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Leipzig

Leipzig – Heldenstadt in Aufbruchstimmung

Auerbachs Keller, Bach und Buchmesse, Völkerschlacht und Montagsdemos – Leipzig ist reich an Kultur und Geschichte. Was den Reiz dieser rasant wachsenden Stadt im Osten Deutschlands ausmacht, erklärt Schauspieler Thomas Rühmann.

FOTOS
Rudolf Wernicke, GETTY iMAGES
11. November 2019

 Thomas Rühmann vor dem Gewandhaus am Augustusplatz: Vor 30 Jahren demonstrierten hier Hunderttausende Leipziger für Freiheit.

Die Dimensionen der Stadt erahnt man schon bei der Ankunft am Leipziger Hauptbahnhof, 1915 eröffnet und bis heute der flächenmässig grösste Kopfbahnhof Europas. Einen Überblick über die Stadt verschafft die Aussichtsplattform des Cityhochhauses. Ende der 1960er-Jahre als Uni­gebäude erbaut, wurde es zu DDR-Zeiten als «Weisheitszahn» verspottet. Dass wir dort oben mit Thomas Rühmann (64) verabredet sind, ist kein Zufall: «Anfang der 1970er-Jahre habe ich hier im 16. Stock Journalismus studiert», erzählt der TV-Serienstar (s.unten). «Hier auf der Plattform war ich aber erstmals vor etwa 20 Jahren. Da bemerkte ich, wie sehr sich Leipzig seit der Wende verändert hatte. Wo früher alles grau gewesen war, sah die Stadt jetzt viel heller aus.»

Schnittpunkt der Handelswege

Leipzig und das Umland sind flach, ein Paradies für Velofahrer. Südlich des Zentrums unübersehbar: das Völkerschlachtdenkmal, das an den blutigen Sieg der Koalition von Russland, Preussen, Österreich und Schweden gegen die französische Revolutionsarmee im Jahr 1813 erinnert. Am Horizont glitzern heute Seen, wo früher der Braunkohletagebau das Land umgepflügt hatte. Und westlich des Zentrums ziehen sich mitten durchs Stadtgebiet Auenwälder.

Einem Baum verdankt Leipzig auch seinen Namen: Als «urbs Libzi», Stadt der Linden, erscheint sie erstmals 1015 in einer mittelalterlichen Chronik. Hier trafen sich zwei der wichtigsten Fernhandelsrouten: Am Schnittpunkt der Via Imperii zwischen Ostsee und Rom mit der Via Regia, die Russland mit Spanien verband, brummte der Handel. Als Messestadt wurde Leipzig reich, und das kann man heute auch wieder erkennen: Die Handelshöfe im Zentrum, Gründerzeit-Bauten mit Jugendstil-Elementen und Passagen nach italienischem Vorbild, wurden in den letzten Jahren aufwendig restauriert zum Shopping-Paradies. In der Mädler-Passage findet sich zudem eines der berühmtesten Lokale der Stadt. Als Leipziger Student, der sich lieber mit Poesie denn Juristerei beschäftigte, zechte der junge Goethe (1749–1832) dort gerne. Später liess er eine Szene seines «Faust»-Dramas in «Auerbachs Keller» spielen.

Musik, Verlage und Kunst

Dem Journalistik-Studenten Rühmann ging es ähnlich: Statt in den Staatlichen Rundfunk zog es ihn Ende der 1970er-Jahre zur Bühne. «Als Amateurtheater konnten wir Stücke von DDR-Autoren spielen, die damals nur im Westen inszeniert wurden», erzählt der Schauspieler und zeigt, was ihm in Leipzig besonders am Herzen liegt: die Kultur. Direkt unter dem Cityhochhaus liegen am Augustusplatz die Oper, das Gewandhaus – Heimat des gleichnamigen Orchesters – und die Universität nur wenige Schritte auseinander. Die Sehenswürdigkeiten der Stadt sind von den Hotels im Zentrum zu Fuss erreichbar: So etwa die Nikolaikirche, wo die friedliche Revolution von 1989 begann, oder die Thomaskirche, an der Johann Sebastian Bach (1685–1750) als Thomaskantor wirkte. Ihm und vielen anderen, die hier geboren sind oder wirkten, verdankt Leipzig seinen Ruf als Musikstadt. Die «Leipziger Notenspur» – ins Strassenpflaster eingelassene Wegweiser und Informationstafeln an den Gebäuden – erschliesst diesen Teil der Geschichte. Der reicht übrigens bis in die Pop-Musik: Aus dem Thomanerchor ging eine der erfolgreichsten Gesangsgruppen des wiedervereinten Landes hervor: die Prinzen.

