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Bologna mia

Bologna ist wunderbar schön, reich an fantastischen Lokalen, voller Leben – und damit eine Reise wert. Also nichts wie hin, für ein verlängertes Wochenende.

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05. November 2018

Bologna hat viel zu bieten - zum Beispiel ganz links den Torre degli Asinelli.

Sara Oliverio (17)

KV-Lernende in der Verteilzentrale Dietikon ZH, möchte später in Bologna leben.

Verbindungsstörungen kommen bei einer Reise mit dem Zug leider öfters vor, doch auch beim Flugverkehr kommt es regelmässig zu einer Planänderung. Wir empfehlen bei Reisen ins Ausland eine Stunde mehr zu berechnen, damit man die nächste Verbindung ja nicht verpasst.

Achtung: Im Bus sind die Stationen nicht aufgelistet und es werden auch nicht alle angekündigt. Am besten fragt man den Fahrer, ob er an der gewünschten Station hält – und bittet ihn, diese rechtzeitig anzukündigen.

Lisa Maria D'Ercole (18)

Polydesign-3D-Lernende in Bern, wird Sara in Bologna besuchen.

Unbedingt Geld vor der Reise wechseln, da die Kurse im Ausland schlechter sind. Erst recht am Bahnhof oder am Flughafen.

Unsere Aufgabe: Ein Wochenend-Trip für 400 Franken pro Person in einer europäischen Stadt. Mal schauen, wie weit wir kommen. Alle wollen heute nach Berlin, Amsterdam, London. Wir aber wählen Bologna. Am Freitag gehts auf Gleis 6 in Zürich los. Offenbar sind die Reisegötter nicht mit unserem Trip einverstanden, denn in Arth-Goldau geht plötzlich nichts mehr. Wir müssen in Ersatzbusse umsteigen, viele Reisende sind genervt, beim Einsteigen gibt es ein grosses Gedränge. Zum Glück haben wir nicht so viel Gepäck dabei.

Mit anderthalb Stunden Verspätung treffen wir in Mailand ein. Nun gibt es jedoch erneut Probleme, weil unsere Tickets nach Bologna abgelaufen sind. Da zeigt sich wieder einmal, wie nützlich es sein kann, wenn man Sprachen beherrscht: Weil Sara gut Italienisch spricht, klappt die Umbuchung sofort. Die nächste Stunde vergeht wie im Flug, dabei sitzen wir im Zug: Der Frecciarossa ist mit einer Spitzengeschwindigkeit von 300 Stundenkilometern der schnellste Zug Italiens. Und sehr komfortabel dazu.

Als wir an unserem Ziel aus dem Zug steigen, glauben wir an einem Flughafen gelandet zu sein. Der zweistöckige Bahnhof von Bologna ist etwas verwirrend, doch sehr modern. Nun benötigen wir noch Euros, dafür gehen wir am Bahnhof in eine Wechselstube. Nicht die beste Idee: Der Kurs ist mies.

Um mit dem Bus zu unserer Unterkunft zu kommen, kaufen wir einen City-Pass, mit dem man zehn Fahrten machen kann. Diesen gibts an jedem Kiosk zu kaufen. Es dauert eine Weile, bis wir den richtigen Bus finden.

Fürs Erinnerungsalbum: Sara und Lisa im Lift, der glücklicherweise nicht stecken bleibt.

Grandioser Ausblick vom Rathaus auf die Piazza Maggiore.

Die Schlüsselübergabe in der Unterkunft verläuft problemlos: Die Wohnung gehört uns nun für drei Tage, wobei wir ja nicht viel Zeit in ihr verbringen wollen. Nein, wir wollen Bologna sehen, nicht die Innenausstattung eines Appartements. Und so verschaffen wir uns am Tag 1 unserer Reise einen Überblick über die Stadt.

Die sprechende Wand

Als wir bei der Piazza Maggiore im Herzen Bolognas aussteigen, sind wir überwältigt von der Schönheit der Stadt. Wir laufen unter wunderschönen Säulengängen durch, die Stadt heisst nicht umsonst «città dei portici». Eine weitere Sehenswürdigkeit ist die sprechende Wand, wie wir sie nennen. Offiziell heisst sie «il telefono senza fili», was so viel heisst wie: das Telefon ohne Draht. Die Wand war der Mittelpunkt einer Gangkreuzung, welche gebaut wurde, als die Pest über Europa fiel. Damit man mit Pestkranken nicht von Angesicht zu Angesicht sprechen musste, stellte man sie diagonal in eine Ecke und redete zur Wand: Die Worte kamen an der anderen Ecke wieder heraus und so konnte man sich unterhalten, ohne angesteckt zu werden. Zum Glück gibts die Pest nicht mehr – und wenn, würde man heute das Handy benützen …

Man kann nicht behaupten, dass Bologna irgendetwas fehlen würde. Schon der erste kurze Eindruck zeigt: Es ist eine tolle Stadt. Selbst einen Blick nach Venedig kann man durch ein kleines Fenster in einer Gasse werfen: Hier sieht man auf einen Kanal, der unter der Stadt durchfliesst und sich an dieser Stelle kurz sehen lässt, ehe er auch wieder in einem Tunnel unter den Häusern verschwindet.

