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Tourismus

Wenn Gegenwart auf Geschichte trifft

In Tel Aviv, der hippen Metropole am Mittelmeer, ausgelassen in den Morgen tanzen – und danach an der Klagemauer in Jerusalem die Sünden beichten. Auf kleinstem Raum bietet Israel Gegensätze pur. 

FOTOS
Huber Images, Getty images, Alamy
29. Oktober 2018

Am kilometerlangen Stadtstrand von Tel Aviv chillen tagsüber die Schönen. Sobald es Nacht wird, ist  Party angesagt.  

Zwei Teile Miami Beach, ein Teil Berlin, dazu ein Spritzer Istanbul, dann das Ganze kräftig schütteln, ein farbiges Sonnenschirmchen drauf, und fertig ist er, der heisseste Mix der Saison: Tel Aviv. Nicht einmal vier Flugstunden von Zürich entfernt liegt die zweitgrösste Stadt Israels.

Im Frühling oder Herbst, wenn die Temperaturen in der Schweiz ungemütlich sind, herrschen in Tel Aviv bereits angenehme 20 Grad, und bis im November sinkt das Thermometer am Tag selten unter 24 Grad. 

Dann heisst es: rauf auf die grünen Mietfahrräder, die in der Metropole an jeder Ecke stehen, und die Stadt erkunden! Am Morgen zum Beispiel einen ersten Cappuccino in Jaffa schlürfen, dem südlichsten und ältesten Teil der Stadt. In den engen Gassen zwischen dem Hafen, dem alten Leuchtturm und dem täglichen Flohmarkt locken unzählige Cafés, Restaurants, Bars und Galerien. Hier kommt man ein erstes Mal mit den Bohemians, den Schönen und Hippen von Tel Aviv in Kontakt.

Architektur der «Weissen Stadt»

Weiter gehts auf dem Velo oder zu Fuss der palmengesäumten Strandpromenade entlang. An der Marina treffen Jogger auf Biker, Spaziergänger auf Skater, Kinder auf Hunde, züchtige Orthodoxe auf dem Weg in die Synagoge auf Bikini-Girls mit dem Surfbrett unter dem Arm. 

Spätestens am Mittag sollte man in Neve Tzedek, dem ersten Aussenquartier von Jaffa, sein: Hier, wo Tel Aviv vor gut 100 Jahren gegründet wurde, lässt es sich zu einem Glas Chardonnay ausgezeichnet lunchen, entspannen und geniessen. Die kleinen Häuser mit ihren typischen roten Dächern versprühen viel Kolonial-Chic, dazwischen offerieren unzählige kleine Boutiquen schicke Klamotten und lokales Kunsthandwerk, und trendige Vegan-Restaurants ihre raffinierten Gerichte. 

 Ein Streifzug durchs Bauhaus-Viertel ist lohnenswert.

 Auf dem Flohmarkt von Alt-Jaffa gibts viele Cafés und Restaurants.

 Eine Shakshuka (pochierte Eier in einer Tomatensauce) ist eine Köstlichkeit. 

Wers gerne urbaner hat, fährt jetzt ein paar Kilometer weiter ins «innere Tel Aviv». Zwischen Rothschild-Boulevard, Allenby und Dizengoffstrasse steht die grösste Ansammlung von Häusern im Bauhaus-Stil. Sie geben der Stadt eine coole Atmosphäre – ähnlich wie die vielen Art-Deco-Gebäude am Strand von Miami Beach. Über 1000 Gebäude, manche in gutem, andere in schlechterem Zustand, stehen in Tel Aviv unter Denkmalschutz, seit 2003 sind sie gar Unesco-Weltkulturerbe. Zahlreiche der besten Architekten hatten sich nach 1933 vor den Nazis hierher geflüchtet und verwirklichten einzigartige Projekte. Einfach im Bauhaus Center in der Dizengoffstrasse 17 einen Audio-Guide holen und auf eigene Faust das Quartier erkunden. 

