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Unterwegs im Südwesten

American Dream

Strandfeeling, Oasen in der Wüste und viel Bling-Bling: Ein Roadtripp von San Diego bis nach Las Vegas bietet all das – und noch mehr. 

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Melanie Stocker, Getty Images
18. Februar 2019

 Faszinierende Gegensätze: Schier unendliche Weite im Joshua Tree National Park und die Neon-Lichter in Las Vegas. Rechts: Flugzeug im Anflug auf San Diego. 

Die Sonne taucht den Strand und die Palmen in ein warmes, weiches Licht, als sie im Pazifik versinkt. Ein Schwarm Pelikane fliegt über die Bucht. Was klingt wie aus einem Kitsch-Film, ist in La Jolla Alltag. Der nördliche Stadtteil von San Diego verkörpert das kalifornische Lebensgefühl perfekt: Surfer, die sich – mehr oder weniger gekonnt – an den Wellen versuchen, Kajaker und Taucher, die die Bucht erkunden. Die Strände in La Jolla sind für jeden frei zugänglich. Ein Unterwasserschutzgebiet bietet Schildkröten, Fischen und anderen Meeresbewohnern einen Lebensraum. Und im sogenannten Children’s Pool versammeln sich viele Seelöwen. 

Als Kontrapunkt zu dieser Natur bietet La Jolla viele exklusive Geschäfte, Hotels und Restaurants. Vor einigen stehen Klaviere, die jeder, der sich dazu befähigt fühlt, spielen darf. Wie ein Mann, der auf einem kleinen Platz an einem Flügel sitzt und sich und den Passanten ein Gratiskonzert gibt. 

 Auge in Auge mit den Seelöwen beim Kajak-Fahren …

 … in der Bucht von La Jolla nördlich von San Diego. 

Ein Gruss aus Mexiko

La Jolla ist nur eine vieler Facetten von San Diego. Insgesamt hat die Stadt rund hundert Stadtviertel, die alle ihre Eigenheiten haben. Das historische Herz von Downtown ist das Gaslamp Quarter. Man fühlt sich beinahe in vergangene Zeiten zurückversetzt, auch wenn die Gaslaternen mittlerweile elektrisch betrieben werden. Im Viertel mit viktorianischem Charme gibt es viele Bars, Clubs und Restaurants, die am Abend viele Leute anziehen. In den letzten Jahren entstanden in ganz San Diego viele Brauereien, die ihre eigenen Craft Beers entwickeln. «Es herrscht eine gesunde Konkurrenz zwischen den Betrieben. Jeder hat seine eigenen Spezialitäten», erklärt Tourismusexperte Joe Timko (62) von Visit San Diego. Er empfiehlt, jeweils verschiedene kleinere Bier-Samples zu probieren. 

1 foot = 30.5 cm

 

Wieder andere Musik spielt in Old Town. Die Klänge hier sind mexikanisch. In den Läden gibt es bunt bemalte Totenschädel und farbenfrohe  Stoffe. Tacos und Burritos werden schon zum Frühstück serviert. San Diego liegt gewissermassen an der Grenze zu Mexiko. Das färbt ab. «Viele Touristen machen Tagesausflüge nach Tijuana», sagt Joe. Die mexikanische Stadt liegt keine 30 Kilometer weit weg. 

Old Town ist, wie der Name nahelegt, der ursprüngliche Geburtsort der Stadt. Hier entstand die erste spanische Siedlung an der Westküste der USA. Als Gründungsjahr gilt 1769, mit 250 Jahren ist San Diego die älteste Stadt Kaliforniens. 

Ausspannen wie die Stars

Kurz und bündig

  • Für die Einreise in die USA empfiehlt sich der Flughafen San Diego: Hier geht es besonders schnell.  
  • Durch die San-Andreas-Verwerfung gibt es in und um Palm Springs Wasser in der Wüste.
  • Die Fahrt von Palm Springs nach Las Vegas lässt sich mit einem Besuch im Joshua Tree National Park verbinden. 
  • Heiraten in Las Vegas: Der Staat Nevada hat ein recht unkompliziertes Ehe- und Scheidungsrecht. 

Etwa 200 Kilometer weiter im Landesinnern liegt Greater Palm Springs. Dazu gehört auch Indian Wells, wo jeweils im März das Masters-Turnier stattfindet, das Roger Federer (37) bereits fünfmal gewinnen konnte. 

Bekannt und beliebt ist Palm Springs auch als Wellness-Oase für die Reichen und Schönen. Um 1774 stiessen Spanier hier auf die heissen Quellen (engl. springs). In den 1960er-Jahren entdeckten Filmstars und Musiker wie Marylin Monroe, Cary Grant, Frank Sinatra oder Elvis Presley Palm Springs für sich. «Sie konnten hier ausspannen und sich erholen. Gleichzeitig waren sie schnell wieder in Hollywood, wenn sie dort gebraucht wurden», weiss Jean Paul «JP» Zapata (33) von Visit Greater Palm Springs. Los Angeles liegt nur etwa 180 Kilometer entfernt. 

1 Meile = ca. 1.6 km

 

Heute locken die äusserst raren Regentage und milden Temperaturen vor allem im Winter viele Senioren aus dem Norden an, die sogenannten Snowbirds (Schneevögel). Bekannteres und vor allem jüngeres Publikum kommt im April nach Palm Springs. Dann findet das auch bei Stars total angesagte Coachella Valley Music and Arts Festival statt. Gefeiert wird typischerweise in Hippie-Outfits. 

