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Südtirol

Weihnachtszeit

Südtirol – italienisch Alto Adige – ist die nördlichste Provinz Italiens und eignet sich ideal für ein paar Ferientage in der Adventszeit. An den traditionellen Weihnachtsmärkten findet man kulinarische und kunsthandwerkliche Bijous.

11. November 2019

Gröden, Alta Badia ... Kommen Ihnen diese Namen bekannt vor? Hier im Südtirol und den Dolomiten – den «Bleichen Bergen», einem Unesco-Weltnaturerbe – werden die berühmten Skirennen ausgetragen. Aber was wissen Sie noch über diese Region südlich des Brenners, an der Grenze zu Österreich? Feinschmecker kennen die Südtiroler Weine (20 verschiedene Rebsorten) und den Südtiroler IGP-Speck, einen mild geräucherten und gut gereiften Rohschinken. Geschichtskenner wissen, dass das Südtirol seit Ende des Ersten Weltkriegs eine autonome Provinz Italiens ist.

Aber wussten Sie auch, dass man in Südtirol drei Sprachen spricht? Die Stadt Bressanone heisst auf Deutsch Brixen, die Stadt Meran auf Italienisch Merano. Und die dritte Sprache? Rund fünf Prozent der Bevölkerung, vor allem im Grödnertal, sprechen Ladinisch, eine Sprache, die mit dem Bündnerromanischen verwandt ist.

Traditionelle Weihnachtsmärkte

In dieser katholischen Region hat die Advents- und Weihnachtszeit eine grosse Bedeutung. Zahlreiche Städte und Dörfer haben ihren eigenen Mercatino. Das Südtirol ist keine Touristenfalle und «Made in China»-Kitschprodukte sucht man hier – so man sie denn sucht – vergebens. Stattdessen setzt die Region auf Einheimisches: auf landwirtschaftliche Produkte und lokales Kunsthandwerk.

In kulinarischer Hinsicht verbinden sich hier alpine und mediterrane Traditionen. So mangelt es auch nicht an guten Restaurants. Neben Rohschinken und Wein gibt es köstlichen gesalzenen weissen Speck, Wild-Wurstwaren und Schafskäse mit Kräutern. Mit aromatischen Blüten gemischte Gewürzkräuter findet man ebenfalls. 

Ideale Weihnachtsgeschenke sind auch Sirup, gewürzte Salze, Biskuits, Lebkuchen, Stollen, Trockenfrüchte und -beeren, Honig und Grappa. Und unterwegs auf einem Markt gönnt man sich am besten einen Wein oder Glühwein mit einem Apfelstrudel oder eine feine Brezel mit Speck.

Holzschnitzerei

Weihnachtsschmuck, Tannenzapfenkränze, bemalte Glaskugeln, Stickereien, Spitzen und handgezogene Kerzen schmücken die Stände der verschiedenen Märkte. Die erstaunlichsten Objekte sind aus Holz. Margherita Bernardi (47), die auf dem Meraner Weihnachtsmarkt auf einem Arvenbrett ein Engels-Flachrelief schnitzt, stammt aus einer Holzschnitzerfamilie: «Mein Urgrossvater, mein Grossvater, meine Grossmutter, mein Vater und mein Bruder sind alle Holzschnitzer. Ich arbeite seit 31 Jahren in diesem Beruf», erklärt die Familienfrau. Auf dem Markt verkauft sie allerlei aus Holz: Tierfiguren, Weihnachtskugeln, Krippenfiguren und Engel.

 Holzschnitzerin in vierter Generation: Margherita Bernardi.

Und wenn es einnachtet, wenn die Lichter und Kerzen die Städte erhellen, wandern verkleidete Statisten durch die Märkte. Hier spielt ein Drehorgelspieler, dort macht sich ein Handwerker an einem Stück Metall oder Holz zu schaffen. Kinder bilden eine lebendige Krippe, während ein Weihnachtsmann – natürlich der echte! – seinen Auftritt hat.