Alle, die von der White City, der «Weissen Stadt», wie dieser Teil Tel Avivs wegen der gleissend weiss getünchten Fassaden auch heisst, genug haben, fahren jetzt zum Carmel Market, dem traditionellen Shuk von Tel Aviv. Hier ist es eng und heiss und laut, die Verkaufsstände mit exotischen Früchten, arabischen Süssigkeiten und allerlei Krimskrams stehen dicht an dicht. Lassen Sie das Velo besser am Eingang des Marktes stehen; im Gewusel kommen Sie damit keinen Meter weit. Schon wieder Hunger? Geniessen Sie am Strassenrand auf billigen Plastikstühlen Falafel mit gebratenen Auberginen und Salat. Dazu passt dunkles Bier aus einer der lokalen Brauereien. Wers lieber fruchtiger mag, holt sich einen frischen Granatapfelsaft – ein Hochgenuss!

Am späten Nachmittag ist dann Zeit für eine Abkühlung im Meer, die Strände der Stadt sind sauber, sicher und bieten für jeden etwas: Abschnitte für Badende mit Hunden, für Schwule, Orthodoxe oder Kite-Surfer. Tel Aviv ist tolerant: Im Mittelmeer-Schmelztiegel findet jeder sein Plätzchen. 

Am Abend haben Sie dann die Qual der Wahl: Tel Aviv ist ein kulinarisches Epizentrum und kann sich locker mit New York, Paris oder London messen. Die junge israelische Küche ist kreativ und experimentierfreudig. Tolle Lokale direkt am Meer finden Sie im Norden der Stadt. Guten Appetit – bete’avon!

Ein Katzensprung in die Historie

Wer Tel Aviv fertig erkundet hat, setzt sich in den Bus: In vier Stunden sind Sie etwa am Toten Meer. Nur knapp eine Autostunde entfernt liegt Jerusalem. Im Gegensatz zum 1909 gegründeten Tel Aviv atmet die umstrittene Hauptstadt Israels über 5000 Jahre Geschichte; sie ist gar eine der ältesten, historisch belegten Städte überhaupt. Und es ist der Ort, der für die drei Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam heilig ist. Ein Besuch der Altstadt ist Pflicht, allerdings sollten Sie sich genügend Zeit nehmen, im Labyrinth der engen Gässchen verliert man sich gern. Am besten verschaffen Sie sich einen Überblick, wenn Sie an der Kreuzung Habad/St. James die Stufen eines kleinen Hügels erklimmen. Von dort eröffnet sich eine tolle Aussicht über die Dächer aller vier Quartiere: das muslimische Viertel mit seinen Kuppeldächern, im christlichen Teil dominieren rote Ziegeldächer und Kirchtürme, und im jüdischen Viertel sind vor allem neue Gebäude zu sehen. Das kleinste ist das armenische Quartier, das nicht auf den ersten Blick zu erkennen ist. Auch der Felsendom mit seiner in der Sonne glitzernden Kuppel sowie der Ölberg, von dem Jesus nach seiner Auferstehung in den Himmel aufgefahren sein soll, sind bestens zu sehen.

 Felsendom und Klagemauer – islamisches und jüdisches Wahrzeichen von Jerusalem.

 Bunter Mix von Religionen und Kultur: die Marktgassen in der Altstadt von Jerusalem.

Dem Felsendom auf dem Tempelberg einen Besuch abzustatten ist ein Muss. Er gilt als eines der schönsten Gebäude der Stadt – und eines der islamischen Hauptheiligtümer. Das detailliert ausgeschmückte Gebäude wurde auf dem Felsen errichtet, der im Zentrum des Baus steht. Von hier aus soll nach jüdischer Tradition die Welt gegründet worden sein, nach islamischem Verständnis soll Mohammed seine Himmelfahrt angetreten haben. Ein weiterer Höhepunkt ist ein Besuch der Klagemauer, einer riesigen «Freiluft-Synagoge». Denken Sie daran, Papier und Bleistift mitzunehmen, denn der jüdischen Tradition nach schreibt man Wünsche und Gebete auf kleine Zettelchen und steckt diese dann ins Gemäuer.

Her mit dem Hummus!

Jerusalem auf alte Mauern zu reduzieren, wäre fatal. Hier wird nämlich nicht nur gebetet! Sobald es Nacht wird, füllen sich Bars und Beizen, die Menschen essen und feiern – und das ordentlich. Ob orientalisch, arabisch, armenisch, kurdisch, jüdisch, nordafrikanisch oder auch europäisch: Die Restaurants zelebrieren die Weltreligionen und Weltregionen auf höchstem kulinarischen Niveau. Nicht verpassen: das in der ganzen Stadt erhältliche Hummus – in Olivenöl getränkt, mit warmem Fladenbrot und frischen Zwiebeln und Tomaten ist das Kichererbsenmus ein köstliches Gericht für zwischendurch. Das beste Hummus soll es bei Abu-Shukri im islamischen Viertel und bei Hummus Lina im christlichen Teil geben. Hat man gut gespeist, gehts in eine der vielen Bars, die in Jerusalem mittlerweile eröffnet haben. Eine grosse und bunte Szene hat sich in den letzten Jahren etabliert – oft gibts auch spannende Live-Musik kostenlos dazu. Und irgendwie scheint hier im Kleinen das Zusammenleben zwischen den Kulturen und Religionen wunderbar zu funktionieren.

