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Tourismus

Wo Robinson Crusoe wohl wäre

Thailand zählt jedes Jahr Millionen ausländischer Gäste. Wohin also, wenn der Besucher etwas weniger überlaufene Inseln und Strände sucht? Wir haben sie gefunden – im Südosten Thailands. Am besten während der Regenzeit.

FOTOS
Soneva, Jasmina Slacanin, Getty Images, Karte Janina Noser
15. April 2019

Ko Kut lässt sich in einer Stunde von Bangkok aus erreichen.

Der Thailandaufenthalt beginnt in Trat, dem Hauptort der gleichnamigen Provinz im Südosten des Landes. Trat dient den meisten Touristen lediglich als Durchgangsstation auf dem Weg zur Insel Ko Chang; von Trat aus ist die zweitgrösste Insel Thailands in nur 45 Minuten per Boot zu erreichen. Bevor wir weiterreisen, tauchen wir ein in die lokale Kultur und lassen uns von den Düften und Eindrücken auf einem der zahlreichen Märkte der Stadt verzaubern. Die geschäftige Atmosphäre und die meist bunten Verkaufsstände, die den Duft von gebratenem Fleisch und Fisch, exotischen Früchten und Currysuppe verströmen, lassen uns den Jetlag schnell vergessen. Die thailändische Küche hat mit ihren köstlichen Gerichten, die immer frisch zubereitet sowie feurig gewürzt sind und darüber hinaus verlockend aussehen, längst die ganze Welt erobert. Ob auf einem Plastikhocker auf der Strasse zwischen den Auspuffen oder auf einem bequemen Stuhl im klimatisierten Restaurant – man isst überall gut!

Muscheln sammeln

Bei unserem Zwischenstopp im Fischerdorf Ban Nam Chiao, in dem Buddhisten und Muslime friedlich zusammenleben, entdecken wir die lokale Kultur. Bäume im Mangrovenwald pflanzen, Muscheln sammeln oder Hüte aus Palmenblättern flechten, all dies gehört zu den Tätigkeiten dieses Dorfes, das an Touristen gewöhnt ist.

Thailand ist eine jener Reisedestinationen, die Opfer ihres Erfolges geworden sind. Der Massentourismus hat mit seinen Auswüchsen dazu geführt, dass das Image des südostasiatischen Landes arg ramponiert wurde; seit geraumer Zeit äussern die einheimischen Tourismusbehörden die Absicht, dass sie das längerfristig ändern wollen. Das ist gut so, denn Thailand, das fast 13-mal grösser als die Schweiz ist, verfügt über eine reiche Kultur, die es zu bewahren gilt. Vor allem abseits der grossen Touristenströme begeistert das Land durch Gastfreundschaft, Authentizität und den unvergleichlichen Duft von Zitronengras.

 Im kleinen Flieger, der von Angehörigen der (erweiterten) Königsfamilie pilotiert wird.

Wer der Touristenmasse entfliehen will, muss wissen, wohin und auch zu welcher Jahreszeit. Anfang 2018 verbrachte ich einen Teil meiner Ferien auf Ko Chang, der Hauptinsel einer Inselgruppe aus 40 Inseln im Golf von Thailand an der Ostküste des Landes nahe der Grenze zu Kambodscha. Als ich im September, also mitten in der Regenzeit, erneut dorthin reiste, war die Stimmung ganz anders und auch viel entspannter. Während es in der Hochsaison schwierig sein kann, seine Traumunterkunft und etwas Privatsphäre an den berühmten feinsandigen Stränden zu finden, zeigt sich das Eiland in der Nebensaison von seiner ruhigen Seite mit nur wenigen Touristen. Man fühlt sich fast wie Robinson Crusoe! Die Regenzeit, die von Juni bis Oktober dauert, bedeutet allerdings nicht, dass es dauernd wie aus Kübeln giesst; es regnet in der Regel jeweils nur für ein paar Stunden am Tag.

Der Osten der Insel, der von Mangrovenwäldern bedeckt ist, bleibt das ganze Jahr wild und unberührt. Um sich in diesem Teil von Ko Chang fortzubewegen, mietet man am besten ein eigenes Fahrzeug – einen Roller oder Mietwagen –, denn die Sammeltaxis fahren nur selten dorthin. Der Regenwald, der drei Viertel der Insel bedeckt, gilt als einer des besterhaltenen von ganz Südostasien. Das gebirgige Zentrum mit seinen atemberaubenden Wasserfällen bietet zahlreiche Wander- und Bademöglichkeiten.

Von Ko Chang aus gibt es Bootsverbindungen zu den Inseln Ko Wai, Ko Mak und Ko Kut, die heute zu den wenigen relativ gut erreichbaren thailändischen Inseln gehören, die vom Massentourismus verschont geblieben sind. Diese drei Inselperlen bestechen durch feinsandige Strände und glasklares Wasser mit einer reichen Unterwasserwelt.

«No news,no shoes.»*

Mrs Friday, Gastgeberin auf Ko Kut

Wir haben uns für Ko Kut entschieden, die mit 113,5 Quadratkilometern viertgrösste Insel Thailands, die jedoch zu denjenigen mit der geringsten Bevölkerungsdichte gehört. Der Tourismus entwickelt sich hier langsam und man findet heute Unterkünfte für jedes Budget. Im Luxussegment gibt es das Soneva Kiri, ein Resort der Superlative, in dem wir übernachten dürfen. Hier wird viel Wert auf einen möglichst umweltverträglichen Unterhalt gelegt.

