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Wandern

Sonne, Schnee und Spuren

Winterwandern steht hoch im Kurs, und zwar nicht mangels Alternativen, weil zu wenig Schnee zum Skifahren liegt. Im Gegenteil: Es macht mit viel Schnee erst richtig Spass.

FOTOS
Andrea Meier
28. Januar 2019

STECKBRIEF

Motta Naluns–Ftan

An-/Abreise: mit Zug und Seilbahn via Scuol-Tarasp nach Motta Naluns. Zurück mit dem Bus ab Ftan nach Scuol-Tarasp.
Schwierigkeit: einfach
Technik: 1 von 5
Kondition: 1 von 5
Strecke: 5,5 km
Dauer: 1 Std. 30 Min.
Aufstieg: 20 m
Abstieg: 530 m

Wer Engadin hört, denkt – zumindest ausserhalb Graubündens – meist zuerst an St. Moritz. Doch das Engadin ist grösser. Winterwanderer finden auch im Unterengadin ein immer ausgedehnteres Netz an Wegen vor. Von Motta Naluns, oberhalb von Scuol, kann man unter drei Routen auswählen. Wir, die Filmemacherin Andrea Meier und ich, haben uns für den Panoramaweg über Prui nach Ftan entschieden. Etwas mehr als fünf Kilometer lang und in eineinhalb Stunden Marschzeit gut zu bewältigen. Der Entscheid hat ganz pragmatische Gründe: Der Weg  nach Osten Richtung Sent, er wäre mit acht Kilometern Länge und vier Stunden Marschzeit die längere Wanderung gewesen, war vor einer Woche wegen Lawinengefahr gesperrt.

So haben wir uns auf den familienfreundlichen Panoramaweg begeben, der heute Flurinaweg heisst. Benannt ist er nach dem Kinderbuch «Flurina und das Wildvöglein», von Alois Carigiet illustriert und von Selina Chönz geschrieben. Tafeln mit Texten und Carigiet-Bildern aus dem Buch erzählen die Geschichte von Flurina zwischen Prui und Motta Naluns. Wir geben uns der Schönheit der Landschaft im Unterengadin hin, die sich vor uns ausbreitet. Unter den Schuhsohlen knirscht der Schnee, von oben scheint die Sonne und vor uns liegt der akkurat präparierte Winterwanderweg. Genuss pur.

500 PS machens möglich

Zu verdanken haben wir Wanderer diesen Weg Pistenfahrzeug-Fahrern wie Stefan Vonlanthen (38). Sie ebnen nicht nur die Pisten für die Skifahrer, sondern jeden Tag auch die Winterwanderwege. Das heisst: Nicht jeden Tag, sondern jede Nacht. Vonlanthen ist Chefmaschinist der Bergbahnen Scuol und hat uns am Vorabend auf seine Tour mitgenommen. In seinem über 500 PS starken Pistenfahrzeug sind wir von Motta Naluns Richtung Sent mitgefahren. «Eigentlich brauchten wir diese Verbindung früher nur, um die Piste nach Sent zu präparieren», erklärt Vonlanthen. Dass dadurch einer der längsten Winterwanderwege des Unterengadins entstanden ist, ist also mehr Zufall. Heute wird der Weg nicht mehr zufällig, sondern ganz bewusst präpariert – so wie auch die anderen Wege. Winterwanderer, die früh unterwegs sind, finden ebenso schön geriffelte Wege vor wie die Frühaufsteher unter den Skifahrern. 

 Frisch präpariert und nicht nur zum Wandern geeignet: der Winterwanderweg zwischen Motta Naluns und Prui.

Blick auf Ftan. 

Vonlanthens Arbeitstag wird heute um etwa 2 Uhr in der Früh enden. Bis dann sind die Pisten wieder präpariert, damit die Skifahrer (und Wanderer) am Morgen gute Verhältnisse antreffen. Familienfreundlich ist das vielleicht nicht, aber Familienvater Vonlanthen hat sich mit der Situation arrangiert: «Ich bin dafür tagsüber mehr zu Hause bei meinen Kindern.»

Exklusivangebot

Spezial-Tageskarten bei Coop

Bei Coop und Interdiscount gibts noch bis 17. Februar die Spezial-Tageskarte des öffentlichen Verkehrs für 49 Franken. Sie bietet einen Tag lang freie Fahrt in der 2. Klasse auf allen Strecken der SBB, der meisten Privatbahnen, Postauto- und Schiffslinien sowie auf den ÖV-Netzen in vielen Schweizer Städten. Diese Tageskarte kann bis 17. März eingelöst werden. Sie ist ohne zeitliche Einschränkungen gültig und kann mit der Junioren-Karte und der Kinder-Mitfahrkarte kombiniert werden. Zudem ermöglicht sie den Bezug ermässigter Freizeitleistungen von Rail Away. Als Zusatzangebot erhalten Sie einen Bon über 25 Franken auf ein Halbtax-Abo (gültig für Neukunden). 
 Weitere Informationen hier: https://www.coop.ch/tageskarte

Doch zurück zum Winterwandern. Unser Weg führt von Motta Naluns zuerst nach Prui, der Station oberhalb von Ftan. Auf der anderen Talseite blicken wir in die Unterengadiner Seitentäler, das Val S-charl, das Val Plavna und das Val Sampuoir. Zwischen Motta Naluns und Prui sind wir abseits der Pisten und haben die weisse Schneedecke, die nur das Muster von ein paar Tierspuren trägt, für uns allein. Das Gehen auf dem Winterwanderweg ist angenehm, immer leicht abgefedert durch den Schnee. Der Flurinaweg trägt das Seine zu einem ausgelassenen Nachmittag bei, man wird wieder ein wenig Kind; zumindest so sehr, dass es Filmemacherin Andrea zu einer Schneeballschlacht animiert. Etwas feucht im Nacken erreichen wir schliesslich Prui.

Viele Spuren im Schnee

Bei der Station Prui könnten wir Schlitten mieten und damit auf der Schlittelbahn ins Tal fahren. Doch uns ist nach Wandern zumute, schliesslich sind wir noch keine Stunde unterwegs. So folgen wir dem Weg weiter, der talwärts Richtung Ftan führt. In Serpentinen gehen wir der Piste entlang und kommen durch die typischen Lärchenwälder. Am Wegrand entdecken wir Tierspuren von Hirsch, Reh und Hase und die in den Tiefschnee gezeichneten Herzen von Verliebten, die hier vorbeigekommen sind. Die Sonne, die uns jetzt ins Gesicht scheint, taucht die Landschaft in ein bezauberndes Licht. 

Wer wie wir in Ftan ein paar Minuten auf den Bus nach Scuol warten muss, dem sei ein Besuch in der denkmalgeschützten Dorfkirche empfohlen. Erstmals ist sie 1492 urkundlich erwähnt. Nachdem sie im Dorfbrand 1622 während der Bündner Wirren gebrandschatzt und zerstört wurde, erfolgte 1633–1634 der Wiederaufbau. Der markante Kirchturm mit Zwiebelhaube ist mit der Kirche nicht verbunden, sondern steht separat auf einer Felsplatte nördlich von der Kirche.

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