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Jugendausgabe 2019

Amsterdam, wir kommen!

Die niederländische Hauptstadt ist bei den Jungen sehr beliebt. Denn die Stadt mit den schönen Grachten bietet unheimlich viel – nicht zuletzt auch kulinarisch.

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Romina Rattaggi, Sherife Hamzaj
18. November 2019

37 Grad beträgt die Aussentemperatur, als wir am Donnerstag um 15.18 Uhr in Basel den Zug nach Amsterdam besteigen. Ein Hoch auf die Klimaanlage – zumindest zu Beginn. Denn irgendwann auf der Fahrt nach Holland gibt sie ihren Geist auf. Vielleicht, weil es zu viele Passagiere hat. Am Frankfurter Flughafen quetschen sich so viele Menschen in den Zug, dass wir erst weiterfahren können, als einige wieder «freiwillig» aussteigen.

Deshalb sind wir erleichtert, als wir um 22.30 Uhr in Amsterdam Centraal ankommen. Draussen ist es angenehme 20 Grad warm. Wir machen uns auf die Suche nach dem Hotel, das neben dem Nationalmuseum, genannt Rijksmu- seum, liegt. Im Tram gibt es einige Besonderheiten, die mich staunen lassen. Zuerst muss man sein Ticket links oder rechts der Türen einscannen, dasselbe gilt beim Verlassen des Trams. Die Strecke wird so automatisch berechnet und vom Ticket abgezogen. Zudem ist im hinteren Teil eine kleine Rezeption stationiert, an der ein Mitarbeiter sitzt, Fahrkarten verkauft und Auskünfte gibt; aber Achtung, bezahlen kann man nur mit Kredit- und Debit-Karten. In unserem Hotel, dem Apollo Museumhotel City Center, angekommen, geht es erst einmal ins Bett.

Traditionelle Pfannkuchen

Am Freitag habe ich um 8 Uhr mit Sherife (22) vor dem Hotel abgemacht. Sie ist ebenfalls Lehrling bei Coop und schreibt ihren Reisebericht für Coopération, die französische Ausgabe der Coopzeitung. Als Erstes spazieren wir über die Museumbrug Richtung Leidsekruisstraat, wo wir im «Cosy by Mandy» frühstücken. Ich entscheide mich für die Pannekoeken, traditionelle einheimische Pfannkuchen. Serviert werden sie mit Erdbeeren, Puderzucker, Schokoladenstreuseln und Zuckersirup. Fein!

Frisch gestärkt machen wir uns auf den Weg zum Van-Gogh-Museum, das hinter dem Rijksmuseum liegt. Dort erklären sie uns, dass man die Tickets nur online kaufen kann – wie bei so vielen Sehenswürdigkeiten in Amsterdam. Zum Glück entdecken wir später in der Nähe eine Ticketbude, in der sie Tickets für das Van-Gogh-Museum anbieten. Aber nur in Kombination mit Kanalrundfahrten. Was ja auch nicht so schlecht ist, und darum kaufen wir uns ein Ticket.

Auf der Kanalrundfahrt durch die Leidsegracht erklärt uns der Kapitän, dass die Boote alle elektrisch betrieben sind: «Wie ein Tesla auf dem Wasser.» Die Grachtenhäuser sind wunderbar. An jedem Haus gibt es oben am Giebel einen Flaschenzug. Die werden bei einem Umzug gebraucht: Weil die Treppenhäuser viel zu eng sind, müssen die Möbelstücke durchs Fenster transportiert werden. Am Ende passieren wir den Waterlooplein Market, den täglichen Flohmarkt. Der Kapitän erklärt uns, dass in Amsterdam jährlich 60 000 Velos, sogenannte Fietsen, geklaut werden und dies die häufigste Straftat ist. «Wenn also euer Fahrrad weg ist, findet ihr es bestimmt hier auf dem Flohmarkt wieder. Das ist die niederländische Art des Recyclings», witzelt er.

