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Buchtipps für die Sommerferien

Alle Jahre wieder die Frage: «Was söll i au lääse?» In den Ferien. Unter dem Sonnenschirm. Am Strand. Oder in den Bergen. Acht Vorschläge aus der Kulturredaktion.

01. Juli 2019

Krimi geht immer. Auch – bei vielen Gelegenheitslesenden gar: vor allem – in den Ferien. Denn Krimis wirken trotz Spannung entspannend. Wenn die Qualität stimmt. Und das tut sie bei den vorgeschlagenen Büchern zweifellos. Sie alle sind in den letzten Monaten auf den Markt gekommen, und ihre Handlungen sind über weite Teile Europas verteilt. Die Schauplätze liegen in England, in Frankreich, in Spanien, in Deutschland, in Schweden, im Urnerland, im Grenzgebiet Italien–Slowenien–Kroatien–Österreich, in der Türkei und in der Ukraine. Da drängt es sich schon fast auf, die Lektüre nach der Feriendestination zu wählen; das macht die Handlung noch realistischer, noch hautnaher, noch nachvollziehbarer. Und sollte das Wetter mal zu schön sein, um nur zu lesen, ist sogar ein Ausflug zu einem der Schauplätze kriminellen Tuns vorstellbar. Denn, wie gesagt, Krimi geht immer. Und überall.


Das Vereinigte Königreich unter Beschuss

Bei einem amerikanischen Staatsbesuch in London kommt es zu einem folgenschweren Attentat: Während der amerikanische Ex-Präsident mit dem Leben davonkommt, wird der britische Aussenminister für Nordirland erschossen. Der Attentäter wird gefasst und begeht in der Untersuchungshaft Selbstmord – alles scheint klar. Bis die junge Reporterin Sarah Truman entdeckt, dass ein Anwalt kurz nach dem Gespräch mit dem Attentäter bei einem Autounfall ums Leben kommt und alles vertuscht wird. Sie beginnt zusammen mit dem Anwalt Michael Devlin zu ermitteln. Doch bald geraten die beiden selbst ins Visier eines Killers.

Ein atemloser Thriller zum Dranbleiben, mit der stattlichen Stärke von 624 Seiten wie gemacht für den Liegestuhl am Strand. 

Tony Kent: «3 2 1 – Im Kreis der Verschwörer», Heyne.


Kommissar Dupin nimmts persönlich

Dupin stehen anstrengende Pfingsten ins Haus: Die Schwiegereltern in spe haben ihren Besuch angekündigt. Da kommt doch so ein Mordfall gar nicht ungelegen. Wäre da nicht der unangenehme Fakt, dass sich der Mord praktisch in Dupins Wohnzimmer zugetragen hat: Ein wohlhabender Arzt fällt in der Wohnung über dem «Amiral», Dupins Stammlokal, aus dem Fenster. Majestätsbeleidigung! Dupin schaltet auf Ermittler-Modus, doch auf sein gewohntes Umfeld muss er zunächst verzichten: Das Kommissariat Concarneau wird gerade renoviert, seine wichtigste Assistentin Nolwenn weilt ebenso in den Ferien wie die Inspektoren Riwal und Kadeg. Dupin ist auf sich allein gestellt.

Jean-Luc Bannalec: «Bretonisches Vermächtnis», Kiepenheuer & Witsch.


Leben und Sterben des Adeligen Alvaro

Als Manuel Ortigosa erfährt, dass sein Mann Álvaro tödlich verunglückt ist, reist er von Madrid sofort ins ländliche Galicien. Bald ist klar: Der Unfall war ein Mord – und Álvaro hat ein Doppelleben geführt: Er entstammte einer Adelsfamilie, die ihren Reichtum zur Zeit der Franco-Diktatur angehäuft hatte. Zusammen mit einem pensionierten Polizisten und einem Priester enthüllt Manuel immer mehr Abgründe und dunkle Familiengeheimnisse. Die Suche führt in Klöster und Kirchen, Bordelle und Herrenhäuser.

Das Buch bringt einem Geschichte, aber auch eine der schönsten Gegenden Spaniens näher. Dolores Redondo (50) gewann damit den «Premio Planeta». Wer auf ungewöhnliche Krimis steht, kommt auf seine Rechnung. 

Dolores Redondo: «Alles was ich dir geben will», Btb Verlag.


Einatmen, ausatmen, einatmen ...

