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Mit Pferden in den Himmel

Im jurassischen Maison Rouge verbringen gegen 80 Pferde, Esel und Ponys ihren Lebensabend. Und sie freuen sich auf den Besuch von Menschen.

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Heiner H. Schmitt
29. Mai 2012
Erste, vorsichtige Annäherung. Eine uralte Verbindung: Mensch und Pferd. Schön, einfach nur schön: Freundschaft unter Pferden. Ach, wie wohl ists mir im Jura. Wer will daran zweifeln? Wildwest im rauhen Nordwesten der Schweiz. Do muess es Ross lache, respektive ein Esel.

Erste, vorsichtige Annäherung. Eine uralte Verbindung: Mensch und Pferd. Schön, einfach nur schön: Freundschaft unter Pferden. Ach, wie wohl ists mir im Jura. Wer will daran zweifeln? Wildwest im rauhen Nordwesten der Schweiz. Do muess es Ross lache, respektive ein Esel.

Eine uralte Verbindung: Mensch und Pferd.

Schön, einfach nur schön: Freundschaft unter Pferden.

Ach, wie wohl ists mir im Jura. Wer will daran zweifeln?

Wildwest im rauhen Nordwesten der Schweiz.

Wie soll man eine Geschichte beginnen, die Tausende von Jahren alt ist? Vielleicht so: Die sanftesten Lippen der Welt hat Iouchacas. Nur, dass Iouchacas ein Esel ist und die Lippen darum Nüstern heissen. Vorsichtig und behutsam nähert sich das Tier dem kleinen Jeremy, beschnuppert ihn, stösst ein leises Brrr aus und dann ist es gut: Jeremy ist akzeptiert, darf den Esel streicheln und bürsten. Wie gebannt hat eine ganze Gruppe Kinder zugeschaut, fasziniert und völlig ruhig. Dabei haben die Kleinen auf dem Weg zum Maison Rouge ausserhalb von Les Bois JU in den Freibergen herumgetobt, geschrien und gelacht. Das ist wirklich ein Phänomen, erklärt Beatrice Michel. Die Biologin ist zuständig für die Pferdehaltung auf diesem wunderbar gelegenen 58-Hektar-Betrieb der Stiftung für das Pferd. Die Menschen, die in unser Altersheim für Pferde kommen, lassen sich von der Ausgewogenheit der Rösser anstecken und werden oft ganz still.

Für viele der Besucher ist es sowieso das erste Mal, dass sie einem Pferd, einem Pony oder einem Esel näher kommen. Und weil das so ist, werden auf Maison Rouge auch Führungen angeboten. Während einer solchen Führung tauchen die Besucher in die Geschichte und die berührenden Geschichten der Pferde ein. Diese kommen aus den unterschiedlichsten Gründen ins Altersheim. Die einen haben ein gutes Leben lang gearbeitet und sind nun einfach müde; andere lernen erst hier im Jura, was ein gutes Leben ist. Sie wurden vorher ausgenutzt, vernachlässigt, geschlagen und oft buchstäblich im letzten Moment vor dem Metzger gerettet. Tiere, die es nicht gut hatten, brauchen sehr lange, bis sie wieder Vertrauen fassen, weiss Michel. Oft geht es Jahre, bis die seelischen Wunden verheilt sind.

Dabei ist dieses Tier in vielen Religionen ein heiliges Wesen. Ein germanisches Sprichwort besagt, dass sich die Menschen im Tode an einem Pferdeschwanz festhalten. Denn alleine würden sie nicht in den Himmel finden. Auf dem Rücken der Pferde hat der Mensch die Welt erobert, dank der Gutmütigkeit und der Kraft dieses Tiers die Äcker bestellt. All das erfahren die Besucher von Maison Rouge während der Führung und im kleinen Museum. Das ist im ehemaligen Ursulinen-Kloster gleichen Namens untergebracht. Zusammen mit Le Roselet und Jeanbrenin ist Maison Rouge der dritte Ort in den Freibergen, an dem die Stiftung für das Pferd den Rössern einen schönen Lebensabend bereitet (siehe Kasten). Derzeit betreut die Stiftung rund 170 Pferde, Esel und Ponys.

Tiere, die das Glück haben, hierherzukommen, werden zunächst an die Herde gewöhnt. Im Verlauf der Zeit bilden sich Beziehungen nicht nur zu den Betreuern, sondern auch unter den Pferden selber, sagt Michel und zeigt auf Aitmatov und Royan: Diese zwei haben sich hier gefunden und sind unzertrennlich. Und eine Aufgabe haben die alten Damen und Herren auch noch: Sie erziehen ein paar junge Freiberger, welche ebenfalls in Maison Rouge leben. Das Pferdealtersheim ist von Wander- und Bikewegen durchzogen. Es gibt ein kleines Restaurant und vor allem keinen Verkehr. Und so lässt sich ungestört beobachten, wie Pferde miteinander reden, wie sie Zärtlichkeiten austauschen und einander auch mal handfest die Meinung sagen.

Und wenn die Pferde von den weiten Juraweiden heimwärts traben, kommt man sich nicht wie in den Freibergen, sondern wie im Wilden Westen vor. Man kann auch ungestört in die Augen der Pferde schauen, und wer nach ein paar Stunden in Maison Rouge behauptet, sie hätten keine Seele

Region: Jura
Ort:Maison Rouge
Typ:Ausflug
Dauer:individuell
Natur: *****
Kultur: ** * * *
Abenteuer: *****
bewertet von Coopzeitung

Die Pferdeheime Le Roselet, Le Jeanbrenin und Maison Rouge gehören der privaten Stiftung für das Pferd. Diese lebt von Spenden, Legaten und Patenschaften. Interessierte können die Zeitung Stiftung für das Pferd und das Büchlein Kleine Pferde-geschichten abonnieren/bestellen. Die drei Heime sind das ganze Jahr über täglich geöffnet. Schulklassen und Gruppen können eine Führung buchen, welche rund eine Stunde dauert. In Maison Rouge wie in Le Roselet gibts auch ein Restaurant. Buchungen und weitere Infos: Tel. 0329591890 oder: www.philippos.ch