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Ein Tag in Neuenburg

Durch die Altstadt Neuenburgs zu schlendern ist auch dann schön, wenn man in dunkle Aspekte der Vergangenheit eintaucht.

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Philipp Zinniker
20. November 2017

Die Altstadt Neuenburgs besticht durch Bauten in goldgelbem Sandstein. Katharina Steinegger mit den Chemieingenieuren vor David de Purys Denkmal. Auf den zentralen Platz Neuenburgs gibts nette Kaffees und am Samstag Markt. Typische Altstadtgasse. Vor dem Palais oder Hôtel du Peyrou mit prächtiger Gartenanlage. Latharina Steinegger und Mira Koch von der Entwicklungsorganisation Cooperaxion. Nochmals das Hôtel du Peyrou mit dem Wasserbecken im Garten. Die Brasserie le Cardinal mit ihren bunt bemalten Keramikfliessen.

Katharina Steinegger mit den Chemieingenieuren vor David de Purys Denkmal.

Auf den zentralen Platz Neuenburgs gibts nette Kaffees und am Samstag Markt.

Typische Altstadtgasse.

Vor dem Palais oder Hôtel du Peyrou mit prächtiger Gartenanlage.

Kontrastreich

Einblicke hinter die sonnigen Fassaden Neuenburgs verspricht die Stiftung Cooperaxion. Unser Stadtrundgang handelt von der Verwicklung reicher Neuenburger in den Sklavenhandel. Historikerin Katharina Steinegger (28) führt die Gruppe vom See stracks zum Denkmal von David de Pury (17091786). Der vor allem in Lissabon tätige Händler und Bankier hatte sein grosses Vermögen seiner Geburtsstadt vermacht, wodurch diese sich eine öffentliche Bibliothek, Schulen und ein schickes Sandstein-Rathaus leisten konnte. Kein Wunder, ist Neuenburgs Hauptplatz nach David de Pury benannt. Die fragwürdige Herkunft seines Geldes trübt das Image des Wohltäters erst, seit die Rolle der Schweiz im Dreieckshandel durchleuchtet wird.

Indiennes gegen Sklaven

Eloquent legt Katharina Steinegger dar, wie dieser profitable Handel funktionierte: In der Schweiz hergestellte Baumwollstoffe, ihrer Herkunft wegen Indiennes genannt, waren bei afrikanischen Königen sehr beliebt. Man tauschte sie gegen versklavte Afrikaner ein, die nach Süd- oder Nordamerika verschifft wurden. Den Ertrag aus dem Verkauf dieser Ware investierte man in Rohstoffe für Europa: in Zucker, Baumwolle oder Kaffee. Dass de Pury in diese Dreiecksgeschäfte involviert war, ist heute klar. Doch unter den Ingenieuren, welche die Führung im Rahmen ihrer Klassenzusammenkunft gebucht haben, flammen Diskussionen auf. Da gehe es sicher wieder um späte Kompensationszahlungen, meint einer kritisch, wie bei den Verdingkindern. Steinegger und ihre Cooperaxion-Kollegin Mira Koch (28) erklären, dass es nicht ums Anklagen gehe, sondern um Sensibilisierung. Eben hat sogar de Pury verständig vom Denkmal runtergeblinzelt, meint listig ein anderer Ingenieur und zwinkert seinen Schulkollegen zu.

Aufgeklärter Plantagenbesitzer

Weiter gehts durch die Altstadt mit der bedeckten Abwasserkanalisation, die ebenfalls de Pury zu verdanken ist. Beim Wohnhaus von Jacques-Louis de Pourtalès erfahren wir, dass dieser als Indiennes-Fabrikant ebenfalls am Dreiecksgeschäft beteiligt und sehr reich war und dass er 1808 ein nach ihm benanntes Armenspital gründete.

Noch reicher war Pierre-Alexandre du Peyrou, der 1747 nach Neuenburg zog. Sein Vermögen stammte aus Sklavenplantagen auf Surinam, die er von seinem Vater geerbt hatte. In seinem Palais du Peyrou endet die Führung. Hier, wo einst ausschweifend gefeiert wurde, kann heute im Restaurant auf Jean-Jacques Rousseau angestossen werden. Denn der grosse Aufklärer war einer der engsten Vertrauten des Hauses, Sklavenhalter Pierre-Alexandre du Peyrou gab seine Schriften 1788 als Erster heraus!

Erleben und geniessen

Die hier erwähnten Orte erreichen Sie gut zu Fuss ab Bahnhof. Am 17.März 2018 findet die nächste öffentliche Führung zu den schwarzen Geschäften Neuenburgs statt. Man kann für Gruppen aber auch Führungen buchen.

Anmeldung und Infos unter: www.cooperaxion.org

Restaurants: In der Altstadt befindet sich die Brasserie le Cardinal, bekannt für gutes Essen und die Keramikfliesen an den Wänden. Besonders schön ist das Bain de Dames, früher ein Frauenbad.

Museen: Das Centre Dürrenmatt, wo der berühmte Schweizer Autor lebte, und das archäologische Museum Laténium am See. Das Ethnographische Museum hoch über der Stadt wird nächsten Samstag nach langer Renovation wieder eröffnet.

Die Restaurants:
http://www.lecardinal-brasserie.ch/

http://www.lecardinal-brasserie.ch/

www.myswitzerland.com/de-ch/hotel-du-peyrou-le-restaurant.html


Museen

Centre Dürrenmatt: http://www.neuchateltourisme.ch/de/entdeckungen/museen/centre-durrenmatt-neuenburg.4738.html

Oder: www.cdn.ch

Archäologisches Museum Laténium in Hauterive bei Neuenburg.
http://www.neuchateltourisme.ch/de/entdeckungen/museen/latenium-hauterive.1132.html

Oder: www.latenium.ch

Ethnographisches Museum der Stadt Neuenburg: http://www.neuchateltourisme.ch/de/entdeckungen/museen/ethnographisches-museum-neuenburg.4739.html