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Adriatische Küste
Schiffsreise

Paradies Dalmatien

An der Dalmatinischen Küste haben die Geologie und der Mensch ein Schmuckstück von Landstrich geschaffen: 1244 Inseln, kristallklares Wasser und zauberhafte kleine Orte, denen man im Stillen verspricht, wiederzukommen.

FOTOS
Thomas Compagno, Alamy, Getty images
18. Februar 2019

 Die Thurgau Adriatica legt an der Insel Rab an.

Ganz langsam nähert sich die Thurgau Adriatica der Anlegestelle in Rab. Kapitän Neno Marunčić (53) wirft nochmals einen Blick auf den Bug: Seine Mannschaft ist parat. Dann manövriert er das fast 50 Meter lange Schiff sachte an den Quairand. Eine weitere Etappe ist geschafft. Marunčić ist froh. Vier Stunden zuvor in Zadar hat er eben den Motor auf langsame Fahrt voraus gestellt, als er vor sich eine Nebelfront entdeckt. Auch wenn sein Schiff mit GPS-Navigation und Radar ausgerüstet ist, steuert Marunčić lieber auf Sicht. Einer der alten Garde halt, dem am wohlsten ist, wenn er sich auf seine eigenen Sinne verlassen kann. Immerhin: Der Wetterbericht verheisst ein ruhiges Meer. Und das heisst: eine ruhige Fahrt. Mit voller Kraft würde sein Schiff 15 Knoten erreichen, das sind fast 30 Stundenkilometer. Jetzt fahren wir mit 11 bis 12 Knoten, also gut 20 Stundenkilometern, durch die Adria.

Den Gästen der Thurgau Adriatica ist ohnehin weniger nach Temporausch als vielmehr nach Chillen zumute. In der Sprache der Generation an Bord heisst das Geniessen oder Dolcefarniente: ein Sonnenbad auf dem Deck, ein Schwumm im Meer, wenn das Schiff in einer ruhigen Bucht ankert, oder lesen auf dem Liegestuhl. Gemütlichkeit macht sich auf dem Küstenschiff breit, das der kroatischen Küste entlang nach Norden steuert. Die historische Region Dalmatien erstreckte sich einst von Kroatien bis auf Teile von Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Albanien, Serbien und Kosovo. Heute verwendet man die Bezeichnung Dalmatien nur noch in Kroatien und einem kleinen Teil Montenegros.

 Bekanntes und unbekanntes Kroatien: Dubrovnik, …

 die Barbara-Kirche von Šibenik mit dem 24-Stunden-Ziffernblatt …

 … und die Krka-Wasserfälle.

Zu den Höhepunkten der Reise gehört ein Ausflug in den Nationalpark mit den Krka-Wasserfällen. Die Krka ist der mit 72 Kilometern längste Fluss Kroatiens. Kurz bevor sie bei Šibenik in die Adria mündet, fällt das Wasser über eine Kaskade von sieben Wasserfällen rund 46 Meter in die Tiefe. Das ist so spektakulär, dass auch Gäste aus der Schweiz begeistert sind, obschon die meisten von ihnen schon Wasserfälle gesehen haben. 

27 Kirchen von Šibenik

Einen Besuch wert ist auch die Stadt Šibenik. Sie hat allein im Stadtzentrum 27 Kirchen, darunter die Barbara-Kirche, deren Besonderheit ein Ziffernblatt mit 24-Stunden-Einteilung auf der Turmuhr ist, und die Kirche des heiligen Iwan. Ihr Ziffernblatt hat nur einen Zeiger. Während die Einwohner von Šibenik die Uhrzeit bei der Barbara-Kirche sehr exakt ablesen können, müssen sie bei der Iwan-Kirche schätzen. «Das entspricht unserer Kultur», erklärt Stadtführerin Irena Kuac (45). «Wir verabreden uns nie um zwei Uhr, sondern immer ‹gegen zwei Uhr›. Bei der Iwan-Kirche sind wir immer pünktlich.»

Über solche Kalauer kann Kapitän Marunčić nur schmunzeln. Wenn er um acht Uhr ablegen soll, dann laufen um 8:00 Uhr die Motoren. Genauigkeit gehört zu den wichtigeren Charakterzügen eines Kapitäns. Im Logbuch trägt er Position, Uhrzeit und Wetter ein. Marunčić darf sich maximal 1,5 Seemeilen von der Küste entfernen, mehr ist mit seinem Schiff nicht erlaubt. Er blickt auf die Motorenanzeige: Treibstoff, Öl- und Motortemperatur sind im grünen Bereich. Auch das trägt er akribisch ein. «Das Wetter ist auf unserer Seite», erklärt er mit entspannter Miene und steuert Richtung Velebit-Gebirge.

