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Ein Tag in Davos

Die Vorzüge von Davos im Winter sind bekannt. Und in den schneefreien Monaten. Eine Erfahrung abseits von Skipisten, Spengler Cup und WEF.

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Alamy, zvg
25. September 2017

Nicht schön, aber attraktiv: Davos mit der Schatzalp im Hintergrund. Freizeitangebot für Gross und Klein: Der Davosersee. Ausspannen zum Beispiel im Wellnessbereich von Eau-là-là. Etwas für alle: Wandern auf der Schatzalp. Auch die höchstgelegene Bierbrauerei der Schweiz in Monstein gehört zu Davos. Biervision bietet Führungen an. Wilde Romantik: Das Sertigtal. Sanfte Landschaft: Das Dischmatal. Übersicht über die rechte Talseite. Übersicht über die linke Talseite.

Freizeitangebot für Gross und Klein: Der Davosersee.

Ausspannen zum Beispiel im Wellnessbereich von Eau-là-là.

Etwas für alle: Wandern auf der Schatzalp.

Auch die höchstgelegene Bierbrauerei der Schweiz in Monstein gehört zu Davos. Biervision bietet Führungen an.

Vielseitig

Hässlich. So lautet der spontane Kommentar vieler Unterländer zur Stadt Davos. Gemeint ist damit die Architektur, die so wenig mit jener Chalet-Romantik Zermatts, Gstaads oder Grindelwalds zu tun hat von kleineren Wintersportorten ganz abgesehen. Flachdächer dominieren das Bild der höchstgelegenen Stadt Europas. Der Grund für den öden Auftritt ist die klaren Bergluft auf 1560 Metern über Meer. Ende des 19. Jahrhunderts erkannte die Medizin die heilsame Wirkung der reizarmen Luft auf Tuberkulose-Patienten. Bis 1910 schossen 26 Sanatorien aus dem Boden, und sie sollten das Davoser Erscheinungsbild nachhaltig prägen. Denn sie wurden nach einheitlichem Muster erbaut: mit gegen hinten geneigten Flachdächern und sonnendurchfluteten, windgeschützten Balkonen. Alles zum Wohle der Patienten: Die Balkone ermöglichten eine optimale Erholung an der frischen Luft sorgten, während die Flachdächer verhinderten, dass die flanierenden Kurgäste nicht von Dachschneelawinen oder herunterfallenden Eiszapfen getroffen wurden.

So einfach erklärt sich das Bild, das sich jedem bietet, der sich von der Sonnenterrasse des Café Schneider oder des mit viel Liebe zum Detail eingerichteten Café Klatsch aus umsieht. Für einmal sind es also keine Bausünden aus den 1970er-Jahren, wie oft irrtümlich angenommen.

Gemütlicher Zauberberg

Etwas für alle: Wandern auf der Schatzalp.

Ein Sanatorium stand auch am Ursprung der berühmtesten literarischen Thematisierung von Davos. Thomas Mann verarbeitete seinen Aufenthalt im Sanatorium Schatzalp im Roman Zauberberg. Wer auf der Terrasse des heutigen Berghotels steht und auf das beruhigende Grün des Landwassertals hinabblickt, versteht erstens, warum Lucius Spengler hier im Jahr 1898 ein Sanatorium baute und zweitens, warum dieses Thomas Mann zu seinem Werk inspirierte. Heute kommen keine Tuberkulose-Patienten mehr auf die Schatzalp, sondern Wanderer, Familien und Senioren, welche die Gemütlichkeit des Slow Mountain geniessen wollen.

Denn die Schatzalp bildet den Gegenpol zur modernen Emsigkeit auf Parsenn, Jakobshorn und Rinerhorn, den drei grossen Davoser Bergen. In allen Jahreszeiten ist hier Entschleunigung Programm, im Sommer mit Rodelbahn und Wanderrouten aller Schwierigkeitsgrade, im Winter mit Naturschnee und Sesselliften, die ans letzte Jahrhundert erinnern. Rauf gehts per Standseilbahn in 4 Minuten alle 15 Minuten oder etwas gemächlicher zu Fuss, zum Beispiel über den Thomas-Mann-Weg. Diesen beschritt der deutsche Romancier jeweils, wenn er 1912 seine Frau Katia im tiefer gelegenen Waldsanatorium besuchte.

Neben Thomas Mann hat ein weiterer deutscher Künstler Deutscher sichtbare Spuren in Davos hinterlassen: der Maler Ernst Ludwig Kirchner. Sichtbar deshalb, weil heute an bester Lage über dem Kurpark das Kirchner-Museum thront. Der deutsche Expressionist kam erstmals vor 100 Jahren nach Davos und blieb im Kurort hängen. Noch bis Ende Oktober 2017 ehrt ihn das Museum mit einer Sonderausstellung zu seinem Jubiläum.

Nicht nur die Deutschen, sondern auch englischsprachige Prominente zeigten sich angetan von Davos. Der schottische Schriftsteller Robert Louis Stevenson etwa löste seine Schreibblockade im Bündnerland und beendete Die Schatzinsel mit Leichtigkeit. Sherlock-Holmes-Schöpfer Arthur Conan Doyle war mit seiner Begeisterung für Skitouren mitverantwortlich für den Ski-Boom in Davos. Und da wäre noch die Geschichte des Eishockey-Stars Joe Thornton, der während des NHL-Lockouts 2004/05 beim HC Davos spielte. In der Schweiz lernte er seine Tabea kennen, die er dann 2009, als er längst wieder im nordamerikanischen Rampenlicht seine Tore erzielte, im beschaulichen Davoser Sertigtal heiratete.

Urbanität trifft Natur

Nun ist es aber nicht so, dass Davos jahrein, jahraus auf der Glamour-Schiene fahren würde. Das mag während des World Economic Forum im Januar der Fall sein und auch während des Spengler Cups zum Jahresende. Dazwischen aber ist die Stadt Heimat für knapp 12000 feste Einwohnern und Destination für eine Riesenmasse an Touristen, von Rucksack bis Louis-Vuitton-Tasche, von Wanderschuh bis Lack-Pump. Rund 2 Millionen Logiernächte Sie alle kommen wegen dem Star der Davoser Landschaft: der Natur, wegen den Berggipfeln aber auch den Tälern dazwischen. Etwa das erwähnte Sertigtal, das mit einer wunderbaren Aussicht aufwartet und Ausgangspunkt bzw. Ziel so mancher Biketour oder Wanderung ist. Oder auch das Dischmatal; etwas weniger bekannt, aber nicht minder schön.

Ausspannen zum Beispiel im Wellnessbereich von Eau-là-là.

Wandermuffel oder Familien müssen nicht einmal so weit gehen. Der Davosersee vereint in den warmen Jahreszeiten die Interessen von Jung und Alt. Wem Spazieren und Bräteln zu langweilig ist, dem steht ein Strandbad und eine Pedalo-Vermietung zur Verfügung, im Sommer wechseln sich Wakeboarder, Kitesurfer und Segler ab. Gar noch bequemer ists im Zentrum, wo ein Sommer-Eisfeld und das moderne Hallenbad mit grosszügigem Wellness-Bereich an den gepflegten Kurpark grenzen. Urbanität trifft Natur, das ist wohl das Erfolgsgeheimnis von Davos. Daran kann nicht mal eine mässig attraktive Architektur etwas ändern.

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