Shalom Israel

Auf gehts ins Heilige Land

Auf den Nahen Osten und Nordafrika hat sich Bischofberger Reisen spezialisiert. So bietet das Zürcher Reisebüro eine Vielzahl von Touren in die
Vereinigten Emirate, in den Iran, nach Oman, Jordanien, aber auch nach Marokko an. 

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Programm hat.  

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Ausgeh-Tipps für Tel Aviv

Tel Aviv lässt sich grob in den Norden (Hafen, Hayarkon Park), die Strandpromenade (Tajelet), the "inner" Tel Aviv, Neve Zedek, Florentin und Jaffo aufteilen. Alles ist mehr oder weniger zu Fuss gut zu erkunden und wenn es zu viel wird, steigt man einfach in ein Taxi (günstig).

Die Quartiere im Überblick

"inner" Tel Aviv:
Da gibt's den Shuk/Markt mit dem Kerem Hatemanim Quartier, die Rotschild Allee mit diversen Kaffeehäuschen, das Dizengoffcenter (Einkaufscenter), Rabinsquare, King George Street, Schenkin Street und Alenby Street mit vielen coolen Shops. Neben dem Shuk gibts jeweils dienstags und freitags den Nahalat Binjamin Markt. Stände mit viel und teilweise sehr schöner Handwerkskunst. Besonders am Freitagvormittag und -mittag ist das Dreieck Alenby, King George und Shuk empfehlenswert. Danach gegen Abend runter zur Promenade. Beim alten Delfinarium trommeln sich seit Jahren die alten Hippies die Sonne in den Schabbat. 

Neve Zedek (schönstes Quartier der Stadt):
Neve Zedek ist das erste Aussenquartier von Jaffa, dort wo Tel Aviv vor gut 100 Jahren gegründet wurde. Heute viele kleine Häuser mit roten Dächer und vielen Gallerien und Künstlern. 

Florentin:
Studentenquartier, wo es am Abend ruhig wird. Aber in diversen Bars und kleinen Strässchen wird getrunken, gegessen und gefeiert.

Jaffo:
Jaffo ist der Ursprung der Hafenstadt Tel Aviv. Heute hat's dort viele Galerien und einen Shuk an dem man auch Antiquitäten findet. Tagsüber unbedingt im Cafe Pua brunchen oder lunchen (Ravvi Yohanan 3 str). Abends sehr schön, viele Fischrestaurants. Am Hafen von Jaffo gibts auch viel zu entdecken.

Norden:
Im alten bzw. neuen Hafen gibt es viele Cafés, Restaurants und Shops. Ein klassischer Boardwalk am Strand. Dort unbedingt dem Tapas-Restaurant in der Markthalle einen Besuch abstatten! 

Strand/Strandpromenade:
Am tollsten gegen Abend für einen Drink bei Sonnenuntergang. Schwimmen: z.B. am Hilton Beach oder Gordon Beach (Restaurant Lala Land).

 

Restaurant-Tipps (tagsüber)