Kapitän Neno Marunčić auf der Brücke der Thurgau Adriatica.

Das Velebit-Gebirge war in den 60er-Jahren eine Naturkulisse für die Karl-May-Verfilmungen. In seinen südlichen Ausläufern und in der Zrmanja-Schlucht wurden viele Szenen der Winnetou-Filme gedreht – «Der Schatz im Silbersee», «Winnetou und das Halbblut Apanatschi» und «Old Surehand». Auf einer gut einstündigen Bootsfahrt durch die Schlucht können sich die Besucher die zerklüftete Karstlandschaft ohne Leinwandhelden ansehen – auch wenn sich viele wünschten, Pierre Brice käme nochmals um die Ecke geritten.

Wiege der FKK-Kultur

Kurz und bündig

  • Zwölf Tage zwischen Podgorica (Montenegro) und Ljubljana (Slowenien) mit Bus und Schiff.
  • Ausflüge nach Dubrovnik, Hvar, Split, Šibenik, Zadar und zu den Krka-Wasserfällen (Kroatien).
  • Schwimmen vom Schiff aus in ruhigen Buchten.
  • Rendezvous mit Winnetou bzw. mit den Drehorten diverser Karl-May-Verfilmungen.
  • Viel Zeit zum Geniessen auf der Thurgau Adriatica.
  • Besuch der Höhlen von Postojna auf der Fahrt nach Ljubljana.

Wer mit Tourismusfachleuten über Kroatien diskutiert, kommt irgendwann darauf zu sprechen: FKK, die Freikörperkultur, Nacktbaden. «Das ist heute weitgehend out, an vielen Orten sogar unerwünscht», sagt Stadtführerin Bobana Novaković (64) in Rab. Dabei galt das Land mit der längsten Adriaküste viele Jahre als Dorado der Nudisten. Doch dieses Bild von Kroatien will man beim Tourismusverband nicht mehr sehen: Weg vom Blütteln, hin zu Kulinarik, Kultur und Natur, ist das Ziel. Aber ein wenig sind die Kroaten auch stolz auf ihre FKK-Vergangenheit. Zumindest auf der Insel Rab betont man gerne, dass Rab die Wiege der FKK-Tradition ist. Der englische König Eduard VIII. beantragte dort 1936 ganz offiziell das erste hüllenlose Baden. Mit dem Segen der lokalen Behörden soll er dann in Begleitung von Lady Simpson, seiner späteren Frau, nackig ins Meer gestiegen sein.

Während sich die Könige in Rab auszogen, ziehen sich die Gäste der Thurgau Adriatica an – und zwar den Veston und das schöne Abendkleid. Das Schiff liegt inzwischen knapp 80 Kilometer weiter nördlich in Opatja, dem letzten Hafen der Reise, und das Captains-Dinner steht bevor. Es ist der Höhepunkt einer Schiffsreise, der durch ein mehrgängiges Menü aus der Schiffsküche versüsst wird.

Der Autor reiste auf Einladung von Thurgau Travel nach Dalmatien.


Gut zu wissen

Preis: Thurgau Travel bietet von April bis Oktober diverse Reisen entlang der Dalmatinischen Küste an: acht Tage zwischen Zadar und Dubrovnik (ab 1690 Franken) oder elf bzw. zwölf Tage zwischen Opatija und Kotor (ab 2190 Franken). Im Preis inbegriffen sind Hin- und Rückflug sowie alle Ausflüge. Die Küstenschiffe bieten Platz für 34 bzw. 36 Passagiere.

Akustik: Die Meeresorgel in Zadar ist ein architektonisches Objekt und experimentelles Musikinstrument. Ihre Töne werden durch die Wellenbewegung des Meeres unter grossen Steinplatten erzeugt.

Kulinarik: Die Rabska Torta oder Raber Torte ist ein traditioneller Kuchen der Insel Rab. Sie wurde zum Besuch von Papst Alexander III. anlässlich der Einweihung des Elisabeth-Domes in Rab im 13. Jahrhundert kreiert. Hauptbestandteil der Torte sind Mandeln. 
Fischliebhaber dürfen das Konoba Marjan in Split nicht verpassen: frischer Fisch hervorragend zubereitet, rustikal-charmanter Service, sehr authentisch. Gehobene Küche und gute Bedienung bietet auch das Restaurant Kastel in Zadar. Schöne Ausicht auf den Hafen.