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Welt der Kräuter

Ob auf dem Balkon oder im Garten: Mit den richtigen Kräutern findet jeder den Einstieg ins Gärtnern. Viel braucht es nicht und schon bald gilt es, regelmässig zu ernten.

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Stöh Grünig
28. April 2014

Bericht

Besonders einfach zu kultivieren sind mediterrane Kräuter wie Majoran, Oregano, Thymian, Salbei, Lavendel, Rosmarin, mehrjähriges Bohnenkraut, Lorbeer und Currykraut. Gartenneulinge können damit nicht viel falsch machen, und wenn die Kräuter mal ein, zwei Tage kein Wasser bekommen, lassen sie nicht gleich die Köpfe hängen. Mediterrane Kräuter kommen stets an die Sonne. Sie schätzen einen warmen, geschützten Standort und wachsen auch gut in einer Kräuterspirale oder über ein Steinmäuerchen. Für einen heissen Balkon sind sie perfekt. Im Topf brauchen sie Kräutererde und eine gute Drainage. Also wird in die Gefässe erst einmal eine Schicht Blähton gefüllt, damit die Wurzeln nicht faulen, falls es mal zu nass wird. Falls alte Zinkwannen oder Holzkisten verwendet werden, sollte man grosse Abflusslöcher in die Gefässe bohren.

In grösseren Kistchen und Kübeln oder auf einem Hochbeet können die mediterranen Kräuter bestens miteinander kombiniert werden. Ich pflanze sie gern in alte Holzkistchen und setze noch ein paar Nelken und Verbenen als Farbtupfer dazu. Auch Pelargonien eignen sich, da sie die gleichen Bedürfnisse haben wie die südländischen Kräuter. Für giessfaule Gärtner gilt: Lieber nur wenige, grössere Gefässe mit mehreren Kräutern und Blumen bepflanzen, als zu viele kleine Einzeltöpfchen aufstellen: Grosse Gefässe trocknen viel weniger schnell aus! Düngen sollte man diese Kräuter nur spärlich. Und im Winter braucht es etwas Glück, damit sie überleben. Aber Hauptsache, sie erfreuen uns erst mal einen Sommer lang, und falls es nicht zu kalt wird, überstehen die meisten den Winter. Schopflavendel musste ich aber auch schon ersetzen, und wenn der Thymian mit der Zeit struppig wird und alles Zurückschneiden nichts mehr nützt, gibts auch davon gelegentlich einen neuen. Es muss ja nicht alles für die Ewigkeit sein.

Auf einem nicht so sonnigen Balkon oder Beet eignen sich für Anfänger am besten Minzen und Melisse. Von den Minzen gibt es diverse Sorten mit verschiedenen Aromen. Eine wunderbare Pflanze zum Sammeln: Von der Ananas- bis zur Bananenminze gibt es fast alles. Für Kinder sind Minzen ein grosser Spass und die verschiedenen Aromen lassen sich in erfrischenden Sommertees entdecken. Zitronenmelisse darf in der halbschattigen Tee-Ecke auch nicht fehlen. In der Kultur sind Minzen und Melisse sowieso kinderleicht, sie wuchern wie verrückt manchmal mehr, als einem lieb ist. Im Garten sollte man sie darum mit Bedacht freilassen und nur an Stellen auspflanzen, wo sie nicht andere, weniger stark wachsende Pflanzen bedrängen. Auf dem Balkon kommen sie am besten in grossen, nicht zu hohen Gefässen in den Halbschatten. Zinkwannen, Weinkistchen oder halbierte Fässer sind ideal. Darin lässt sich ein Minzegärtchen mit verschiedenen Sorten arrangieren.

Melisse wächst entweder neben den Minzen oder allein in einem grösseren Kübel. Ich verwende dafür Gemüseerde und etwas Kompost. Von Minzen und Melisse sollte man regelmässig ernten, damit die Pflanzen schön buschig bleiben. Wenn sie blühen, alles abschneiden und zum Trocknen aufhängen, dann treiben sie wieder neu aus. Insbesondere die Melisse sollte man zurückschneiden, bevor sie blüht. Das ist vor allem im Garten wichtig, weil sie sich sonst überall versamt.

So beliebt Basilikumin der Küche ist, im Garten ist es das Kraut für Fortgeschrittene.»

Minzen und Melissesind mehrjährige Stauden, die jeden Frühling neu austreiben. Im Winter können sie einfach draussen bleiben. Wenn die Wurzeln zu gross werden, teilt man die ganzen Klumpen mit dem Spaten oder mit einem scharfen Messer in mehrere Teile und pflanzt die einzelnen Stücke separat wieder ein. Da sie so dankbar wuchern, sind sie gute Anfängerpflanzen, um das Teilen und Vermehren zu üben. Beim Einpflanzen gebe ich stets eine Portion Kompost bei, dann wachsen sie mit frischer Kraft weiter. Auch das Vermehren mit Stecklingen lässt sich an den Minzen gut üben: Sie wurzeln sogar in einem Wasserglas. Kinder können so beobachten, wie sich neue Wurzeln bilden.