Feste Schuhe empfohlen

Nach dem Mittagessen im Restaurant «Avocado Show» (vgl. Box Seite 44) schlendern wir durch die Gassen zurück zum Hotel. Dort ruhen wir uns erst mal aus, da uns die Füsse wehtun. Eigentlich sollten wir uns das lange Stehen und Gehen dank unserer Lehre gewohnt sein, aber die Strassen von Amsterdam sind grösstenteils gepflastert und sehr uneben. Es empfiehlt sich also, etwas festere Schuhe mitzunehmen.

Fahrräder sieht man in Amsterdam an jeder Ecke.

 An farbenfroher Originalität mangelt es Amsterdam nicht: Tulpen in der City.

 Wer Amsterdam besucht, muss unbedingt Bitterballen probieren - sonst verpasst man was.

Am Abend durchkämmen wir die Leidsegracht, auf der Suche nach einer ganz bestimmten Sitzbank; der Ort war nämlich 2014 einer der Schauplätze des Dramas «Das Schicksal ist ein mieser Verräter». Dieses handelt von zwei krebskranken Jugendlichen, die nach Amsterdam reisen. Wer den Film oder das Buch kennt, sollte sich unbedingt auf die Bank setzen. Das Ambiente ist fantastisch.

Regeln für den Kauf von Cannabis

Tipps für Amsterdam

Anreisen. Um 8.13 Uhr gibt es eine tolle Zugverbindung ab Basel SBB, die in bloss sieben Stunden via Frankfurt nach Amsterdam führt. Wer braucht da noch das Flugzeug?

Wohnen. Wir haben im zentral gelegenen Apollo Museumhotel gewohnt, wo das Doppelzimmer rund 100 Euro kostet. Charmant ist ein Zimmer auf dem Anna-Houseboat, das in Gehdistanz zum Nieuwmarkt-Viertel liegt.

Essen. «The Avocado Show», Daniël Stalpertstraat 61, ist ein kulinarisches Spektakel für alle Avocado-Fans. Ich empfehle «The Avocado Garden» – eine Avocado, gefüllt mit Hummus sowie diversen Gewürzen und ergänzt mit einem Bagel und Kresse. Nicht ganz günstig.

Egal, wohin man in Amsterdam geht, fast überall liegt der Duft von Cannabis in der Luft. Entweder weil gerade jemand einen Joint raucht oder man an einem der Coffee-Shops vorbeiläuft, aus dem es intensiv duftet. Die einen freuts, die anderen finden die Duftsalven weniger lustig. Aber auch hier gibts Regeln: Für den Kauf von Cannabis müssen die volljährigen Käufer einen niederländischen Ausweis vorweisen – normalerweise. Ganz so streng wird dies nicht gehandhabt, da viele junge Leute aus aller Welt nur deswegen hierher kommen.

Zum Abendessen schlendern wir gleich um die Ecke in die Damstraat, wo es von Restaurants, Fast-Food-Ketten und Frittenbuden nur so wimmelt. Wir entscheiden uns für die Pizzeria «Steakhouse Amsterdam», in der ich seit Langem wieder einmal feine Pasta esse. Danach ein letzter Spaziergang bis zum Hotel, wo ich erschöpft ins Bett falle.

Am Samstagmorgen treffen wir uns etwas später, unsere Reise soll ja auch erholsam sein. Nach dem Spaziergang durch den Grachtengürtel und dem Frühstück im «The Black Coffee» holen wir am Bahnhof unsere Sitzplatzreservationen für die Rückfahrt am nächsten Tag. Unterwegs fällt uns erneut auf, dass man sich in Amsterdam vor allem vor den Velofahrern in Acht nehmen muss und weniger vor den Autos. Die Velofahrer reklamieren für sich freie Fahrt und Vortritt. Miss­achtet man dies als Fussgänger, wird es gefährlich. In den vier Tagen in Amsterdam wurden wir gefühlte 20 Mal angeklingelt und zweimal fast angefahren.

