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Foodtrail: Rätselhaftes T(h)un

Der Foodtrail verwandelt Thun in ein Schlaraffenland im Westentaschenformat: Man wandelt durch seine Gassen und die kulinarischen Köstlichkeiten fliegen einem zu. Wenigstens fast.

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Monique Wittwer
21. Mai 2018

Tanja, Dominique und Jürg betreten über die Obere Schleuse (hinten) die grösste künstliche Einkaufsinsel der Schweiz.


An den Genuss-Stationen gibts für ein Ticket eine regionale Köstlichkeit.

Tanja (22), ihr Freund Dominique (28) und ihr Vater Jürg (62) wollen ihre Heimatstadt Thun BE noch besser kennenlernen. Darum haben sie beschlossen, den hiesigen Foodtrail zu absolvieren dem verhangenen Himmel zum Trotz. Der Weg führt über sechs Etappen. An jedem Zwischenziel, Genuss-Station genannt, werden sie eine regionale kulinarische Spezialität erhalten, dazu ein Blatt mit der Beschreibung des nächsten Etappenziels und interessanten, witzigen und überraschenden Informationen über die Stadt.

Rätselhafte Belohnungen

Der Trail beginnt im Welcome Center im Bahnhof. Dort bezahlen die drei ihr Startgeld und erhalten dafür ein Startpaket: eine leuchtend grüne Leinentasche mit einer Flasche Mineralwasser für jeden, einen Stadtplan und ein Rätsel beziehungsweise deren zwei. Rätsel Nummer 1 gibt Hinweise darauf, wo sich die erste Genuss-Station befindet, Rätsel Nummer 2 deutet an, was sie als Belohnung erhalten werden.

Foodtrails gibt es heute in sechs Schweizer Städten, Thun eröffnete im letzten August. Geplant und eingeführt hat ihn Elsbeth Aebersold (58). Eine, die die Stadt aus dem Effeff kennt: Seit Jahrzehnten erklärt die Stadtführerin Krethi und Plethi alles, was es über Thun zu wissen gibt. Sie dachte sich die kniffligen Rätselfragen aus, plante die Route kreuz und quer durch die Stadt und wählte die Genuss-Stationen aus.

Wegputzen oder aufheben?

Jürg, Tanja und Dominique strecken kurz ihre Köpfe zusammen, dann huscht ein Lächeln über ihre Gesichter. Sie kennen die grösste künstliche Einkaufsinsel der Schweiz, die sie durchqueren sollen, um unter den Lauben ein kleines Fachgeschäft zu erreichen, in dem sie die erste kulinarische Spezialität erhalten sollen. Was es sein wird? Das Lebensmittel gehört heute auf den Sonntags-Frühstückstisch jeder Berner Familie und sieht dem, was früher ein Meitschi stolz auf dem Kopf trug, sehr ähnlich. Und los gehts.

Die drei nehmens gemütlich. Sie schlendern durch die Stadt von Genuss-Station zu Genuss-Station, sammeln kulinarische Köstlichkeiten und staunen über die interessanten Informationen; wie genau Thun zum Beispiel zu seinen europaweit fast einzigartigen Hochtrottoirs kam, wussten auch sie nicht im Detail. Und nach jeder Station stellen sie sich die Frage: Gleich verspeisen beziehungsweise trinken oder aufsparen? Das Trio übt sich in Selbstbeherrschung. Es plant ganz am Ende des Parcours ein Picknick, das sich gewaschen hat: ein Lunch mit sechs Gängen, sozusagen.

Ein Grüessech wirkt oft Wunder

Picknick am Ende der dreistündigen Stadtwanderung mit dem Schloss Thun im Hintergrund: zum Wohl!

Nebenbei: Dass es am Ende trotzdem nicht alle sechs Spezialitäten bis zum mittäglichen Picknick schaffen, spricht nicht gegen den eisernen Willen der drei Stadtwanderer, sondern für die Qualität der gluschtigen Angebote.

Nicht alle Besucher verfügen über die profunden Ortskenntnisse unseres Test-Trios. Was tun, wenn man nicht weiter weiss und orientierungslos in Thuns Häuserschluchten herumirrt? Für diesen Fall enthält das Startpaket ein Notfall-Couvert, beruhigt Elsbeth Aebersold. Darin sind alle Stopps mit Name, Adresse und Telefonnummer festgehalten. Das Couvert sollte man aber wirklich nur im Notfall öffnen, wenn man alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft hat, findet Aebersold. Andere Möglichkeiten? Jeder hat seine eigene Vorgehensweise: Kinder suchen, Erwachsene fragen und Jugendliche googeln, hat sie festgestellt. Und: Thunerinnen und Thuner sind auch sehr kommunikativ, verrät sie augenzwinkernd, man kann ganz gut mit ihnen reden. Vertrauensfördernd sei, das Gespräch mit einem freundlichen Grüessech zu eröffnen.

Drei Stunden nach dem Start am Bahnhof erreichen unsere drei Stadtgänger Posten Nummer 6. Zeit für den kulinarischen Abschluss. Unter einem Kastanienbaum richten sie ein improvisiertes Stehtischchen ein und prosten sich dies sei an dieser Stelle verraten mit einem Gläschen Thuner Weissem mit passendem Etikett zu.

Foodtrails

Wo? St.Gallen, Chur GR, Schaffhausen, Thun BE, Baden AG und Rapperswil-Jona SG.

Was? Die abgegebenen kulinarischen Köstlichkeiten sind regionale Spezialitäten und folglich von Ort zu Ort verschieden.

Wann? Die Startzeiten sind begrenzt, im Fall von Thun heisst dies: Dienstag bis Freitag, 9 bis 12.15 und 13.30 bis 15.30 Uhr, Samstag 10 bis 12 Uhr.

Preis: 49 Franken für Erwachsene, 30 Franken für Kinder, 140 Franken für Familien (2 Erwachsene und 2 Kinder).