Unbedingt Geld vor der Reise wechseln, da die Kurse im Ausland schlechter sind. Erst recht am Bahnhof oder am Flughafen.

 

Gegen acht Uhr machen wir uns auf die Suche nach einem Restaurant, fürs Abendessen. Dies stellt sich als grössere Herausforderung dar als geglaubt: Es gibt so viele, wir haben die Qual der Wahl. Als unser Hunger jedoch zu gross wird, setzen wir uns in ein kleines Restaurant namens «Tamburini». Wir nehmen eine der Spezialitäten Bolognas: Tigelle. Dabei handelt es sich um ein Brot, das man aufschneidet und mit Käse und Aufschnitt beliebig füllt. Wir nehmen eine Platte für zwei Personen, was eindeutig zu viel ist.

Wir verlassen gegen halb zwölf das Restaurant und befinden uns mitten in Bolognas Nachtleben. Musiker an jeder Strassenecke und junge modebewusste Italiener, die sich gemeinsam zum Essen und später zum Flanieren treffen. Doch um noch länger die Stadt zu erkunden, sind wir viel zu müde. So gehts zurück in unsere Wohnung, der erste Tag unseres Wochenend-Trips geht somit zu Ende.

Am nächsten Tag verlassen wir die Wohnung gegen zehn, unser erstes Ziel ist der Torre degli Asinelli im Zentrum. Die Tickets für den Aufstieg auf den Turm sind nicht einfach zu kriegen, erstaunlicherweise vor allem nicht beim Turm selber. Wir finden sie aber bei der Piazza Maggiore. Weil die nächste Führung jedoch erst in einer Stunde beginnt, besuchen wir noch das Rathaus. Dort wollen wir zur Kunstausstellung im zweiten Stock, stattdessen platzen wir in eine politische Veranstaltung der Stadt. Doch man zeigt sich grosszügig und lässt uns trotzdem ins Gebäude. Was sich absolut lohnt.

Verbindungsstörungen kommen bei einer Reise mit dem Zug leider öfters vor, doch auch beim Flugverkehr kommt es regelmässig zu einer Planänderung. Wir empfehlen bei Reisen ins Ausland eine Stunde mehr zu berechnen, damit man die nächste Verbindung ja nicht verpasst.

 

Zurück zum Turm, wo wir uns in eine Schlange stellen müssen. Unsere Nervosität steigt: Lisa hat Höhenangst. Was kommt da auf uns zu? Auf den ersten Stufen ist alles noch im grünen Bereich. Aber nach acht Metern endet die Wendeltreppe. Nun geht es auf einer alten Holztreppe weiter nach oben. So langsam wird es Lisa mulmig, nicht wegen der Anstrengung, sondern wegen den schrägen Treppen und den grossen leeren Abständen zwischen den Stufen; locker blickt man in den tiefen Schlund des Turms. Sara aber redet pausenlos auf Lisa ein und lenkt ihre Reisekollegin ab: So schaffen wir es schliesslich doch nach oben. Und finden schnell: Es hat sich gelohnt! Wir haben eine bezaubernde Aussicht über ganz Bologna.

Doch dann geht es wieder runter … (hier folgt ein nicht druckreifer Ausdruck!). Der Abstieg ist noch schlimmer, da nützen nicht mal Saras Redekünste mehr etwas! Als wir wieder festen Boden unter den Füssen haben, fallen wir uns überglücklich in die Arme.

Eine Basilica voller Geheimnisse

Unser nächstes Ziel ist die Basilica Santo Stefano. Diese sieht von aus- sen nicht gross aus, doch in ihr sind viele Geheimnisse versteckt, denn sie besteht nicht nur aus einer, sondern aus sieben Kirchen. Die sieben Kirchen sind nicht leicht zu finden – noch ein Abenteuer auf unserer Reise. Auf der Suche nach den Kirchen stösst man auf mehrere kleine Gärten. Unser Highlight ist aber eine Katze, die unter einem Torbogen die Sonne geniesst und sich von uns streicheln lässt. Katze müsste man sein!

Grandioser Ausblick vom Rathaus auf die Piazza Maggiore.

Sieht aus wie Venedig, ist aber in Wirklichkeit Bologna.

