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Kameltrekking im Berner Jura

Eine etwas spezielle Karawane bewegt sich hier durch die Landschaft. Was man kaum glauben möchte: Wir sind nicht in der Mongolei, sondern im Berner Jura.

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FOTOS
Peter Mosimann; Video: Sara Lo Frano
19. Februar 2018

Trampelpfad

Was haben mongolische Trampeltiere, Alpakas aus den Anden und Schwarzhals-Ziegen aus dem Wallis gemeinsam? Sie gehen im Berner Jura zusammen spazieren. Genauer: in Lamboing BE oberhalb des Bielersees. Und man kann sie mieten. Oder sagen wir: Man kann Ausflüge mit ihnen buchen. Der kleine Zoo Zahir im Bauerndorf Lamboing bietet Kameltrekkings mit Trampeltieren, Alpakas oder Ziegen an oder mit allen zusammen.

Miles (6) sitzt entspannt auf Samira, der 13-jährigen Trampeltierdame. Und er fühlt sich wohl. Das Aufstehen des riesigen Tieres hat er noch mit weit aufgerissenen Augen gemeistert, doch jetzt, da er fest im Sattel des Wüstenschiffes sitzt, entspannen sich seine Züge. Seine Mutter Claudia (40) hat ihm und seinem Bruder Gavin (9), der ein Alpaka an der Leine führt, diesen Ausflug geschenkt. Es ist für sie das erste Mal, dass sie mit solchen Tieren unterwegs sind, und die Aufregung war schon den ganzen Morgen riesig, erzählt Claudia.

Kamel in der Pubertät

Es ist ein Trekking-Ausflug, wie ihn Anita Hirschi (49) regelmässig in den Wäldern des Berner Juras um Lamboing durchführt. Rund 200 Mal pro Jahr rücken sie und ihr Partner Thomas Moser (57) aus und begleiten Familien, Firmen, Hochzeitsgesellschaften oder andere private Gruppen auf ein Kameltrekking. Samira und Taron, die beiden Trampeltiere, die man auf dieser Seite sieht, sind meistens dabei. Für viele ist es das Grösste, wenn sie mit einem Trampeltier unterwegs sein können, sagt die Besitzerin der beiden Tiere, Anita Hirschi. Ein Ausflug kostet rund 100 Franken für zwei Personen.

Mit einer Schulterhöhe von gut zwei Metern sind Trampeltiere grösser als die meisten Pferde. Und sie sind genügsam und friedlich. Zumindest Samira. Wenn Anita Hirschi ihr befiehlt, Samira down, legt sie sich brav auf den Boden, sodass die Reiter aufsteigen können. Ihr Kumpan, der vierjährige Taron, ist dagegen gerade in der Kamelpubertät, sagt Thomas Moser. Er ist noch nicht fertig zugeritten, dafür ziemlich frech und probiert aus, was bei seinem Meister drin liegt. Grenzen ausloten ist grad seine Lieblingsbeschäftigung, erklärt Moser. So wie das auch Pubertierende unserer Spezies machen.

Bis minus 50 Grad

Die kühlen Temperaturen, die derzeit auch im Berner Jura herrschen, machen den Tieren nichts aus. Die Trampeltiere sind ursprünglich in der Mongolei zu Hause. Im Winter sind sie dort Temperaturen bis minus 50 Grad Celsius gewohnt. Auch die Alpakas aus den Anden sind an die kalten Temperaturen angepasst. Alpakas und Trampeltiere gehören beide zur Familie der Kamele. Dort unterscheidet man Altweltkamele wie das zweihöckrige Trampeltier und das einhöckrige Dromedar sowie Neuweltkamele. Zu diesen gehören Lamas und Alpakas.

Neben Trampeltieren, Alpakas und Ziegen gehören zum Kleinzoo von Anita Hirschi viele weitere Tiere, darunter Frettchen, Lemuren, Streifenhörnchen, Hühner und sogar ein Luchs. Es sind alles Verzichtstiere, erklärt Anita Hirschi, also Tiere, die irgendwo überflüssig wurden. Sie nimmt sie auf und gibt ihnen ein Heim. Inzwischen sind es rund 200 Tiere. Die entwickeln auch einen ordentlichen Appetit. 3000 Franken betragen allein die Futterkosten pro Monat. Und da wir auch viele alte Tiere übernehmen, fällt noch die eine oder andere Tierarztrechnung an, sagt die gelernte Tierpflegerin. Dazu kommen die Löhne der vier Lernenden, die sie bei der Betreuung der Tiere unterstützen. Den Grossteil dieser Kosten tragen wir aus unserem eigenen Sack, sagt Anita Hirschi. Bis jetzt waren sie und ihr Partner beide voll berufstätig im Aussendienst. Der Zusatzverdienst, den sie mit dem Trekking erzielt, ist eine willkommene Entlastung des Budgets des Kleinzoos. Ansonsten ist Sparen angesagt. Viele Baumaterialien sammelt Anita Hirschi bei Abbruchobjekten zusammen: So war das Netz am Aussengehege der Lemuren einst das Hintertornetz im alten Bieler Eishockey-Stadion.

Wie war es nun, mit den Kamelen? Cool, findet Miles. Total lässig, lautet das Urteil von Gavin. Und Mutter Claudia findet: Die sind so süss mit ihrem wuscheligen Pelz.

Unterwegs mit Tieren

Fast die Hälfte der Schweizerinnen und Schweizer wandert regelmässig. In der Altersgruppe der unter 29-Jährigen sieht es indes anders aus. Da ist es noch ein knappes Viertel, das Wandern zu den Hobbys zählt. Bei den 10-Jährigen das weist die Statistik leider nicht aus dürfte Wandern gänzlich durchfallen. Wie also motiviert man das Jungvolk? Mit Tieren zum Beispiel. Wer keinen eigenen Hund hat, kann das mit Kamelen machen, wie in unserer Reportage. Oder mit anderen Tieren.

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