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A-Cappella-Comedy-Show: Bliss im Glück

Tournee: Sie harmonieren perfekt, bringen das Publikum mit Slapstick zum Tränenlachen und mit gefühlvollen Songs zum stillen Staunen. Nun sind sie wieder unterwegs.

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Siggi Bucher
06. Oktober 2014
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Bericht

Das Programm beginnt für ein A-cappella-Ensemble nicht unüblich mit einem Klassik-Medley. Doch wenn ein Mann mit schütterem Haar und exaltierter Mimik die Liebe besingt, die ein rebellischer Vogel ist (Habanera aus George Bizets Oper Carmen), dann ist das schon zum Kreischen komisch. Wenn am Ende der Show derselbe Mann das Publikum mitnimmt auf den Highway to Hell (AC/DC), dann gibt es dafür stehende Ovationen. Dazwischen liegen gut zwei Stunden, in denen das Ensemble alles gibt, von Slapstick und Wortwitz bis zu artistischen Einlagen. Vor Lachen bleibt zuweilen fast unbemerkt, in welcher Perfektion die sechs Mannen stimmlich harmonieren. Doch beim Bob-Dylan-Song Make You Feel My Love entsteht auch einer jener magischen Momente, in denen man im Publikum eine Stecknadel fallen hören könnte.

Ansatzlose Harmonien: Das Headset ersetzt das Anstimmen.

Die stärksten Momente sind ihre Adaptionen von Pop-Hits. »

Erfahrenes Ensemble

Das Programm, mit dem Bliss aktuell wieder auf Tour ist heisst Die Premiere, ist aber alles andere als ein Erstlingswerk. Das Ensemble wurde schon 1999 gegründet; Christian Hiesch (Tenor mit Katzenallergie), Matthias Arn (Bariton mit Fremdwortschwäche) und Claudio Tolfo (Countertenor mit Frisurproblem, wie eingangs bereits erwähnt) waren von Anfang an dabei. Lukas Hobi (Tenor mit unklarem Geburtsjahr) kam 2005 hinzu, zwei Jahre später Tom Baumann (Bariton und Frauenversteher). Als Bliss vor drei Jahren einen Ersatz für den vakanten Bass suchte, meldete sich Viktor Szlovák. Der Ungar war zu jener Zeit als Strassenmusikant in der Schweiz unterwegs. Er konnte zwar kaum ein Wort Deutsch, überzeugte aber mit druckvoller Stimme. Seither gibt er dem Harmoniegesang von Bliss eine solide Basis und bewahrt Die Premiere in allen Krisenlagen mit sto-ischer Ruhe vor dem Schlimmsten (in Ungarn wäre das undenkbar). Das Repertoire von Bliss streift neben der populären Klassik auch historische Vorbilder des A-cappella-Gesangs. Doch das rührselige Lied vom kleinen Glück (Irgendwo auf der Welt) der legendären Comedian Harmonists aus den 1930er-Jahren wirkt in der schweizerdeutschen Version vor allem komisch. Und Nella Martinettis Bella Musica wird leicht umgetextet zu einer grandiosen Lachnummer. Die stärksten Momente bei Bliss sind die Adaptionen von Pop-Hits, die das Publikum auf Anhieb wiedererkennt, von I Want You Back (Jackson Five) über Rosanna (Toto) und Robbie Williams' Skandalnummer Come Undone bis zu Songs von Justin Timberlake oder einem schrägen Mix von Dancefloor-Fegern (Scatman, Cotton-Eyed Joe) bei Bliss heisst das bezeichnenderweise Hühner-Medley.

Ausgefeilte Technik

Damit diese Songs so perfekt klingen, hat Bliss intensiv geprobt unter anderem mit einem der ganz grossen Stars der A-cappella-Szene, Andrea Figallo. Der Italiener war elf Jahre lang Bassist bei der britischen Gruppe Flying Pickets (Only You, 1983) und singt heute beim deutschen Ensemble Wise Guys. Besonders frappierend ist, wie ansatzlos Bliss singt: Eben noch spielen die sechs Männer einen Sketch, dann lassen sie schwupps komplexe Harmonien erklingen, ganz ohne Einstimmen. Möglich ist dies durch die moderne Technik: Via Headset bekommen sie den ersten Ton eingespielt. Dass sie es aber auch anders können, haben sie im Sommer beim internationalen Festival vokaltotal in Graz bewiesen, wo Matthias Arn ganz traditionell die Stimmgabel aus der Hosentasche hervorholte und mit seinen fünf Freunden gleich zweimal den 1. Platz belegte, in den Kategorien Pop und Comedy. Für ihr komödiantisches Talent wurden die Blisser zudem mit dem Publikumspreis belohnt.

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