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Filmkritik: Birdman

Vor vielen Jahren verkörperte Michael Keaton als Batman einen Superhelden. Genau wie Riggan Thomas, die Hauptfigur in Birdman(oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit), die die Massen faszinierte. Eine erstaunliche Parallele in einem erstaunlichen Film.

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ZVG
26. Januar 2015

Riggan Thomson (Michael Keaton) ist konsterniert: Diese Bruchbude soll seine Garderobe für das Broadway-Stück sein? Aus der Zeit der Birdman-Superheldenfilme ist er Besseres gewöhnt. Der neue Schauspielpartner Mike Shiner (Edward Norton, rechts) ist ein Psychopath, der nicht nur das ganze Ensemble, sondern auch Regisseur und Hauptdarsteller Riggan bedrängt. In den ungünstigsten Momenten so zum Beispiel kurz vor der ersten Hauptprobe taucht Riggans Ex-Frau auf und beide schwelgen in guten wie in schlechten Erinnerungen ihrer Ehejahre. Shiner macht sich an Sam, der Tochter von Riggan Thomas (Emma Stone), ran mit Erfolg? Die beiden Hauptdarsteller des Stücks sind sich gar nicht grün, aber letztendlich sind sie auf Gedeih und Verderb aufeinander angewiesen. Im Zorn zerstört Riggan Thomas die Überbleibsel seiner Vergangenheit so ein Plakat aus seiner erfolgreichen Superhelden-Reihe Birdman. Um die Ecke des Broadway-Theater befindet sich ein Alkohol-Laden, bei dem sich Riggan Thomas Whiskey kauft, um seine Ängste ertränkt. Shiner (rechts) reizt Thomas (links) bis aufs Blut. Die Streitigkeiten eskalieren: Es kommt zum blutigen Boxkampf. Einziger Fels in der Brandung und im täglichen Wahnsinn des Theaters ist Jake (Zach Galifianakis), der Riggan Thomas immer wieder aufrichtet und bestärkt.

Der neue Schauspielpartner Mike Shiner (Edward Norton, rechts) ist ein Psychopath, der nicht nur das ganze Ensemble, sondern auch Regisseur und Hauptdarsteller Riggan bedrängt.

In den ungünstigsten Momenten so zum Beispiel kurz vor der ersten Hauptprobe taucht Riggans Ex-Frau  auf und beide schwelgen in guten wie in schlechten Erinnerungen ihrer Ehejahre.

Shiner macht sich an Sam, der Tochter von Riggan Thomas (Emma Stone), ran mit Erfolg?

Die beiden Hauptdarsteller des Stücks sind sich gar nicht grün, aber letztendlich sind sie auf Gedeih und Verderb aufeinander angewiesen.

Filmkritik

Die Story
Drei seiner Superheldenfilme Birdman hat Schauspieler Riggan Thomson (Michael Keaton) schon abgedreht und ist zur Top-Celebrity in Hollywood aufgestiegen. Doch dann hatte er keine Lust mehr auf die Rolle des Vogelmenschens und sagte den vierten Teil ab.

Das ist 20 Jahre her. Thomson stürzte seitdem ziemlich ab, er konnte seitdem keinen Hit mehr landen. Nun will er ein Comeback wagen dieses Mal aber am Broadway mit einem ambitionierten Projekt: Der abgehalfterte Schauspieler inszeniert ein Theaterstück und spielt dabei gleich die Hauptrolle. Damit will er beweisen, dass er es als Charakter-Schauspieler und fähiger Regisseur noch bringt und noch lange nicht zum Alteisen Hollywoods gehört.

Dann passierts: Kurz vor der Premiere verunglückt ein anderer wichtiger Schauspieler des Stücks. Schnell muss Ersatz her. Dieser wird schliesslich in der Person des psychopathischen, aber genialen Mike Shiner (Edward Norton) gefunden. Dieser springt widerwillig ein, bringt aber mit seinen unberechenbaren Aktionen das ganze Ensemble durcheinander. Darunter auch Thomsons Tochter und Assistentin Sam (Emma Stone), die gerade aus dem Drogenentzug kommt, und der er ungeniert Avancen macht.

Doch nicht nur Shiner gefährdet die Premiere des Stücks. Thomsons Alter Ego Birdman meldet sich immer wieder beim alternden Schauspieler und will ihm den Ausflug ins ernste Fach vermiesen. Daher keimen in ihm Selbstzweifel auf. Mehrmals steht Thomson kurz davor, den Bettel hinzuschmeissen. Aufgerichtet wird er in allen Fällen von Freund und dem Produzenten des Stücks Jake (Zach Galifianakis).


Kritik
Birdman ist fantastisches Schauspielerkino. Die Rolle des Riggan Thomson ist auf den Leib von Michael Keaton geschrieben. Auch er hat als Batman (1989 und 1992) einen Superhelden verkörpert und seitdem keinen grossen Filmhit mehr gelandet obwohl er ein grossartiger Schauspieler ist und dies in Birdman auch eindrucksvoll zeigt.

Ein ähnliches Schicksal hat auch Edward Norton ereilt. Vor Jahren wurde er in American History X (1998) und Fight Club (1999) von Kritik und Zuschauern enthusiastisch gefeiert und hatte seitdem wenig Glück mit seiner Rollenwahl gezeigt. Doch auch Norton läuft in Birdman zur Höchstform auf und lässt seit langem einmal wieder sein Talent mehr als nur aufblitzen.

Die Entdeckung des Films ist jedoch Emma Stone. Sie zeigt mit einer überzeugenden Lässigkeit die emotionalen Abgründe der Tochter auf, die immer wieder mit ihrem Drogenentzug hadert. Damit hat sie die Nomination für einen Oscar als beste Nebendarstellerin mehr als nur verdient.

Doch neben den schauspielerischen Leistungen gibt es noch das Drehbuch, das eine gelungene Mischung zwischen bissiger Superheldenfilm-Satire, die Hollywood als Blockbuster-Schmiede demontiert, und Tragikomödie um einen alternden Schauspieler, der sich vehement gegen das Vergessen stemmt, darstellt.

Auch wenn das Kinojahr noch jung ist: Birdman ist ein Höhepunkt im laufenden Kinobetrieb. Einziger Wermutstropfen: Zwei Stunden sind einen Tick zu lang, eine Reduktion auf 90 Minuten hätten dem Film gutgetan und noch mehr Biss verliehen.

Credits:
Filmstart: ab 29. Januar 2015 in den Deutschschweizer Kinos
Land: USA, 2015
Länge: 119 Minuten
Regie: Alejandro G. Iñárritus
Produktion: Alejandro G. Iñárritus, John Lesher, Arnon Milchan

Cast:
Michael Keaton
Zach Galifianakis
Edward Norton
Andrea Riseborough
Amy Ryan
Emma Stone
Naomi Watts
Lindsay Duncan
Merrit Wever
Jeremy Shamos
Bill Camp
Damian Young

Kinotrailer