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Wandertipps von Fanny Zambaz-Dupont

Kann man eigentlich falsch wandern? Im Gespräch mit Expertin Fanny Zambaz-Dupont wird klar: Auch wenn Wandern eine Leidenschaft ist, es will gelernt sein!

03. Juli 2019

Wanderwege – die Zeichen weisen den Weg

In der Schweiz gibt es eine ungefähre Faustregel für die Berechnung der Routendauer: Die ersten vier Kilometer geradeaus: 1h. Vier Kilometer mit 400 Höhenmetern: 2 h.

Hierzulande sind die Wanderwege nach folgenden Kriterien definiert: 

  • Gelb: Wanderweg, keine besonderen Anforderungen. Steile Stellen sind mit Geländern gesichert. Normale Wanderschuhe.

  • Gelb mit weiss-rot-weisser Spitze: Bergwanderweg. Gute körperliche Verfassung, Trittsicher / schwindelfrei. Feste, knöchelhohe Wanderschuhe. (Die Zwischenmarkierungen sind weiss-rot-weiss.) Kenntnisse der Gefahren im Gebirge. (Steinschlag, Rutsch-/Absturzgefahr, Wetterumsturz). Besonders schwierige Passagen mit Ketten/Seilen gesichert.

  • Weiss-blau-weiss: Alpinwanderweg. Sehr gute körperliche Verfassung. Trittsicher/ schwindelfrei. Vertraut im Umgang mit Seil/Pickel und mit Kletterpassagen. Nur teilweise Sicherung in gefährlichem Gelände. Feste Schuhe, griffige Sohle.

Es braucht nicht viel, damit eine Wanderung gelingt und trotzdem gilt: Vorbereitung ist alles! Das zeigt sich schon bei der Routenwahl. Das A und O einer gelungen Wanderung liegt darin, sich an den Möglichkeiten des schwächsten Teilnehmers zu orientieren. Heutzutage gibt es unzählige Online-Plattformen (wie z.B. www.wandern.ch oder www.sac-cas.ch) in denen Sie sich über Ausweichmöglichkeiten, Steigung oder Gefälle informieren können. Auch die lokalen Tourismusbüros sind nach wie vor eine valable Anlaufstelle. Bevor es aber losgeht, empfiehlt es sich, die Ausrüstung auf Vollständigkeit zu prüfen. Insbesondere sollten Sie auf Folgendes achten:

  • feste, der Wanderung angepasste Schuhe, die über die Knöchel gehen
  • der Jahreszeit entsprechende Kleidung
  • Auswechselshirt
  • Wanderhosen der Jahreszeit entsprechend
  • Die Funktionssocken Merino oder Synthetik müssen höher sein als der Schuhrand.
  • Regenschutz
  • Sonnencreme mit hohem Faktor, Sonnenbrille, Kopfbedeckung
  • Taschenapotheke
  • Topografische Wanderkarte 1:25000, Handy mit Notfallnummern
  • Taschenmesser
  • Feldstecher und Lupe
  • eventuell Teleskopstöcke (bei längeren Abstiegen von Vorteil)
  • Essen und Trinken für die entsprechende Route (z.B. Wasser, Trockenfrüchte, Käse, Cervelat, Schoggi und zum Genuss etwas Wein)
  • Stirnlampe, falls man von der Nacht überrascht wird

Verpflegung unterwegs

Essen ist neben dem Trinken ein wichtiges Thema für Wanderer. Wanderexpertin Fanny Zambaz-Dupont schwört darauf, abends in eine Alphütte oder Bauernbeiz einzukehren. Auch setzt sie auf lokale Produkte, die hier wachsen, verarbeitet und gekocht werden. Regionale Produkte sind ein Stück Kulturgut, wie die Suonen oder die Weinkeller. Fanny zählt auf, was sich sowohl für den Rucksack als auch für den Magen eignet: Trockenfleisch, Käse, Nüsse, Schoggi und Trockenfrüchte als Energieschub. Bei der Hauptrast überrascht sie gerne mal mit einem Cervelat vom Feuer, mit Brot, Käse und einem Tropfen vom Besseren. Es geht nicht darum, sich einen anzutrinken aber eine Wanderung soll für alle Sinne ein Genuss sein.

«Regionale Produkte sind ein Stück Kulturgut, wie die Suonen oder die Weinkeller.» 

Fanny Zambaz-Dupont

Auch aus der Natur gibt es einiges für die nötige Prise Genuss: Birkenblätter oder Tannenschösslingen zum Beispiel. Ein Aufguss von getrockneten Birkenblättern wirke entwässernd, Tannspitzen-Tee oder -Konfitüre schmecke sensationell. Ein kleineres Tannästchen gibt auch der Bratensauce ein gewisses Etwas, sagt die Wanderexpertin.

Die Liebe im Detail

Als Fotografin hat Fanny die grosse Welt gesehen, doch am faszinierendsten ist für sie der kleine Kosmos am Wegrand. Blätter und Blumen sieht man erst mit einer Lupe so wirklich gut. Auch dass Ameisen oder kleine Käfer ein Gesicht haben, sieht man von blossem Auge ja kaum. Vor allem Kinder entdecken mit der Lupe ganz neue Welten. Auch ein anderes Utensil lohnt sich: Die Schönheit und Eleganz eines kreisenden Adlers lässt sich erst mit dem Fernglas erfassen. Ob Habitate von Tieren, seltenen Blumen oder sensible Landschaften Fanny besteht darauf, dass Verbote oder auch nur Hinweise von Behörden oder Naturschutzorganisationen befolgt werden. 

Einfach mal innehalten – die Natur kann so schön sein.

Auch mit den eigenen Sinnen lassen sich die Wunder der Natur gut einfangen. Wer einen Moment innehält, hört mancherorts Grillen zirpen und Vögel jubilieren. Der Wald wird zum Konzertsaal – seine Bewohner müssten eigentlich Eintritt verlangen. Dazu kommt der Duft von Föhrenharz oder reifen Blumenwiesen – als ob jemand literweise Honig ausgeleert hätte. 

Wenn die Vierbeiner mitwollen

Nimmt man den Hund mit auf die Wanderung sollte das Pensum langsam gesteigert werden. So gwöhnt sich Ihr Hund an das Wandern. Probieren Sie aus, wie viel Anstrengung und welches Gelände er bewältigen kann. Ausserdem muss man wissen, dass auch ein trainierter Hund Probleme haben kann, etwa durch Überhitzung oder eine Verletzung. Nehmen Sie deshalb immer genug Wasser für ihn mit. Jeder aufmerksame Hundehalter wird die Grenzen seines Hundes erkennen. Einige Hunde winseln beim Laufen oder legen sich hin, sobald man anhält. Dann wird es den Vierbeinern meistens zu viel. Normalerweise reichen aber ein paar Minuten Pause und Wasser zum Trinken, damit er wieder zu Kräften kommt und weiterlaufen kann.

Wanderexpertin

Fanny Zambaz-Dupont

Fanny Zambaz-Dupont besitzt einen eidgenössischen Fachausweis Wanderleiterin und arbeitet hauptsächlich im Wallis. Der Beruf ist seit 2010 von der Eidgenossenschaft anerkannt und seine Interessen werden weltweit vom Schweizerischen Verband der Wanderleiter vertreten. Die Inhaber des Fachausweises unternehmen mit den Kunden im Sommer Wanderungen aller Art ohne technische Hilfsmittel bis zum Schwierigkeitsgrad WT3.