Die geheimnisvolle Basilica Santo Stefano, in der sich sieben Kirchen befinden.

Nun zieht es uns an den Mercato. Ein Marktbesuch gehört, so finden wir, zu einer Italien-Reise zwingend dazu, denken wir. Wir werden aber enttäuscht: Wir freuen uns auf üppige Essensstände, mit Spezialitäten aus der Region, mit Mortadella, Prosciutto crudo oder Capelletti. Stattdessen finden wir nur Unmengen von Kleiderständen … (hier folgt ein nicht druckreifer italienischer Ausdruck). So haben wir uns das nicht vorgestellt.

Die besten Piadine Bolognas

Wir müssen unseren Hunger anderswo stillen. So machen wir uns auf den Weg zum Imbiss «La tua Piadina», wo es – so sagt man uns – die besten Piadine in Bologna geben soll. Ob das stimmt, können wir nicht beurteilen. Aber gut sind sie auf jeden Fall.

Nach 27'936 Schritten – unser Handy zeichnet alles genau auf – sind wir so nudelfertig, dass wir uns erst mal in unserer Unterkunft ausruhen müssen. So eine Siesta ist wunderbar. Danach sind wir jedenfalls wieder fit und munter und bereit für die nächste kulinarische Spezialität: Crescentine. Dabei handelt es sich um eine luftige Version der Tigelle, die wir ja vorhin schon erwähnt haben.

Über den Dächern von… Bologna!

Lisa macht es sich gemütlich. So ein Stadtbummel macht müde!

Lisa nun nicht sitzend, sondern auf Erkundung der schönen Innenstadt.

Wie heisst es doch so schön: Katze müsste man sein!

Okay, nun sind wir so richtig gestärkt – Zeit, das Nachtleben Bolognas kennenzulernen. Man empfiehlt uns einen Club, der bei Jugendlichen sehr beliebt ist. Der Club befindet sich im Parco Nord, etwas ausserhalb des Zentrums. Beim Durchqueren des Parks stossen wir durch Zufall auf einen Rummelplatz, der nur im Sommer geöffnet ist. Wir lassen den Club Club sein und fahren lieber Achterbahn. Zum Schluss gibts noch eine Rutschbahnfahrt, bei der wir uns an die guten alten Zeiten erinnert fühlen. Um zwei Uhr morgens fallen wir glücklich und berauscht von Höhengängen und Rutschfahrten ins Bett.

Achtung: Im Bus sind die Stationen nicht aufgelistet und es werden auch nicht alle angekündigt. Am besten fragt man den Fahrer, ob er an der gewünschten Station hält – und bittet ihn, diese rechtzeitig anzukündigen.

 

Am dritten Tag gehts am Nachmittag um vier wieder zurück. Die Zeit bis dahin verbringen wir in den versteckten Gassen und im Parco della Montagnola. Hier fühlen wir uns wie in einer anderen Welt, denn überall, wo wir hinschauen, hat es Statuen von verschiedenen Kreaturen: Löwen, Nixen, Pegasus. Von oben wirkt Bologna wie ein riesiges Labyrinth, doch selbst wir Neuankömmlinge finden uns dank des grossen Turms, den man immer wieder sieht, zurecht. Wir sehen uns noch die schönsten Gebäude an, bewundern den Rathausgarten, probieren Tortellini aus und genies- sen die italienische Atmosphäre. Leider sind die drei Tage viel zu schnell vorbeigerast.

Umso länger kommt uns die Rückreise vor. Abends um neun Uhr stehen wir schliesslich wieder auf Gleis 6 in Zürich, dort, wo alles begann. Die Reise nach Bologna war aufregend, spannend, überwältigend schön und sehr, sehr lecker. Und auch das Geld reichte genau, bis auf den letzten Cent. Ganz klar: Wir werden sicher zurückkehren.


Tipps zu Bologna

  • Anreise: Bologna ist heute per Zug sehr schnell zu erreichen – dank der italienischen Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Mailand und Bologna. Ab Zürich ist man bereits in knapp fünf Stunden da. Vielleicht auch deshalb gibt es keine Direktflüge ab Zürich mehr – der Flug lohnt sich nicht mehr.
  • Übernachtung: Es gibt zahlreiche Hotels, Pensionen und Bed&Breakfast-Unterkünfte. Sogar auf gut Glück hinzureisen und direkt vor Ort buchen, ist möglich – zumindest in der Nebensaison. Ansonsten kann auch das Reisebüro helfen: www.itscoop.ch
  • Restaurants: Auch hier gilt: Durch die Stadt bummeln, die Speisekarten studieren und dann das Restaurant wählen. Oder aber im «Bologna Magazine» die kulinarischen Empfehlungen anschauen.