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In fünf Stunden um den Hallwilersee

Eigentlich ist der Hallwilersee ja ein Spaziersee: Der Uferweg ist nicht wirklich anstrengend und führt fast durchwegs direkt dem See entlang. Wenn man allerdings um den ganzen See herumgeht, wirds schon eine richtige Wanderung.

FOTOS
Andrea Meier
25. November 2019

STECKBRIEF

Wanderung Hallwilersee

An-/Abreise: mit der Bahn nach Mosen LU, Rückfahrt ebenfalls ab Mosen oder mit dem Bus ab Tennwil AG oder Meisterschwanden AG.
Schwierigkeit: leicht
Technik: 1 von 5
Kondition: 3 von 5
Strecke: 21 km
Dauer: 5 h 15 m
Aufstieg: 230 m
Abstieg: 230 m

22 Kilometer sind es, wenn man den Hallwilersee ganz umrundet, eine Halbmarathondistanz. Die wird auch jeden Oktober von Tausenden von Läuferinnen und Läufern beim Hallwilerseelauf absolviert. Filmemacherin Andrea Meier (49) und ich absolvieren sie jetzt, im November. Und mit leichten Wander-, nicht mit Turnschuhen. Wir starten im Mosen LU, am südlichen Ende, und wandern auf der Westseite des Sees via Beinwil AG, Birrwil AG und Boniswil AG nach Norden. Aber das ist eigentlich egal. Vom Seeuferweg hat man stets Anschluss an den öffentlichen Verkehr. Man kann die Umrundung überall starten und überall abbrechen, wenn man keine Lust mehr hat.

Ausflug in die Vergangenheit

Es gibt so viel, was die Wanderung um den Hallwilersee lohnenswert macht: Das Gehen im flachen Gelände ist weitgehend entspannt und braucht nur wenig Anstrengung, der mit Laub bedeckte Boden dämpft die Schritte wie ein Turnhallenboden, und weil der Uferweg unverbaut ist, marschiert man fast durchwegs dem See entlang. Zudem: Eine Wanderung rund um den Hallwilersee ist auch ein spannender Ausflug in die Vergangenheit. Wir kommen am nördlichen Ende zuerst beim Schloss Hallwyl vorbei (das im Winter jedoch geschlossen ist) und kurz darauf beim Nachbau eines Pfahlbauhauses.

Dort zeigt sich, dass der See- uferweg nur heute, in moderner Zeit, unverbaut ist. Früher, in der Jungsteinzeit vor etwa 6000 Jahren, war das anders. Damals bauten die Menschen ihre Häuser aus mehreren Gründen nur in Ufernähe, er- klärt Max Zurbuchen (76), den wir im aargauischen Seengen bei der Nachkonstruktion eines Pfahlbauhauses treffen. Der Archäologe und Prähistoriker ist der Leiter der «Steinzeitwerkstatt» Boniswil am Hallwilersee und ein profunder Kenner der Jungsteinzeit. Das Hinterland, wo heute Landwirtschaftsflächen sind und Dörfer wie Seengen, Meisterschwanden AG oder Aesch LU liegen, sei damals ein dichter Urwald gewesen. «Diesen zu roden, war sehr anstrengend. In Ufernähe kamen die Menschen viel leichter zu Ackerland.» Zudem eigneten sich die weichen Böden besser für ihre Häuser. Sie konnten die Stützhölzer, die den Häusern die Stabilität gaben, leichter in den Boden rammen.

Schloss Hallwyl ist eines der bedeutendsten Wasserschlösser der Schweiz.

Zurbuchen war es, der das Pfahlbauhaus in Seengen vor 30 Jahren initiierte. Es wurde wie vor 6000 Jahren auf dem sumpfigen Ufergebiet des Hallwilersees gebaut. Dieser Sumpf und die gelegentlichen Hochwasser fordern nun ihren Tribut: Das Haus ist so weit zerfallen, dass man es nicht mehr betreten darf. Es neigt sich zur Seite und ist rund einen Meter eingesunken. Was nach wie vor hält, ist das etwa 4,5 Tonnen schwere Schilfdach. Dennoch muss das Pfahlbauhaus im Frühling abgebaut werden.

Fehlt heute das Know-how, um diese Häuser richtig zu bauen? «Nein», sagt Zurbuchen. Man wisse von Ausgrabungen, dass diese Häuser auch früher nicht dauerhafter gebaut und nach 15 bis 17 Jahren verlassen worden seien. «Die Menschen sind ein paar Meter weitergezogen und haben ein neues Haus gebaut.» So gesehen habe die Rekonstruktion von Seengen lange gehalten. Die Kantonsarchäologie sucht derzeit einen Standort für ein neues Pfahlbauhaus.

Wir beenden unseren Ausflug in die Vergangenheit und setzen die Wanderung auf der Ostseite des Sees nach Süden fort. Der Weg führt auch hier immer dem See entlang. Vorbei an Tennwil AG, Meisterschwanden und Aesch erreichen wir nach gut fünf Stunden wieder den Bahnhof von Mosen. Wer die Wanderung abkürzen möchte, kann in Tennwil oder Meisterschwanden den Bus nehmen. Im Sommer attraktiv ist zum Beispiel die Abkürzung von Meisterschwanden per Schiff nach Mosen. Von Ende Oktober bis Anfang April verkehren auf dem Hallwilersee keine Schiffe. 

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