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Filmtipp

Zwingli

Huldrych Zwingli hat die Deutschschweiz mit seinen reformatorischen Gedanken nachhaltig verändert. Ein aufwendiges, düsteres Historiendrama beleuchtet seinen aufopferungsvollen Kampf gegen die katholische Kirche.

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14. Januar 2019

Filmbewertung

Zürich ist bekannt für seine hohe Lebensqualität. Doch 1519, also vor genau 400 Jahren, sah es in der Limmatstadt noch ganz anders sein: Pest, Armut und eine übermächtige Kirche machen den Zürchern das Leben schwer. Da kommt Huldrych (im Film volksnah «Ueli» genannt) Zwingli (Max Simonischek, 36) mit seinen reformatorischen Gelüsten gerade recht. Der Pfarrer lässt sich von Erasmus von Rotterdam dazu inspirieren, die Bibel auf deutsch zu übersetzen und fortan auch in der Kirche auf deutsch zu predigen, damit die Leute Gottes Wort auch verstehen und sich ein eigenes Bild davon machen können. Denn er ist der Meinung, dass die Kirche die Bibel falsch interpretiert, beginnend schon mit dem Zölibat, das er als erster bricht. Doch nicht nur das: Die Steuern, mit denen sich die Kirchenmänner ein schönes Leben machten, sollten fortan sinnvoll eingesetzt werden – für soziale Einrichtungen wie Armenhäuser und Spitäler.

Während er im Volk polarisiert – von den einen wird er als Messias verehrt, von anderen als Ketzer verteufelt –, macht sich Zwingli die ganze katholische Kirche zum Feind, allen voran der Generalvikar Johann Faber (Oskar Bingisser). Nur den Stadtrat unter dem Vorsitz von Bürgermeister Röist (Stefan Kurt) unterstützt ihn in seinen Bemühungen. Während Zwingli in Anna Reinhart (Sarah Sophia Meyer) seine grosse Liebe findet, verbeisst er sich zunehmend in seine Mission – und muss gleichzeitig seine übereifrigen Gefährten unter Kontrolle halten. Auf zarte Erfolgserlebnisse folgen immer wieder frustrierende und auch blutige Rückschläge.

Die Macher von «Schellen–Ursli» und dem «Verdingbub» haben aus Sabine Schmids Drehbuch ein packendes, düsteres Stück Schweizer Geschichte gemacht. Zürich erkennt man fast nicht wieder, denn die Limmatstadt wurde von jenen Digitaltechnikern von «Game of Thrones» 500 Jahre zurückversetzt. Für einen Schweizer Film hat «Zwingli» schon fast monumentale Ausmasse, die Kirchenszenen wurde vor echter Kulisse im Grossmünster gedreht. Hier wurde kein Aufwand gescheute, das Resultat hat internationale Qualität.

Man fühlt in diesem düsteren Historiendrama fast körperlich mit den Einwohnern der Limmatstadt mit – und ist am Ende froh, dass man im 21. Jahrhundert lebt. Aber für jene, die im Geschichtsunterricht einen Fensterplatz hatten, ist es eine hervorragende Gelegenheit, diese einschneidende Epoche unseres Landes nicht nur aufzufrischen, sondern sogar hautnah mitzuverfolgen. Schliesslich hat Zwingli massgeblichen Anteil daran, dass Zürich zu einer der Städte mit der höchsten Lebensqualität gehört. Weltweit.

Im Kino

Zwingli

Filmstart: 17. Januar 2019
Land: Schweiz 2018
Länge: 126 Minuten
Besetzung: Max Simonischek, Sarah Sophia Meyer, Charlotte Schwab, Anatole Taubman, Stefan Kurt
Regie: Stefan Haupt