Ein Blick in die Geschichte des Südtirols

Die fast 800-jährige Anwesenheit der Fürstbischöfe in Südtirol hat die Geschichte und Kultur der Region massgeblich geprägt. Als Teil des Heiligen Römischen Reichs wurde die Region 1815 auf dem Wiener Kongress dem Österreichischen Kaiserreich zugeteilt, bevor sie nach dem Ersten Weltkrieg 1919 italienisch wurde. Heute spricht die Mehrheit der Bevölkerung Deutsch. Aber alle sprechen und verstehen die zweite Sprache, das Italienische. Und fünf Prozent der Bevölkerung sprechen Ladinisch. Es ist strittig, ob das Ladinische zusammen mit dem Bündnerromanischen von Graubünden eine eigene sprachliche Einheit bildet oder aber bei den norditalienischen Dialekten einzugliedern ist.

Weitere Infos über die Weihnachtsmärkte im Südtirol: www.mercatini-di-natale.bz.it

Diese Reportage wurde mit Unterstützung von Buchard Voyages www.buchard.ch erstellt.

Bressanone/Brixen

Imperialer Markt und Krippen

Brixen, die erste grosse Stadt nach dem Brenner, besitzt eine schöne Altstadt. Der Markt mit rund vierzig kleinen Pavillons befindet sich auf dem Hauptplatz (Foto), zu Füssen des im zehnten Jahrhundert erbauten barocken Doms, in dem Sie gesungene Messen besuchen können. Die Kinder erfreuen sich an der Eisbahn, den Karussells und den Kutschenfahrten. Am Abend findet eine Licht- und Musikshow statt.

Die Stadt, einst Sitz des hohen Klerus des Österreichischen Kaiserreichs, besitzt einen Kaiserpalast, die Hofburg. Neben den Wohnräumen der Fürstbischöfe sollten Sie unbedingt die wunderschöne Sammlung von Weihnachtskrippen aus Tirol, Neapel und Sizilien besuchen. Eine der Krippen enthält mehr als 5000 Figuren. 

www.brixen.org
www.hofburg.it

 

Merano/Meran

Südliches Ambiente

Das eine Autostunde von Brixen entfernt gelegene Meran ist nach der Landeshauptstadt Bozen die zweitgrösste Stadt im Südtirol: eine charmante Thermalstadt, bunt und sonnig, mit schönen Häusern und Denkmälern im Jugendstil. Der grosse Weihnachtsmarkt (Foto)umfasst etwa sechzig Stände entlang des Flusses Etsch (italienisch Adige). Er eignet sich ideal, um an der Sonne etwas Kleines zu essen und ein Glas Sauvignon Blanc zu geniessen. An der Hauptstrasse mit ihren Arkaden befinden sich schöne Lebensmittelgeschäfte und Metzgereien sowie Bars, in denen Sie an der Theke einen Espresso trinken können. Am Stadtrand befindet sich die Meraner Pferderennbahn mit Tribünen im Stil des Rationalismus.

www.merano-suedtirol.it
 

 

Ortisei/St. Ulrich

Die Holzkönige

Das Grödnertal ist eines der fünf Täler – und das einzige in Südtirol –, in dem die ladinische Kultur noch lebendig ist. Es ist auch die Hochburg der Holzschnitzerei. Im alten Ortszentrum von St. Ulrich (Foto), wo sich der Markt befindet, zeigt die Galerie Art 52 die Werke zeitgenössischer Holzbildhauer. Unweit davon befindet sich das Museum Gherdëina, das Zentrum der ladinischen Kultur. Neben prächtigen Skulpturen (kirchlichen und weltlichen) und Spielzeug, die in den letzten vier Jahrhunderten im Tal hergestellt wurden, finden sich hier Kostüme, Gemälde, archäologische Funde und die Archivbestände des lokalen Alpinisten und Bergfilmers Luis Trenker (1892–1990).

www.museumgherdeina.it
www.art52.it

 

Chiusa/Klausen

Mittelalterlicher Spaziergang

Die kleine befestigte Stadt Klausen setzt auf mittelalterliche Kostüme und Animation, (Foto). Die Affinität zu Bio ist gut spürbar. Man isst Wildschweingulasch und Käse aus den Grödner Alpen. Auf dem Felsvorsprung über dem Dorf beherbergt die Benediktinerinnenabtei Säben noch heute eine Handvoll Ordensschwestern, die vom Kunsthandwerk leben. Zu Fuss erreicht man die Abtei in einer halben Stunde. Der Blick auf das Tal und die Barockkirche mit ihren Gemälden und Skulpturen ist lohnenswert.

www.klausen.it