Etwas schwierigerzu kultivieren sind die Klassiker Petersilie und Schnittlauch. Grundsätzlich gilt: Die kommen je separat in ein Gefäss. Sie sind nicht sehr gesellig und stören sich aneinander. Grössere Töpfe oder ein altes Weinkistchen sind ideal. Sie mögen humoses Substrat, am besten eine Mischung aus Kompost und Gemüseerde. In den Gefässen wollen sie zudem regelmässig gedüngt werden. Auch sollten sie nicht an einem allzu heissen Standort in der brennenden Sonne stehen. Leichter Halbschatten ist besser.

Petersilie ist eine zweijährige Pflanze, die Pfahlwurzeln bildet. Sie sollte nicht verpflanzt werden. Im zweiten Sommer schiesst der Peterli meist auf und blüht, dann schmeckt er nicht mehr. Ich säe jedes Jahr neue Petersilie an, sodass immer genug vorhanden ist. Im Gemüsegärtchen habe ich gleich beim Eingang eine Reihe von meinem Lieblingskraut. Manchmal gehe ich nur in den Garten, um etwas Peterli zu naschen.

Schnittlauch darf auchnie fehlen für die Küche. Er ist eine mehrjährige Staude und bildet mit der Zeit grosse, dichte Wurzelklumpen. Zum Überwintern macht er keine Probleme, und wenn er einmal gut angewachsen ist, hat man ihn ewig. Gelegentlich teile ich die Klumpen, um sie zu vermehren. Ich habe auch immer ein paar Töpfe mit Schnittlauch auf dem Balkon, wo sie auch hübsch ausse-hen, wenn sie blühen. Und Schnittlauchblüten eignen sich in der Küche prima als Dekoration.

Ein Sonderfallunter den Kräutern ist das Maggikraut, denn dieses wird sehr gross. Es braucht tiefgründigen, humosen Boden, dann kann es mannshoch werden und zu Klumpen von einem Meter Durchmesser heranwachsen. Im Garten ist so ein grosses blühendes Maggikraut ein wahrer Hingucker und macht sich auch in einem naturnahen Staudenbeet zwischen den Blumen gut. Auf dem Balkon ist ein grosser Kübel nötig, damit es ordentlich was hermacht. In kleineren Töpfen bleibt es kleiner. Aber falls man nur etwas Maggikraut für die Suppe braucht, reicht das natürlich. Maggikraut mag viel Kompost und in kleineren Töpfen muss es auf jeden Fall regelmässig gedüngt werden, sonst werden die Blätter bald gelb.

So beliebt Basilikumin der Küche ist, im Garten ist es das Kraut für Fortgeschrittene. Was man zuerst einmal wissen muss: Herkömmliches Basilikum ist eine extrem kurzlebige Pflanze. Bei mir gehen die auch immer ein und zwar sofort, wenn ihnen das kleinste Problem begegnet: eine kühle Nacht, zu viel Wasser, zu wenig Wasser, zu wenig Sonne
Und dass zarte Basilikumblätter gut schmecken, wissen natürlich auch die Schnecken. Darum ziehe ich Basilikum in Gefässen auf dem Balkon. Dort wächst es auch besser, weil die Erde in den Töpfchen tendenziell etwas wärmer ist als der Gartenboden. Ab Mitte Mai lässt sich Basilikum in kleinen Tontöpfen recht einfach selber ansäen. Dann muss man regelmässig giessen, aber nicht zu viel, damit die jungen Pflänzchen nicht faulen. Und dann heisst es ernten, bevor das Basilikum blüht, und den ganzen Sommer alle paar Wochen etwas neues Basilikum säen. Oder aber gleich eine grosse, veredelte Basilikum-Pflanze kaufen die sind viel robuster und lassen sich den ganzen Sommer über beernten.

Koriander ist ebenfalls heikel,wenn das Wetter nicht stimmt. Er braucht genug Sonne und genug Wärme. Dann heisst es ernten, bevor er aufschiesst. Das geht mitunter schneller, als einem lieb ist. Oder man lässt ihn stehen und verwendet dann die Samen. Auch Koriander säe ich den Sommer über immer wieder an. Wenn es ihm im Garten gefällt, versamt er sich mitunter und taucht dann zwischen dem Gemüse wieder auf, was mir sehr recht ist. Korianderblätter sind so zart und welken so rasch, dass sie ganz frisch geerntet am besten schmecken.

Arbeitskalender

  • Stauden aufbinden, bevor der Wind sie knickt.
  • Zweijährige Blumen säen.
  • Balkonkästen und Hängekörbe bepflanzen.
  • Rosen und Stauden auf Schädlinge und Krankheiten kontrollieren.
  • Schnecken im Auge behalten, falls nötig einsammeln oder Bio-Körner streuen.
  • Bohnen aussäen.
  • Sommergemüse pflanzen.
  • Erste Schnittsalate und Kräuter ernten.
  • Kübelpflanzen schneiden, umtopfen, düngen und langsam an die Freilandbedingungen gewöhnen.
  • Jäten, jäten, jäten!
  • Wenn nötig, gründlich wässern. Lieber einmal viel Wasser geben, als immer wieder ein wenig. Gefässe müssen aber stets regelmässig gegossen werden.
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