Eine eigene Zeitzone

«No news, no shoes.» Mit diesen Worten begrüsst uns Mrs Friday. Die Gastgeberinnen und Gastgeber nennen sich hier alle Frau oder Herr Freitag – eine Anspielung auf die gleichnamige Figur im Robinson-Crusoe-Roman. Wir ziehen unsere Schuhe aus, die wir erst wieder für die Ausflüge und die Heimreise anziehen werden. Der Zeitungs- und News-Konsum ist verboten, die Bewohner sollen sich vollständig von der Aussenwelt abnabeln. Wirklich konsequent ist dies indes nicht zu Ende gedacht, denn WLAN wird trotzdem angeboten …

 Ko Chang vereint Dschungel und Strände.

 Thailand ist berühmt für seine fantastische Küche, die die Geschmacksnerven erfreut. Also gehet hin und esst!

 Das Auge kann sich nicht sattsehen an den exotischen Farben - wie zum Beispiel am Pink der Drachenfrucht.

Eine Besonderheit des Resorts: Es hat seine eigene Zeitzone! Wir müssen unsere Uhr eine Stunde vorstellen, mit dem schönen Effekt, dass es abends länger hell ist. Das Essen ist lokal und biologisch. Plastik ist verboten.

Um sich im riesigen Resort zu bewegen, stehen Elektromobile zur Verfügung. Es gibt eine Schokoladenbar (mit hausgemachten Schokoladenkreationen, die à discrétion genossen werden dürfen), selbst gemachte Glaces, einen schönen Weinkeller, Spielzimmer und Räume für verschiedene Aktivitäten für Kinder jeden Alters und vieles mehr. Ich fühle mich in meine Kindheit zurückversetzt, mit dem kleinen Unterschied, dass mich niemand beim Genuss von Süssigkeiten zur Mässigung anhält.

Beim Anblick meines Bungalows mit Pool, Badezimmer mit Whirlpool und Aussendusche inmitten der üppigen Natur kann ich mir vorstellen, noch länger das Luxus-Robinson-Leben zu geniessen.

Der Abschied fällt schwer, die Abreise umso leichter, denn das Resort verfügt über einen eigenen Flugplatz mit Privatjet, an dessen Steuer Piloten aus der (erweiterten) thailändischen Königsfamilie sitzen! Eine Stunde später sind wir schon wieder in Bangkok.

Der Charme der Thailandreisen

Der komfortable Flug unterscheidet sich ziemlich von meiner Rückreise ein paar Monate zuvor, als ich zuerst per Sammeltaxi (auf meinem Gepäck sitzend), dann mit der Fähre von Ko Chang nach Trat und schliesslich sieben Stunden in einem überfüllten Minivan endlich in Bangkok ankam. Doch auch das war absolut in Ordnung. Thailand ist einfach wunderbar. Sawadee kha!** 

* Übersetzt: Keine Schuhe, keine Nachrichten – das Konzept des Luxusresorts lautet «Abschalten».

** Zu Deutsch: Auf Wiedersehen! (Weibliche Form.)

Diese Reise wurde vom thailändischen Tourismusbüro und von Thai Airways unterstützt.


Ferienziel Thailand

Ab April wird es in Südostasien so richtig heiss 

 Wer nach Thailand reist, soll sich Zeit nehmen und Land und Gewässer in Ruhe erkunden – zum Beispiel so wie hier Ko Chang mit dem Boot.

Anreise
Elfstündiger Direktflug mit Thai Airways von Zürich nach Bangkok, täglich um 13.30 Uhr mit Ankunft am nächsten Tag um 5.30 Uhr in der Früh. Wer sofort nach Ko Chang oder Ko Kut weiterreisen will, kann theoretisch einen Anschlussflug nach Trat nehmen. Wir empfehlen aber, sich in Bangkok in einem Hotel auszuruhen und am nächsten Morgen mit dem Bus nach Trat zu fahren, von wo es mit der Fähre weitergeht. So bekommt man etwas von Thailand mit.

Beste Jahreszeit
Die ideale Jahreszeit für Mitteleuropäer ist von Dezember bis März, wo sich der kalte europäische Winter in Thailand bei angenehmen Temperaturen bestens überstehen lässt. Im April wirds richtig heiss, mit Temperaturen von über 30 Grad.  Danach beginnt die Regenzeit, die bis im Oktober dauert. Die Dauer der Niederschläge kann variieren, oft scheint nach einem heftigen Regenguss schon bald wieder die Sonne.

Ausflugstipp Ko Chang
Wer in Ko Chang nicht nur am Meer liegen will, dem empfehlen wir unbedingt einen Ausflug an einen der Wasserfälle im Landesinnern. Leicht erreichbar ist der Klong-Plu-Wasserfall mit dem Hauptbecken von 20 Metern Tiefe und mehreren Nebenbassins. In ihnen schwimmen kleine Fische, die liebend gerne die Hornhaut an den Füssen der Badenden anknabbern – Fusspediküre auf Thailändisch!

Reiseführer Thailand
Sehr gut mit Informationen ausgestattet wird der Thailandreisende im Reiseführer des Stefan Loose Travel Verlags. Das 1000 Seiten starke, aber trotzdem handliche Standardwerk für Thailand verdankt seine Aktualität der akribischen Recherche erfahrener Reiseautoren und der Hilfe Hunderter Leserinnen und Leser.