgeschichte mit Conny, die von einigen Up and Downs geprägt ist, aber keinen Zweifel daran lässt, dass sich da zwei gefunden haben, die trotz aller Widerwärtigkeiten zusammen gehören.
 
«Gundermann» ist eine feinfühlige Biographie, spannend erzählt und grossartig gespielt, allen voran von Alexander Scheer (Gundermann) und Anna Unterberger (Conny). Gleichzeitig ist Regisseur Andreas Dresen, selber in der DDR geboren, damit ein Erzählstück gelungen, das auch im Geschichtsunterricht nützlich wäre – wo doch die heutige Generation kaum mehr weiss, wie das damals in der DDR und auch nach der Wende war.
 
Gerhard Gundermann starb 1998, im Alter von bloss 43 Jahren, an einem Gehirnschlag.
 
Credits:
Filmstart: ab 13. September 2018 in den Deutschschweizer Kinos
Land: Deutschland 2018
Länge: 128 Minuten
Regie: Andreas Dresden

Cast:
Gerhard Gundermann – Alexander Scheer
Conny Gundermann – Anna Unterberger
Führungsoffizier – Axel Prahl
Volker – Milan Peschel