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Keine Frauen auf dem Matterhorn bitte!

Die diesjährigen Freilichtspiele in Zermatt erzählen im Theaterstück «Matterhorn: No ladies please!» die Geschichte der ersten Frau auf dem Matterhorn.

19. Juli 2019

«Eine Frau auf dem Matterhorn, das geht doch nicht!», rufen die Männer aus Zermatt VS erzürnt. Doch die Engländerin Lucy Walker bleibt hartnäckig. Sie wagt den Versuch, als erste Frau das Matterhorn zu besteigen. Aber wird ihr dieses Vorhaben tatsächlich gelingen?

2600 Meter über Meer. Eine schlichte Holzbühne und dahinter das mächtige Matterhorn. Eine einzigartige Kulisse für ein Theaterstück. Bei den diesjährigen Freilichtspielen auf dem Riffelberg, die in 20 Minuten bequem mit der Gornergratbahn erreicht werden können, dürfen die Zuschauer in das Zermatt vor 150 Jahren eintauchen. Damals, als die Rollenbilder vorsahen, dass die Männer noch das Sagen haben und die Frauen in der Küche stehen. Damals, als Bergsteigen noch ausschliesslich Männersache war. Doch schon zu dieser Zeit, wussten sich bereits einige Frauen zu wehren, so auch Lucy Walker. 1871 bestieg die Engländerin als erste Frau das Matterhorn. Gegen den Widerstand aller Männer, die ihr das nicht zutrauten. Davon handelt die historische Komödie «Matterhorn: No ladies please!» Die Geschichte der britischen Bergsteigerin beruht auf einer wahren Begebenheit. Doch vieles am Stück ist auch Fiktion.

Lucy Walker liebt ihren Bergführer Melchior – Wahrheit oder Erfindung? «Dass die Britin in ihren Berner Bergführer verliebt war, entspricht der Wahrheit! Das hätte ich mir gar nie ausdenken können», erzählt die Berner Regisseurin Livia Anne Richard (50), die das Stück geschrieben hat. Richard übernimmt bereits seit drei Jahren die Regie an den höchstgelegenen Freilichtspielen Europas. Für die Regisseurin war es gar nicht so einfach, mit der Geschichte von Lucy Walker ein abendfüllendes Programm zu gestalten: «Denn leider ist über die englische Bergsteigerin nicht viel bekannt.» Also erfand sie die eine oder andere Figur im Stück und schmückte die Handlung mit fiktiven Elementen aus.

Eifersucht vorprogrammiert
Aber auch wenn nicht alles der Wahrheit entspricht, widerspiegelt Walkers Geschichte laut Richard die Denkweisen der damaligen Zermatter Gesellschaft: «Mir ging es in erster Linie nicht darum, ein Zeichen für den Gleichberechtigung zu setzen. Mich interessierte viel mehr, was diese Vorstellung – eine Frau auf dem Matterhorn! – bei den Zermatter Dorfbewohnern wohl für Emotionen ausgelöst hatte. Die einheimischen Bauern begaben sich als Bergführer mit edlen englischen Damen auf alpine Abenteuer, während die Frauen zuhause allein zum Hof und den Kindern schauen mussten. Da kam es bestimmt zu einigen Reibereien und Eifersuchtsszenen.» So wahrscheinlich auch bei der Geschichte von Lucy Walker. Denn ihr Angebeteter hatte im Tal ebenfalls Frau und Kind.

«Matterhorn: No ladies please!» kommt beim Publikum sehr gut an – wie an der Premiere Mitte Juli zu hören war. Allerdings zeigten sich nicht nur die Zuschauer vom Dargebotenen angetan: Kaum hatte das Stück begonnen, kam gleich ein ganzes Rudel Murmeltiere aus einer Höhle neben der Bühne gekrochen. Ihre Pfiffe waren so herzzereissend und laut, dass sie schon fast die Stimmen der Schauspieler übertönten. Der Atmosphäre der Freilichtkomödie konnte dieses Naturspektakel nichts anhaben – im Gegenteil: Die Murmeli machten die Geschichte von Lucy Walker nur noch authentischer.

Die höchsten Freilichtspiele Europas auf 2600 Metern über Meer dauern noch bis und mit 1. September. Mehr unter: www.freilichtspiele-zermatt.ch