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Mit dem E-Bike in die Bergen

Das Tessin war bis jetzt nur etwas für durchtrainierte Biker. Zu steil ist das Gelände oftmals, zu viele Höhenmeter. Doch jetzt erobern die E-Bikes die Berge. Darauf setzt zum Beispiel Lugano.

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Alex Buschor, Thomas Compagno
21. Oktober 2019
Auf den Trails um Lugano: Mountainbike-Profi Nino Schurter (vorne) trainiert oft hier. Unser Reporter Thomas Compagno (hinten) trainiert nicht so oft.

Auf den Trails um Lugano: Mountainbike-Profi Nino Schurter (vorne) trainiert oft hier. Unser Reporter Thomas Compagno (hinten) trainiert nicht so oft.

Dass es im Tessin abwechslungsreiche Bikerouten gibt, ist für Nino Schurter (33), Schweizer Olympiasieger und achtfacher Weltmeister im Mountainbike-Sport, keine Überraschung. Der Dominator der Szene aus Chur GR fährt häufig in die sonnigeren Südalpen. «Wenn bei uns schlechtes Wetter ist, gehe ich ins Tessin zum Trainieren», sagt Schurter. Nicht selten nach Lugano. «Im südlichen Tessin liegt selten Schnee, sodass ich auch während der Wintermonate in der Natur fahren kann.» Die Regionen Lugano und Malcantone verfügen über 370 Kilometer signalisierte und gut unterhaltene Biketrails, natürlich auch für Nicht-Weltmeister. 

Schurter führt eine Gruppe Journalisten von der Capanna Monte Bar hinunter nach Tesserete. Die Capanna liegt an der Lugano Bike 66, dem Kernstück der Bikeregion Lugano. Benannt ist die Tour in Anlehnung an die historische Route 66 in den USA, die auf 3940 Kilometern von Chicago nach Los Angeles führt. Die Luganeser Route 66 ist zwar kürzer als ihr historisches Vorbild, aber durchaus herausfordernd: eine 120 Kilometer lange Tour um Lugano, die unter anderem auf den Monte Bar und den Monte Tamaro führt. Wir fahren ein kurzes Stück entgegen der ausgeschilderten Richtung und nehmen dann den Singletrail 358 hinunter zur Alpe di Rompiago. Singletrails sind schmale Pfade für Biker. Auf der nicht ganz einfachen Abfahrt passieren wir exponierte Stellen und holprige Passagen. Schurter sehe ich natürlich erst unten wieder, er  war etwas zügig unterwegs. Bei Motto della Croce treffen wir wieder auf die Hauptroute, die Lugano Bike 66.  

Diese hat es in sich. Total sind über 4000 Höhenmeter zu bewältigen. Es empfiehlt sich, die Tour in Tagesetappen aufzuteilen. Bikefreundliche Hotels bieten alle nötigen Annehmlichkeiten. «Unter anderem gibt es immer einen Bikeraum, und man kann am Abreisetag auf Wunsch noch duschen», erklärt Daniela Gugliotta Bagaian (48), Marketingleiterin von Lugano Region.

Blick von der Vicania-Biketour am Monte San Salvatore auf Ponte Tresa.

Am besten kennt Patrick Steib (49) die Bikerouten in und um Lugano. Der  MTB-Product-Manager bei Lugano Region hat viele der Routen und Singletrails konzipiert. Dafür war vor allem Überzeugungsarbeit notwendig: «Die Biker nutzen das Wandernetz. Das setzt Verständnis auf beiden Seiten und viel Rücksicht bei den Bikern voraus», sagt Steib. Das funktioniere sehr gut. «Die Biker haben kein Interesse daran, dass ihre attraktivsten Enduro-Strecken mit einem Fahrverbot belegt werden.»

Biken für Normalos

Es geht auch etwas weniger anspruchsvoll. Eine schöne eintägige Route finden Biker zum Beispiel in der Vicania-Tour. Sie startet oberhalb von Lugano Richtung Monte San Salvatore. Die Strecke mit der Nummer 351 ist abwechslungsreich und technisch gut machbar. Unterwegs passiert man die Kirche Torrello, später die Wallfahrtskirche Santuario Madonna D’Ongero, die mitten im Wald ihr stilles Leben geniesst. In Carona lohnt sich ein Augenschein im Parco San Grato. Auf 20 Hektaren gedeiht dort die grösste Sammlung an Azaleen, Rhododendren und Nadelbäumen zwischen Poebene und Alpen. Der Park (freier Eintritt) ist das ganze Jahr über geöffnet. «Das trifft auch auf unsere Biketrails zu», betont Steib. «Hier gibt es selten Schnee. Deshalb sind unsere Bikerouten fast das ganze Jahr über befahrbar.»

Vom Parco San Grato erreicht man in rund 20 Minuten die Alpe Vicania, wo das gleichnamige Restaurant mit lokal und regional produzierten Spezialitäten aufwartet. Der Rückweg führt entweder via Carabbia nach Lugano oder über Morcote. Ein Schiff bringt die Biker von dort zurück nach Lugano. 

15 Kilometer höchste Konzentration

Zurück auf die Lugano Bike 66. Schurter braucht auf den Luganeser Bikestrecken kein Schiff. Höchstens gute Bremsen. Zu den attraktiven Enduro-Strecken, über die er nun führt, zählt der Abschnitt zwischen Motto della Croce und Tesserete. In praktisch einem Zug geht es fast 1000 Höhenmeter hinunter: 15 Kilometer höchste Konzentration, aber gut machbar. Natürlich kann man auf der Lugano Bike 66 auch einzelne Tagesetappen machen. Man muss aber gut planen. Der Velotransport mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, vor allem dem Bus, ist im Tessin noch verbesserungsfähig. ○Blick von der Vicania-Biketour am Monte San Salvatore auf Ponte Tresa.

Bike-Trails Lugano

Rund um Lugano finden Biker zahlreiche Touren.

Rund um Lugano finden Biker zahlreiche Touren. Zum Beispiel:

Lugano-Bike Nr. 66
Distanz: 120 km
Zeit: 16 h
Höhenmeter: 4200
Technik: schwer
Kondition: schwer

Vicania-Bike Nr. 351
Distanz: 25 km
Zeit: 3 h 40 min
Höhenmeter: 850
Technik: mittel
Kondition: mittel

 

Weitere Informationen hier: https://www.luganoregion.com/de/sehen-und-erleben/sport-und-freizeit/sport/mountain-bike