Wasser aus der Tiefe

 Mike zeigt Besuchern im roten Jeep die Coachella-Wüste und die dort liegenden Oasen.

 Sie ergeben sich durch die spezielle geologische Lage.

 Strasse durch die Hügel zwischen San Diego und Palm Springs. 

Dass Palm Springs, das eingebettet liegt zwischen karg bewachsenen Hügelketten, überhaupt zu einer Wellness-Oase werden konnte, ist den besonderen geologischen Umständen geschuldet. Hier verläuft die San-Andreas-Verwerfung, auf der auch San Francisco liegt: Die nordamerikanische und die pazifische Platte treffen aufeinander und drücken das Grundwasser nach oben. Mike (66) veranschaulicht das Prinzip mit einem «Oreo»-Biscuit: «Wenn ich die beiden Hälften aneinander reibe, drückt dies die Füllung nach aussen. So funktioniert das auch mit den Platten und dem Wasser.» Der ehemalige Anwalt zeigt seinen Gästen in Offroad-Jeeptouren die Coachella-Wüste und die Oasen: insgesamt zwölf liegen in einer Linie «aufgereiht wie eine Perlenkette» entlang der San-Andreas-Verwerfung. 

Am Anfang war der Bahnhof 

Eine Oase in der Wüste ist auch Las Vegas (spanisch: «Die Auen»). Die erste Siedlung gründeten Mormonen 1854, gaben sie aber schon wenig später wieder auf. Als offizielles Gründungsjahr der Stadt gilt 1905, nachdem zwei Jahre zuvor die Eisenbahnstrecke Salt Lake City–Los Angeles fertiggestellt worden war. Las Vegas war einer der Zwischenstopps entlang der Strecke, und anfangs kaum mehr als ein kleiner, staubiger Bahnhof. 

36° C = ca. 97° F

 

Das änderte sich ab 1931: Als der Staat Nevada das Glücksspiel legalisierte, wuchs die Stadt schnell und zog allerlei Leute an, auch Ganoven und Prostituierte. Diese Vergangenheit von «Sin City» (Stadt der Sünde) wird im Mob Museum beleuchtet. Es ist – welche Ironie – untergebracht in einem ehemaligen Gerichts- und Postgebäude. Im Keller verbirgt sich ein veritables «Speakeasy» (Flüsterbar), wie sie während der Prohibition 1920 bis 1933 üblich waren. Alkoholische Getränke werden hier getarnt serviert: Mit «Geniessen Sie Ihren Tee, Sir», stellt der Barkeeper eine Porzellantasse mit Blümchen auf den Tisch.  

 Ein guter Burger gehört genauso zu Amerika wie Elvis Presley zu Las Vegas. 

 Es kann sogar vorkommen, dass er im Doppel durch die Strassen zieht.

Im Gegensatz zu den 1930er-Jahren und zu den meisten anderen amerikanischen Städten darf heute in Las Vegas auch in der Öffentlichkeit Alkohol getrunken werden. Keine braunen Papiertüten um Bierflaschen also. Diese Freiheit bekommt nicht jedem gut, wie ein Ausflug in die Fremont Street zeigt. Die teilweise überdachte Strasse liegt in Gehdistanz zum Mob Museum und ist auch am Nachmittag eine Partymeile: Getränkestände, Souvenirshops und -stände, Bühnen mit Livemusik und Strassenkünstler.

Gefeiert, als gäbe es kein Morgen, wird auch am «Strip». Das ist Las Vegas, wie man es aus Filmen wie zum Beispiel «Hangover» kennt: blinkende Lichter der grossen Hotel-Casinos, viele Restaurants, die kulinarisch um die Welt führen, und die grossen Shows. Früher waren es Elvis Presley, The Rat Pack und Siegfried und Roy, die hier ihr Können zeigten. Heute sind es Mariah Carey, Diana Ross oder der Cirque du Soleil. Diese Glitzerwelt mag dekadent sein. Aber genauso faszinierend. Vielleicht gerade deshalb. 

Die Autorin reiste auf Einladung von Edelweiss sowie den Destinationen San Diego, Greater Palm Springs und Las Vegas. Edelweiss fliegt ab Zürich von Mai bis Oktober (Mo und Fr) nach San Diego resp. von April bis November (Mo und Do) nach Las Vegas. Die Flüge lassen sich mit einem Roadtrip miteinander kombinieren. Preise und weitere Infos bei Edelweiss


Unsere Tipps

Staunen und geniessen

San Diego

  • Balboa-Park: Viele Museen und schöne Gärten und Architektur. Unbedingt genügend Zeit einrechnen!
  • Café 21 im Gaslamp Quarter: Gutes Essen mit Zutaten aus der Umgebung und täglich Live-Musik.

Palm Springs

  • Offroad-Jeeptour «San Andreas Fault» (3 Stunden): Erwachsene ab 13 J.: ca. Fr. 140.–; Kinder bis 12: ca. Fr. 115.–. (www.red-jeep.com)
  • Erfrischung nach der Wüstentour: Shields Garden. Ein Muss: Dattelshake für ca. Fr. 6.–. Tipp: Fragen Sie, ob Sie eine halbe Portion bekommen können. 

Las Vegas

  • Neon-Museum: Vor allem die Show «Brilliant» ist sehenswert. Tickets Erwachsene: ab ca. Fr. 23.–, Kinder (7–17 J.): ab ca. Fr. 15.–. 
  • Show: zum Beispiel «O: Aquatic Show» des Cirque du Soleil im «Bellagio». Tickets ab ca. Fr. 100.–.