Mit dem Tram fahren wir zum Dam Square und verbringen den restlichen Morgen und frühen Nachmittag mit Shoppen. Dafür eignet sich die Kalverstraat perfekt. Hier findet bestimmt jeder etwas, in Geschäften wie Tommy Jeans, The Body Shop, Zara, H&M und Urban Outfitters. Zum Mittagessen gönnen wir uns eine weitere niederländische Spezialität: Patat. Das sind doppelt frittierte Pommes, die man mit verschiedenen Saucen bestellen kann – bestimmt nicht etwas, das man jeden Tag essen sollte, aber für einen schnellen Happen perfekt.

Später ist es endlich so weit: Wir besuchen das Van-Gogh-Museum. Die Sammlung erstreckt sich über vier Etagen. Hier sieht man nicht nur die Werke des Künstlers, sondern erfährt auch viel über sein bewegtes Leben.

Frittierte Fleischbällchen

Für das letzte Abendessen in Amsterdam wählen wir die «Bitterballen Bar». Bitterballen ist ebenfalls typisch niederländisch, es handelt sich um frittierte Fleischbällchen, die mit Senf serviert werden. Man kann zwischen verschiedenen Fleisch-, Fisch-, Gemüse- und Käsefüllungen aussuchen.

Während wir die Bitterballen genies- sen, unterhalten wir uns über alles Mögliche. Sherife kommt aus dem Kanton Waadt und ich aus Solothurn. Obwohl wir beide die jeweils andere Sprache schon seit Jahren in der Schule lernen, unterhalten wir uns während der ganzen Reise auf Englisch. Mein Französisch reicht nicht aus, um ein normales Gespräch zu führen, dasselbe gilt für ihre Deutschkenntnisse. Immerhin – ein paar Wörter in der anderen Sprache lernen wir dazu. Als wir am ersten Tag vor dem Rijksmuseum die riesige Spinnen­skulptur erblicken, frage ich sie nach dem französischen Begriff und erfahre: «l’araignée». Das führen wir dann die nächsten Tage so weiter. Zudem versuchen wir uns auch etwas an der einheimischen Sprache. Die Niederländer gebrauchen das «ch» viel häufiger als wir Schweizer. «Guten Tag» heisst hier «goedendag», dabei wird das «g» wie ein «ch» ausgesprochen. Wer Deutsch kann, versteht auch einige Fetzen Niederländisch und kann die Bedeutung der Wörter erahnen.

Als es bereits dunkel ist, begeben wir uns zum Rotlichtviertel – der letzte Punkt auf unserer «Bucket List». Ich weiss die ganze Zeit nicht recht, wo ich hinschauen soll oder darf. Frauen, die sich halbnackt in Schaufenstern präsentieren, wollen ihre Kunden mit eindeutigen Handbewegungen anlocken. In den Gassen wimmelt es nur so von Touristen, man kann sich kaum fortbewegen. Neben den Schaufenstern gibt es Stripclubs, Erotikshops oder Live-Shows. Aufs Fotografieren sollte man verzichten, sonst kann es passieren, dass einem das Handy von einer der Damen oder von einem Türsteher aus der Hand gerissen wird. Nach dieser etwas zweifelhaften Tour gehts wieder zurück ins Hotel.

Am Sonntag bringt uns das Taxi zur Centraal Station, wo wir um 7.24 Uhr mit der S-Bahn nach Utrecht fahren. Dort steigen wir in den ICE um, der um 8.16 Uhr losfährt. Die Rückfahrt ist viel angenehmer, es hat weniger Leute und die Fahrt kommt mir viel kürzer vor. Um 15 Uhr sind wir wieder in Basel.

Fazit: Amsterdam ist absolut lohnenswert. Am besten gefallen haben mir die Grachten, die atemberaubende Architektur, das feine Essen und die freundlichen Menschen. Für mich ist sonnenklar, dass ich wieder zurückkehren werde. 

Lesen Sie den Reisebericht von Rominas Reisebegleiterin Sherife auf Französisch: www.cooperation.ch/amsterdam

Romina Rattaggi (20)

Lernende Detailhandel Egerkingen SO, konnte sich nicht mit ihrer welschen Kollegin unterhalten - trotz 5,5 in Französisch.