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Filmtipp

The Mule

90 Jahre alt und kein bisschen schüchtern: Clint Eastwood bessert seine Rente als Drogenkurier für das mexikanische Kartell auf. Ein grossartiger Roadtrip.

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31. Januar 2019

Filmbewertung

Ein bisschen Drama ist bei Clint Eastwood immer dabei. Deshalb mag ich seine Filme auch nicht alle. Das heisst nicht dass sie nicht gut bis grossartig sind, aber Sympathie kann man nicht immer auf das filmische Handwerk reduzieren. So muss ich eine cineastische Unterlassungssünde gestehen: Ich habe «Million Dollar Baby» nie gesehen. Noch nie, zumindest. Ich konnte mich schlicht nicht überwinden, da ich weiss, dass es traurig endet. Andere Meilensteine von Eastwood liebe ich aber: «Unforgiven», zum Beispiel. Oder auch Gran Torino. Und in «The Mule» sind wir wieder bei einem Auto, dem klapprigen Pickup von Earl Stone (Clint Eastwood).

Der fast 90-jährige Kriegsveteran wird im Herbst seines Lebens von seinen Fehlern eingeholt. Viel zu viel Zeit hat er seiner Arbeit und seinem Hobby, der Zucht von Taglilien, gewidmet. Seine Familie hat er komplett vernachlässigt, was darin gipfelte, dass er während der Hochzeit seiner Tochter Iris (Clints echte Tochter Alison Eastwood) lieber in einer Hotelbar eine Auszeichnung seiner Blumen feierte. Deshalb haben Iris und seine Ex-Frau Mary (Dianne Wiest) mit ihm abgeschlossen. Nur Enkelin Ginny (Taissa Farmiga) hält noch zu ihm und lädt ihn zu ihrer Hochzeit ein. Doch was kann er finanziell beitragen? Er ist pleite, seine Gärtnerein wird gerade zwangsgepfändet. Da kommt das Angebot, für viel Geld als Kurier durch die USA zu fahren, gerade recht. Denn Earl ist schon immer gerne Auto gefahren. Nur komisch, dass all die tätowierten Mexikaner ihm einschärfen, er dürfe nie, unter keinen Umständen in die Tasche auf seiner Ladefläche schauen…

Das mag etwas nach «The Transporter» in der Senioren-Ausgabe klingen, aber «The Mule» bietet weit mehr als unterhaltsame Action. Der Aufbau des Plots, wie aus einem harmlosen Rentner der wichtigste Drogenkurier des mexikanischen Kartells wurde, ist glaubwürdig. Und Clint Eastwoood macht als Earl einfach Spass. Der Senior – ein Redneck vor dem Herrn – lässt sich weder von Drogenboss Laton (Andy Garcia) noch von DEA-Agent Bates (Bradley Cooper) einschüchtern und geniesst seinen neuen Reichtum in vollen Zügen. Dabei versucht er verzweifelt, die Zeit zurückzudrehen, doch da stösst auch Earl an seine Grenzen. Wie gesagt, ein bisschen Drama ist bei Clint Eastwood immer dabei. In «The Mule» mit dieser grandiosen Besetzung und der packenden, berührenden Handlung aber meisterhaft und lebensbejahend. Grossartig! 

Im Kino

The Mule

Filmstart: 31. Januar 2019
Land: USA 2018
Länge: 116 Minuten
Besetzung: Clint Eastwood, Bradley Cooper, Taissa Farmiga, Alison Eastwood, Dianne Wiest, Laurence Fishburne, Andy Garcia
Regie: Clint Eastwood