Um seine kriselnde Ehe zu retten, kommt der stressgeplagte Anwalt Björn Diemel zähneknirschend der Forderung seiner Frau nach, ein Achtsamkeits-Seminar zu besuchen. Ganz geheuer ist Diemel die Sache nicht, dennoch gibt er dem Konzept eine Chance und atmet fleissig den täglichen Ärger weg. Und davon hat er genug, wurde doch sein wichtigster Mandant, der Grosskriminelle Dragan, dabei gefilmt, wie er einen ungeliebten Konkurrenten zu Tode prügelte.

Diemel lässt sich aber auf seinem Weg zu höherem Bewusstsein nicht beirren und bringt den Klienten kurzerhand um die Ecke. Absolut achtsam, wohlgemerkt. Doch damit beginnen seine Probleme erst, denn im Umfeld des Gangsters darf niemand von dessen Ableben erfahren. Schwarzer Krimi-Spass. 

Karsten Dusse: «Achtsam morden», Heyne.


Das ewige Rätsel um den Tod von Olof Palme

Verblendung – Verdammnis – Vergebung: Wer hat sie nicht verschlungen, die Millenniums-Trilogie von Stieg Larsson (1954–2004)? Doch dieser war vor allem Journalist, der die trübe Welt des schwedischen Rechtsextremismus ausleuchtete. Jahrelang hatte Larsson zum Mord an Olof Palme recherchiert. Der damals 59-jährige schwedische Premierminister wurde 1986 mitten in Stockholm erschossen. Schwedens Mordfall des Jahrhunderts ist bis heute nicht aufgeklärt.

Als Stieg Larsson stirbt, hinterlässt er eine riesige Menge an Aufzeichnungen. Jahre später bekommt der Journalist Jan Stocklassa (54) Einblick und recherchiert weiter. Er stösst auf neue Indizien, denen nun auch die Polizei nachgeht. Sein Buch ist eine True-Crime-Story der Extraklasse. 

Jan Stocklassa: «Stieg Larssons Erbe», Europa Verlag.


Das Unglück wartet im Innern der Berge

Auf einer High-Society-Party entwickeln drei Freunde unter der Ägide von Heinrich Schultheiss eine Geschäftsidee: Sie wollen Reduits der Armee umbauen und den Superreichen vermieten – als Aufbewahrungsort für superwertvolle Besitztümer.

Widerwillig macht sich der Architekt Al von Rickenbach an die Umsetzung des Plans. Im Bergdorf ist er wenig willkommen. Gross ist sein Schock, als er entdeckt, dass Heinrich die zahlungskräftige Klientel zwar bezahlen lassen, das Projekt aber gar nicht realisieren will.

Ein Thriller mit fast nur unsympathischen Kreaturen, starken Frauen und scheiternden Männern. Spannend und überraschend bis zum Schluss. 

David Weber: «Reduit», Knapp.


Commissario XYZ schlägt sich durch

Nah, fast schon schmerzhaft nah an der Aktualität konstruiert Veit Heinichen seine Thriller. Flüchtlingsdrama, Mord, Geiselnahme, Betrug, Waffenschmuggel – alles vorhanden. Diesmal schickt er Commissario Xenia Ylenia Zannier («XYZ») – jung, rachsüchtig, durchschlagskräftig – in die norditalienische Provinz, nach Grado. Hier will sie einer Senatorin an den Kragen, die sie für den Tod ihres Bruders verantwortlich macht. Doch die Klauen der skrupellosen Politikerin reichen weit. Und so startet Heinichen im Grenzgebiet Deutschland, Österreich, Italien, Slowenien, Kroatien ein Feuerwerk an Intrigen, Skrupellosigkeiten und Verrat, dass es sich gewaschen hat. 460 Seiten Spannung pur – und man nähme gerne noch ein paar mehr. 

Veit Heinichen: «Borderless», Piper.


Blutiger Showdown in Odessa

Im Umgang mit Toten macht Judith Kepler niemand so schnell etwas vor – sie ist Tatortreinigerin. Auch ihr Vater, früher gefürchteter Spion, heute skrupelloser Verbrecher, geht über Leichen. Doch das verbindet die beiden nicht: Rachsüchtig verfolgt Judith den Mann, der sie und ihre Mutter einst gnadenlos verraten hat.

Geheimdienstmitarbeiterin Eva Kellermann, auch ihre Mutter ein Opfer von Keplers Vater, tut dasselbe: Ohne Rücksicht auf Verluste in den eigenen Reihen stellt sie dem Waffenschieber eine Falle. Der blutige Showdown in Odessa ist vorprogrammiert.

Ein Thriller, raffiniert und intrigant. Und zwar so etwas von. Da gilt es, den Durchblick zu behalten. 

Elisabeth Herrmann: «Schatten der Toten», Goldmann.