  • Miznon an der Iben Gvirol 23. Pitabrot mit diversen Füllungen. Die moderne Interpretation des Falafels und Shwarma. Ein must-go, ziemlich neu eröffnet von einem Top Chef! (inner Tel Aviv)
  • Sabich an der Tschernichovky. Sabich ist eine vegetarische Füllung im Pitabrot. Aubergine, Kartoffel, Ei, Chumus, div. Kräuter, etc.) Eine Geschmacksexplosion und reichhaltige Zwischenverpflegung. Und eben an der Tschernichovsky ist jeder Sabih ein Kunstwerk! (inner Tel Aviv, dort wo die meisten Leute anstehen.)
  • Sonja (super für Brunch, King George St., inner Tel Aviv)
  • Benedikt, Ben Yehuda 171 (Ein Brunchrestaurant an der Ben Yehuda, inner Tel Aviv)
  • Cafe Pua, Ravvi Yohanan 3 str (super für Brunch od. Mittagessen, in Jaffo beim Flohmarkt "Shuk Hapishpishim", einfach Taxi bis Jaffo, dann durchfragen)
  • Abu Hassan (bester Humus in der Stadt (die Meinungen sind allerdings unterschiedlich) 14 Shivtei Israel, Jaffa; 1 Dolphin st, Jaffa, Messabaha (heisser Humus) oder Meshuleshet (dreierlei Humus, Fava und Messabaha). Wer nach 12 Uhr kommt, muss lange anstehen. Achtung: Der Laden schliesst um 14 Uhr.
  • Gedera 26 an der Gedera street 26, gleich rechts bei Eingang zum Shuk ha Carmel die Strasse rein…Super Kaffee mit vielen kleinen Speisen (inner Tel Aviv)

 

 

Restaurant-Tipps (abends)

  • Dalida, 7 Zvulun - topaktuell, ein Must!
  • Weinberg's an der Ben Yehuda 106, Bar Restaurant, hang-out, viele kleine Tellergerichte, guter Wein und Bier.
  • Container im alten Hafen in Jaffa, cooles Restaurant im alten Frachtraumstil, manchmal mit Live-Musik, manchmal mit Ausstellung. Der Besitzer heisst Vince und ist Westschweizer… Hat sich in der israelischer Gastroszene mit seiner Ex-Frau einen Namen gemacht.
  • Oasis kleines fancy Restaurant an der Tschernichovsky 1, gleich gegenüber dem Sabich. Unbedingt reservieren (Inner Tel Aviv)
  • http://www.tripadvisor.com/Restaurant_Review-g293984-d2696146-Reviews-Oasis-Tel_Aviv_Tel_Aviv_District.html
  • Cafe Noir (eins unserer Lieblings-Restaurants, fein und easy, bekannt für Schnitzel und Burger, Ehad haam St.)
  • Social Club (mediterrane Küche, super Essen und gut gelegen, 45 Rothschild)
  • Manta Ray (Fisch und Fleisch, direkt am Beach, unbedingt Mezze zur Vorspeise nehmen, Adresse: Alma Beach, südlich der Strandpromenade)
  • Unami (Japaner/Sushi, Haarbaa st, super und fair im Preis)
  • Brasserie (Französisches Restaurant, 24/7, super Fleisch, 70 Ibn Gvirol beim Rabin Platz)
  • Messa (eher teures Schickimicki-Restaurant, aber sehr gut und für uns Schweizer durchaus erschwinglich, auch Haarbaa st.)
  • Susanna (Restaurant, Neve Zedek, schönstes Quartier der Stadt)
  • HaTachana (alte Zugstation, mehrere schöne Restaurants, wirklich ein Besuch Wert, man kann auch abends in Boutiquen shoppen)
  • Nanuchka, Lilienblum 28 (Georgian restaurant-bar, an der Bar essen, dort kann's später sehr ausgelassen und lustig werden.)
  • Tapas One, Ehad haam st. (Tapas Bar)
  • Tapeo, Rehov Ha'arba'a (Tapas Bar)

 

Bars & Clubs

In Tel Aviv kann man jeden Abend gut ausgehen. Allerdings ist es nicht einfach, rauszufinden, wann man wohin soll. Am besten, immer wieder Leute fragen. 

  • Radio (Nähe Rotschild Strasse, eine der belebtesten Strassen in der Nacht, jeden Abend anderer Musikstil, etwas ähnlich wie's Gonzo in Zürich)
  • Sexboutique an der Dizengoff (Club/Bar)
  • Breakfast Club (meist Electro/Techno, kleiner cooler Club) – Achtung: öffnet spät
  • Pinguin, Yehuda Halevi street 43
  • Sablet (grosse Sommerterrasse mit DJ; ziemlich cool / vorher fragen, ob noch oder wieder offen, ist mega-in)
  • Lima lima (Bar, Lilienblum)
  • Shessek (Bar, Lilienblum)
  • Abraxis, coole Bar am Sonntag mit live music 
  • Nanuchka Bar, Lilienblum (wenn man Glück hat, wird's sehr ausgelassen)
  • Namal (alter Hafen, dort gibt's etliche Clubs und Bars)