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Reportage

Greife im Anflug

Der Greifvogelpark in Buchs SG ist einzigartig in der Schweiz. 75 Greifvogel-, Falken- und Eulenarten leben hier. Zum Teil wahre Filmstars.

FOTOS
Christoph Kaminski
19. Mai 2019

Der zwölfjährige Wüstenhabicht Juanita ist einer der Stars der Flugshow des Greifvogelparks.

Wettbewerb

Familientickets für den Greifvogelpark zu gewinnen

Wir verlosen 10 Familientickets für den Greifvogelpark in Buchs SG. 

Die Filme «Die Geierwally» und «Räuberinnen», die Skinationalmannschaft, Switzerland’s Next Topmodel, der Sänger Seven und Firmen wie die Swisscom – sie alle haben eines gemeinsam: In ihnen beziehungsweise in ihren Video- Clips spielen Greifvögel, Falken oder Eulen eine zentrale Rolle; und all diese Tiere sind im Greifvogelpark Buchs SG zu Hause, trainiert von Lucien (65) und Zora (59) Nigg, den Besitzern des Parks.

«Schon als kleiner Bub hatte ich einen Traum: Ich wollte mal einen eigenen Zoo», erzählt Lucien Nigg. Mit der Einweihung des Greifvogelparks 2001 erfüllte er sich diesen Traum. Er, der auf einer Hühnerfarm aufgewachsen war und früh entdeckte, dass er mit Tieren umgehen konnte. Er, der ausgebildete Kaminfegermeister und bis heute Eigentümer eines Kaminfegergeschäfts. Drei Jahre hatte er in die Planung des Parks investiert: in die Umzonung des Landes in eine spezielle Parkzone, in den Erhalt von Bewilligungen aller Art, in die Sicherung der Finanzierung, die ausschliesslich aus privaten Mitteln erfolgt.

Zoo mit Kunstfluggruppe

Greifvogelpark Buchs

Gut zu wissen

Öffnungszeiten: bis Ende Oktober jeweils Mittwoch bis Sonntag, im Winter Freitag bis Sonntag.

Flugshows: während der Sommersaison jeweils Samstag und Sonntag um 15 Uhr, unter der Woche auf Voranmeldung für Gruppen.

Parkführungen: unter fachkundiger Führung (kostenpflichtig) auf Voranmeldung.

Anreise: mit Auto oder Bahn bis Bahnhof Buchs SG und von dort mit Bus bis Haltestelle Flösweg oder Röllweg.

Eintritt: 12/8 Franken ohne, 20/13 Franken mit Flugshow.

Der Zoo liegt etwas ausserhalb des 13 000-Seelen-Städtchens Buchs, ist rund 10 000 Quadratmeter gross und das Zuhause von 75 Vogelarten aus der ganzen Welt, ausschliesslich Greifvögel, Falken und Eulen. 190 erwachsene Tiere leben hier. «Darunter gibt es auch eigentliche Stars, die beim Publikum speziell beliebt sind», erzählt Zora Nigg: Weisskopfseeadler Jocho (12) etwa, Andenkondor Ikarus (8), Steinadler Terzi (4) oder Uhu Carlos (5). Alle sind sie Teil der 33 Tiere umfassenden Kunstfluggruppe, die jeweils am Wochenende das Publikum mit ihrer Flugshow fasziniert – und eben in Filmen auftritt.

Neben den ausländischen Stars geben sich die einheimischen Arten dieser Vogelordnungen ein fast vollständiges Stelldichein: Steinadler, Wald- und Steinkauz, Schleier-, Waldohr-, Zwergeule und Uhu, Schwarz- und Rotmilan, Mäusebussard, Wander-, Baum- und Turmfalke usw. – alle präsentieren sie sich in Niggs Greifvogelpark. Einen grossen Abwesenden gibt es allerdings: der Bartgeier. Der grösste Vogel im Schweizer Luftraum steht praktisch nie zum Kauf. «Erst einmal wurde einer angeboten», erzählt Zora Nigg, «und der kostete 20 000 Franken.»

Zora und Lucien Nigg präsentieren den Uhu Carlos und Steinadler Terzi.

Viele Vogelarten sind weltweit bedroht, was für Lucien Nigg aber kein Argument gegen deren Haltung in Gefangenschaft ist. Im Gegenteil. «Zum einen wurden unsere Vögel nicht der Natur entnommen, sondern sind unter menschlicher Aufsicht geschlüpft», erklärt er. «Zum andern nehmen wir an europäischen Zuchtprogrammen teil, die den Erhalt vieler bedrohter Arten zum Ziel haben.» Auch den Einwand, dass die majestätischen Greifvögel einen natürlichen Bewegungsdrang hätten, den sie in Gefangenschaft nicht ausleben können, lässt er nicht gelten.

«Dass die frei lebenden Vögel in der Luft die grosse Freiheit geniessen wollen, ist eine menschliche Sichtweise.»

Lucien Nigg (65)

«Dass die frei lebenden Vögel in der Luft die grosse Freiheit geniessen wollen, ist eine menschliche Sichtweise», behauptet er. Die Wahrheit sei: «Die Tiere fliegen nur, wenn sie jagen müssen. 80 bis 95 Prozent der Zeit ruhen sie auf einem Baum und sparen Kraft.»

Futter: nur vom Feinsten

Jagen müssen sie im Park wahrlich nicht. Dafür decken Zora und Lucien Nigg den Tisch zu reichhaltig. 19,8 Tonnen Fleisch – die hier wohnenden Vögel sind ausschliesslich Fleischfresser – verfütterten sie ihren Tieren im letzten Jahr. «Nur vom Feinsten», sagt Lucien: Kuhfleisch, Poulets, Ratten, Fisch aus dem Bodensee, Fallwild. Schlachtabfälle sind tabu, Lebendfutter verboten.

Uhu Carlos, auch er Mitglied der Kunstfluggruppe des Greifvogelparks.

Den Augen von Steinadler Terzi entgeht nichts.

Die Auflagen für die Haltung von Wildtieren sind streng und mit dem neuen Tierschutzgesetz 2008 noch einmal verschärft worden. «Und das ist gut so», sagt Nigg. Das Gehege der Andenkondore etwa – bis zu 15 Kilogramm schwer und eine Spannweite von rund drei Metern – müsse 240 Kubikmeter gross sein, Niggs bieten ihren Vögeln 400. Als Beweis dafür, dass es den Vögeln wohl ist, verweisen sie auf ihre Bruterfolge. Die Riesenseeadler beispielsweise brüten jedes Jahr, viele andere auch. Nur dem Steinadlerpaar war es bis jetzt noch nicht so richtig ums Vermehren. «Eine Frage der Zeit», sagt Nigg. Zuversichtlich wie immer.