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Frau Holles Wege

Vielleicht einer der schönsten, sicher aber einer der längsten Winterwanderwege ist in Beatenberg im Berner Oberland zu finden: zehn Kilometer auf knirschendem Schnee.

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Thomas Compagno; Karte: Rich Weber
26. Februar 2018

Kaiserwetter am Niederhorn und der Niesen im Hintergrund: Winterwandern kann kaum schöner sein.

Steckbrief: Panoramaweg in Beatenberg

Route: Niederhorn-Beatenberg, Waldegg (ausgeschildert), ca. 3 Std., mit Schlitten 2 Std.

Strecke: ca. 10 km, 50 m Aufstieg, 800 m Abstieg. Auch in umgekehrter Richtung möglich. Die Route ist nur in der Abwärts-Richtung signalisiert.

Anreise: öffentlich via Thun, Beatenbucht und Beatenberg aufs Niederhorn. Beatenberg-Niederhorn einfach mit GA/Halbtax Fr. 15. pro erwachsene Person.

Rückreise: mit dem Postauto nach Interlaken-West.

Verpflegung: aus dem Rucksack. Zwischen Niederhorn und Beatenberg, Waldegg gibt es keine Einkehrmöglichkeit.

App: Auf SchweizMobil sind der Panoramaweg sowie viele weitere Winterwanderungen zu finden.

Ein Hirsch stapft bedächtig durch den tiefen Schnee auf der Suche nach etwas Fressbarem. Gleich daneben hoppelt ein Hase über den Weg. Ein Eichhörnchen sucht nach versteckten Futtervorräten. Die Natur lebt intensiv in Beatenberg, trotz der Schneemassen. Gesehen habe ich die Tiere natürlich nicht. Aber die Spuren, die sie links und rechts am Wegrand hinterlassen haben, erzählen solche Geschichten. Man findet sie auf der Winterwanderung vom Niederhorn nach Beatenberg, Waldegg überall. Beatenberg gilt übrigens als eines der längsten Dörfer der Schweiz mit einer Nord-Süd-Ausdehnung von über 11 Kilometern. Laut Bestsellerautor Erich von Däniken soll es sogar der schönste Ort auf Erden sein.

Zuerst mal gehts aufwärts

Schon die Anreise aufs Niederhorn hoch über dem Thunersee ist ein Erlebnis. Via Thun, Beatenbucht und Beatenberg fahre ich aufs Niederhorn. Das ist zwar mit Umsteigen verbunden, doch ich komme damit in den Genuss von vier Verkehrsmitteln: Bahn, Bus, Standseilbahn und Luftseilbahn bringen mich nach oben. Und das lohnt sich. Die Aussicht raubt einem fast den Atem: Der Blick geht am Niederhorn vorbei auf den See, zum Niesen und zum Stockhorn.

Der Winterwanderweg beginnt hinter der Bergstation. Man kann ihn nicht verfehlen. Die pinken Wegweiser der Winterwanderwege leuchten fast im Schnee. Auf breiten, gut präparierten Wegen führt die Route zuerst dem Grat entlang Richtung Oberburgfeld. Die Schneedecke trägt meistens jedenfalls. Manchmal sinke ich trotzdem ein und muss meinen Fuss aus dem Schnee ziehen. Das ist anstrengend, und ich bin froh, dass der Weg vor allem bergab führt.

Der Panoramaweg ist nicht ganz unbekannt. Unterwegs treffe ich auf einige andere Wintersportler, die mit Schlitten, Schneeschuhen, Skiern oder wie ich mit Wanderschuhen unterwegs sind. Winterwandern ist die genussvolle Fortsetzung des Wanderns. Es ist vermutlich die ruhigste Wintersportart. Man hört praktisch keinen Ton. Nur das regelmässige Knirschen des Schnees unter meinen Schritten ist da und das ist wie Musik in den Ohren. Kein Gejohle ist zu hören, kein 90er-Jahre-Hit dröhnt aus einer Musikbox und der Anton bleibt im Tirol oder wo er sonst grad ist.

Der Weg hat es in sich

Dem Winterwanderer präsentiert sich eine weisse Landschaft mit verschneiten Bäumen unter stahlblauem Himmel. In der Ferne grüssen Eiger, Mönch und Jungfrau. Bis zur Alp Chüematte führt der Weg noch ganz leicht bergauf, dann gehts nur noch talwärts. Der Weg geht in die Beine. Wanderstöcke sind zur Entlastung der Knie zu empfehlen. In Schwendi treffe ich auf das obere Ende des Skilifts Hohwald, doch den lasse ich rechts liegen. Ab jetzt geht der Weg steil abwärts bis Waldegg. Im Hotel-Restaurant Waldegg Regina, gleich bei der Postautohaltestelle, gönne ich mir ein spätes Mittagessen. Währschafte Berner Küche. Genau das Richtige nach dem Marsch. Wobei: Auf dem Winterwanderweg wären ein paar Kilogramm weniger Gewicht von Vorteil gewesen. Vielleicht wäre die Schneedecke ein paar Mal weniger durchgebrochen. Aber vermutlich war der Rucksack zu schwer