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Pilatussagen: Stören auf eigene Gefahr!

Eine Studentin ist den Mythen ihres Hausbergs auf den Grund gegangen. Auf einer geführten Wanderung geraten die Teilnehmer ins Staunen und manch einen fröstelt.

FOTOS
Rainer Eder
15. Juni 2015

Wer den Pilatussee stört, beschwört Unglück herauf.


Bericht

An den schroffen Pilatusfelsen reissen sich ein paar Wolken die Bäuche auf; rund um den Pilatussee recken verkrüppelte Föhren ihre Arme in die Höhe; irgendwo krächzt eine Alpendohle: Die Stimmung hier oben auf 1600 Metern schwankt zwischen schaurig und schön, und man glaubt Janine Heini (22) aufs Wort, wenn sie aus alter Zeit berichtet. Ihre Erzählungen haben Hand und Fuss etwa, wie Pontius Pilatus auf einem Dämon in Rossgestalt in den Pilatussee gebannt wurde. Ich habe meine Matu-raarbeit über die Mythen und Sagen meines Hausbergs geschrieben und dabei unzählige Stunden in Archiven und Bibliotheken verbracht. Dort ist die junge Frau auf die Geschichte mit Pontius Pilatus gestossen: Der Luzerner Universalgelehrte Moritz Kappeler hat sie 1767 schriftlich festgehalten. Damals war es den Menschen verboten, den See zu besuchen. Wurde Pontius Pilatus gestört, schickte er schwere Unwetter über die Stadt Luzern. Aus der Zeit von 1333 bis 1738 sind 27 verheerende Unwetter dokumentiert.

Janine Heini vor dem Hufabdruck des Pferdes von Pontius Pilatus.

Das Ross des Pilatus

Als ob das nicht schon Beweis genug wäre, hat sie zusammen mit ihrem Vater Kurt Heini (56) auch noch den in der Sage erwähnten Hufabdruck von Pilatus Pferd gesucht und gefunden. Wir legten rund um den See Felsbrocken frei und sind tatsächlich auf den Abdruck gestossen. In ihrer Maturaarbeit, die inzwischen als Buch erhältlich ist, geht Janine Heini auch auf andere Sagen ein. Da ist etwa das Dominikloch, eine grosse Felskluft mit einem Wächter davor. Man vermutete, dass in der Höhle ein Schatz von Gold und Silber verborgen sei. 1814 seilte sich ein Tiroler Gamsjäger ins Dominikloch ab. 400 Einheimische beobachteten das Spektakel von der Bründlenalp aus: Schätze kamen nicht zum Vorschein.

Die geführte Wanderung geht unter einer archaischen Felslandschaft vorbei. 

Drachendreck und Mondmilch

Während der Wanderführung durch die Pilatus-Welt erzählen Vater und Tochter Heini neben der Natur- und Kulturgeschichte des Berges auch die Sage mit dem Drachenstein. Ein fliegender Drache hatte 1421 diesen Brocken, der heute im Naturmuseum zu Luzern besichtigt werden kann, einem Bauern vor die Füsse ge äh, abgesondert. Dem Stein sprach man Heilkräfte gegen alle möglichen Krankheiten zu, ebenso wie der Mondmilch aus dem Mondmilchloch, welche der Universalgelehrte Conrad Gesner schon 1555 beschrieb. Sie ist aber nur eine Mischung aus Wasser und Kalziumkarbonat, der Drachenstein besteht aus gebranntem Ton. Sein Verbleib lässt sich übrigens bis heute verfolgen. Seit 1929 ist er in Staatsbesitz. Oder dann war da der Küfer, der einen Winter lang mit zwei Lindwürmern in einer Höhle gefangen war und sich im Frühling am Schwanz des einen Ungetiers aus dem Loch ziehen liess. Zum Dank für die Rettung liess er die ganze Begebenheit auf ein Messgewand sticken, das noch heute in der Hofkirche Leodegar zu Luzern zu sehen ist. Nun kann man von Sagen halten, was man will. Von den Teilnehmern der geführten Wanderung durch die archaische Welt des Pilatus warf aber keiner einen Stein oder Ast in den See: Man weiss ja nie!

Janine Heini: Pilatus eine sagenumwobene Natur- und Kulturgeschichte. 257 Seiten, Verlag pro Libro Luzern.

Sagenwanderung

Es geht bergab. Die von Janine und Kurt Heini geführten Bergwanderungen starten auf dem Pilatus und verlaufen tendenziell bergab. Die Wanderung, für welche Trittsicherheit erforderlich ist, dauert 6 bis 7 Stunden (reine Marschzeit ca. 4 h).

Die ersten finden am 16./17.Juli, 18./19. August und 15./16.September statt und sind mit einer Übernachtung auf dem Pilatus verbunden.

Weitere Daten, Infos und Preise