Das Alte Rathaus am Marktplatz im Stadtzentrum, Mitte des 16. Jahrhunderts erbaut, ist eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten von Leipzig.

 Mädler-Passage: Wo sich früher die Händler zur Mustermesse trafen, ist ein Einkaufsparadies entstanden.

Einst Spielstätte der Studentenbühne «Poetisches Theater», heute Kultkneipe mit Billard-Tischen und Craft-Bier: Im Beyerhaus begann die Schauspielkarriere von Thomas Rühmann.

Auch als Druck- und Verlagsstadt hat Leipzig Weltruf. Am Anfang stand die Reformation, später kamen Verlage wie Brockhaus (Lexikon), Baedeker (Reiseführer) und Breitkopf (Noten). In Leipzig wurde 1650 die erste Tageszeitung der Welt gedruckt und auch «Reclams Universal-Bibliothek» nahm hier ihren Anfang – jeder Gymi-Schüler kennt die gelben Klassiker-Ausgaben. Wie sich in Leipzig Handel und Kunst verbinden, zeigt das Beispiel von Franz Dominic Grassi (1801–1880): Der schwerreiche Spross einer aus Italien eingewanderten Kaufmannsfamilie vermachte der Stadt umgerechnet über 20 Millionen Euro. Das von diesem Erbe erbaute und nach dem Kaufmann benannte Grassimuseum mit den Bereichen angewandte Kunst, Musikinstrumente und Völkerkunde ist eine wahre Schatzkammer.

Saures und Süsses

Mehr als TV-Serienheld

Musik und engagiertes Theater

Thomas Rühmann ist «Dr. Heimann» in der ARD-Serie «In aller Freundschaft» – in Leipzig steht er jetzt für die 23. Staffel vor der Kamera. Als Sänger und Gitarrist geht er mit diversen Bands auf Tour. In einem Dörfchen an der Grenze zu Polen gründete er mit seinem Freund Tobias Morgenstern das «Theater am Rand».

Was beim Stadtbummel auffällt: Viele Geschäfte suchen mit Aushängen nach Mitarbeitern. Grosse Unternehmen wie Siemens, Porsche, BMW, Amazon und DHL haben die Wirtschaft kräftig in Schwung gebracht. Leipzig war vor dem Zweiten Weltkrieg mit mehr als 700 000 Einwohnern Deutschlands fünftgrösste Stadt, schrumpfte nach der Wende aber stark. Inzwischen konnte Leipzig vor wenigen Wochen immerhin wieder den sechshunderttausendsten Einwohner begrüssen. Thomas Rühmann ist vor einigen Jahren von der Stadt weg aufs Land gezogen, als mit dem Erfolg der TV-Serie «In aller Freundschaft» auch der Starrummel überhandnahm. «Ich wohnte damals im alten Industriegebiet, in einem Loft direkt am Kanal», erzählt Rühmann. «Bald hatten wir Ausflugsboote mit Touristen unter dem Balkon. Das wurde mir dann zu viel.»

Am Abend zeigt uns der Schauspieler den Ort, an dem seine Karriere Ende der 1970er-Jahre begann. Das Beyerhaus, einst die Spielstätte der Studentenbühne, ist heute eine originelle Kneipe. Im grossen Saal finden Slam-Poetry- und andere Events statt, im Gastraum kann man gemütlich sein Bier trinken. «Das sieht aus wie damals», kommentiert Rühmann, «und die Dielen knarren auch noch genauso.»

Wer Bier mag, sollte übrigens unbedingt die Leipziger Spezialität probieren: «Was bei den Blumen die Rose, ist beim Bier die Gose», reimen Fans. Das obergärig gebraute, säuerlich-fruchtige Bier gibts im Bayerischen Bahnhof. Wo früher die Bahnlinie aus dem südlichen Nachbarland endete, ist heute ein gemütliches Brauhaus. Eine kulinarische Besonderheit und beliebtes Mitbringsel ist auch die Leipziger Lerche. Bis Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Singvögel rund um die Stadt tatsächlich in Massen gefangen, gebraten und an die Messegäste verkauft. Diesem Treiben setzte der Tierschutz ein Ende, doch die Leipziger Konditoren fanden nach dem Verbot Ersatz: Die Lerche ist seither ein Mürbeteig-Gebäck, gefüllt mit Marzipan. Nur die gekreuzten Streifen erinnern an die einstige Vogelpastete. 

Der Autor war auf Einladung von Leipzig Tourismus und SBB in Leipzig.

Per Bahn für 79 Franken

Schweiz–Deutschland retour

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