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Ausflugstipp

Creux du Van: Naturwunder der Schweiz

Ein Besuch im ältesten Naturschutzgebiet der Schweiz beinhaltet unberührte Landschaften, Gastfreundschaft und im Mittelpunkt der einmalige Felsenzirkus Creux du Van.

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Lukas Bieri
27. Juni 2019

Als sei er nicht von dieser Welt: der Creux du Van.

STECKBRIEF

Creux du Van

Per Auto und Bike: von Bevaix, Couvet oder Travers. 
Zu Fuss: von Noiraigue. Die Wanderzeit beträgt je gute vier Stunden. 

Am Bahnhof von Noiraigue gibt es nützliche Informationen zum ganzen Gebiet. Das Val de Travers bietet neben dem Creux du Van noch ein weiteres Naturschauspiel: die Areuse-Schlucht. Man kann die Gegend alleine erforschen, doch eine Führung lohnt sich.

Ein weiteres Wunder der Natur in unmittelbarer Nähe ist die Schlucht der Areuse zwischen Noiraigue und Boudry. Ein kühn angelegter Wanderpfad über unzählige Treppenstufen und Brücken ermöglicht tiefe Einblicke in dieses Naturspektakel.

Mehr Informationen von Schweiz Tourismus.

Ein bisschen unheimlich ist es schon: Unter uns scheint ein riesiger Kochtopf immer neue Dampfschwaden zu produzieren, von irgendwoher tönt das laute Muhen einer Kuh, verkrüppelte Föhren recken ihre Äste Hilfe suchend in den unsichtbaren Himmel. Der Kochtopf heisst Creux du Van, die Dampfschwaden sind Nebelbänke, die von der Bise angetrieben werden. Und die Kuh war, wie sich bald herausstellen wird, auf der Suche nach ihrem Kalb.

Denn auf einmal stehen wir in der Mittagssonne, das Unheimliche macht einer Aussicht vom Tödi bis zum Mont Blanc Platz, und wir sehen uns von einer Herde Angus-Kühen umringt. Das ist nur eine von vielen Stimmungen hier, sagt Christine Domon (65). Sie muss es wissen, denn sie führt seit Jahrzehnten Menschen aus aller Herren Ländern zum Creux du Van oberhalb des Val de Travers. Jetzt, wo man den 1200 Meter breiten und bis zu 500 Meter tiefen Felsenkessel in seiner ganzen Mächtigkeit und Pracht sieht, kann man die Faszination der Besucher verstehen.

Anfangen tut das Erlebnis Creux du Van eigentlich schon kurz nach Neuenburg mit der Einfahrt durchs sogenannte Burgunderloch ins Val de Travers. Dörfchen mit breitdächrigen Jurahäusern und Namen wie Brot-Dessous verlieren sich in den bewaldeten Felsen. Dann zeigt der Creux von Weitem zum ersten Mal sein steinernes Antlitz: abweisend und verlockend zugleich. Auf dem Weg durchs Val de Travers trifft man immer wieder auf Zeichen der Grünen Fee, des berühmtberüchtigten Absinths: ein uraltes Trocknungshaus für die Kräuter, die ehemals verbotenen Destillen und die jetzt erlaubten Brennereien.

Viele Wege führen auf den Berg (siehe Box). Wir wählen die Fahrstrasse über Couvet und landen natürlich nur des Nebels wegen! zuerst einmal in der Métairie Le Soliat, einer Art Alpbeiz, von der es rund um den Creux du Van mehrere gibt. Le Soliat ist ein Schlaraffenland, in dem die Würste von der Decke hängen und ein offenes Holzfeuer brennt. Weil es hier oben keine Quellen gibt und der Regen im Kalk sofort verschwindet, müssen Le Soliat und auch das Vieh mit Wasser aus dem Tal versorgt werden. Von Le Soliat bis zum Rand des Creux du Van ist es dann nur noch ein Katzensprung. Der Felsenzirkus ist ein Vermächtnis der Gletscher an Steinböcke und Gämsen, Auerhahn, Luchs und Bären (den letzten hat man Ende des 19.Jahrhunderts geschossen). Heute ist das allererste Naturschutzgebiet (1870) der Schweiz ein Jagdbanngebiet. Hier ist auch die einzige Alpenseglerkolonie des Juras daheim. Die Sonne macht träge und so rasten wir denn am von schönen Trockenmauern eingefassten Kraterrand. Wir schauen den Steinböcken zu und den Schönwetterwolken nach, die gen Osten ziehen. Doch allzu träumerisch sollte man hier oben doch nicht werden. Denn dann geht es anstatt geradeaus plötzlich und steil sLoch ab.