X

Beliebte Themen

Wandern

Wie im Märchenwald

Graubünden hat neben Bergen auch viel Genuss, Kulinarik und regionale Spezialitäten zu bieten. In der Surselva haben wir uns beim Wandern an kulinarischen Fixpunkten orientiert.

FOTOS
Andrea Meier
26. August 2019

Wettbewerb

Gewinnen Sie Reka-Ferien

Wir verlosen drei Mal einen Gutschein für Reka-Ferien in der Schweiz im Wert von je 1000 Franken sowie je einen Gutschein à 500 Franken und à 300 Franken in Reka-Checks.

Für diese Wanderung in Graubünden haben Filmemacherin Andrea Meier (49) und ich uns für einmal vom Gaumen, also kulinarisch, leiten lassen. Mit Bahn und Bus fahren wir ins Val Medel, das Tal, das von Disentis nach Süden zum Lukmanierpass weggeht. In Fuorns beginnt der Weg zur Geissenalp Puzzetta. Es ist eine Diretissima-Route, immer gerade hinauf. Nach einer knappen Stunde und 400 Höhenmetern erreichen wir die Alp. Sie ist eine der ältesten Alpen im Kanton Graubünden, die immer mit Ziegen bestossen wurde. Sennin Sara Obrecht (29) ist eben mit Käsen fertiggeworden. Rund zwei Tonnen Geisskäse stellt sie zwischen Mitte Juni und Ende September her. Den Grossteil des Käses vermarkten die Bauern, deren Ziegen auf der Alp sind. Einen Teil verkauft Sara selber an Wanderer.

300 Geissen liefern Sennin Sara Obrecht Milch für ihren Geisskäse.

Von der Alp steigen wir etwa 150 Höhenmeter ab, bevor sich unser Weg so langsam wieder der Bergflanke entlang hinaufschiebt Richtung Grat Crap Stagias. Beim Val da Cauras, einem kleinen Geländeeinschnitt auf der Höhe von Pardé, wird der Pfad kurze Zeit steil und ausgesetzt. Hier sind auf einem kurzen Stück Trittsicherheit und Schwindelfreiheit gefragt. Weil man diese Passage nicht umgehen kann, ist diese Route nur trittsicheren Wanderern zu empfehlen.

Tradition in der Surselva

Kurze Zeit später sind wir auf dem Bergkamm, der sich vom Piz Ault nach Curaglia hinunterzieht. Hier beginnt der Abstieg in den Hauptort des Tales, wo sich auch unser Ziel befindet, das Hotel «Medelina», das 2017 nach der Umnutzung des früheren Alters- und Pflegeheims entstand. Tradition hat einen hohen Stellenwert beim Leiterpaar Livia Werder (32) und Rico Tuor (41). Sie verwendeten beim Umbau Holz aus der Region und der Stein für den Boden ist aus dem Steinbruch San Bernardino. In der Küche verwenden sie so viel Regionales wie möglich: Brot, Jogurt und Teigwaren stellen sie selber her, das Fleisch ist ebenso aus der Region wie Früchte und Gemüse, und sogar die Pfirsiche liefert ein Bauer aus Sumvix.

300 Geissen liefern Sennin Sara Obrecht Milch für ihren Geisskäse.

Am nächsten Tag bringt uns das Postauto nach Disentis-Fontanivas, von wo wir zuerst dem Rhein entlang wandern. Nach einem Kilometer müssen wir die Schlucht verlassen und befinden uns kurz darauf auf dem Jakobsweg Graubünden Richtung Sedrun. Dorthin lockt uns weniger die Kontemplation als vielmehr die Kulinarik. In der Metzgerei Curschellas entsteht eine besondere Geisswurst. Jedes Jahr ziehen Wandergeissen das Oberland hinauf und grasen die Brachen ab, die sonst nicht bewirtschaftet werden. Metzger Diego Curschellas (55) schlachtet die älteren Tiere und verarbeitet sie nach einem alten Familienrezept zu Geisswurst. Nur ein paar Häuser weiter befindet sich die Conditoria von Reto Schmid (45). Schmid produziert seit einigen Jahren die kleinste Bündner Nusstorte der Welt, vier Zentimeter im Durchmesser und 19 Gramm schwer.

Betriebe wie diese vier in der Surselva fördert der Kanton Graubünden mit dem mehrjährigen Programm «graubündenVIVA». Damit will er sich über das Thema Ernährung und Kulinarik als Standort stärken. Im Zentrum stehen Produkte, bei denen die Wertschöpfung in der Region bleibt. Auch Coop ist als Partner dabei und hat viele Bündner Spezialitäten im Sortiment, darunter die Geisswurst und die kleinste Bündner Nusstorte.

Der Weg zwischen Disentis und Sedrun ist einfach zu gehen. Von Fontanivas sind es drei Stunden. Der Weg geht in dieser Richtung zwar aufwärts, dafür geniesst man die Aussicht auf die grossartige Landschaft des Oberalp- passes – perfekt zum Pilgern.

STECKBRIEF

Fuorns–Curaglia

Anreise: Bahn und Bus via Disentis nach Fuorns, Rückreise ab Curaglia.
Schwierigkeit: mittel
Technik: * * * * 
Kondition: * * *
Strecke: 9,1 km
Dauer: 4 Std.
Aufstieg: 730m
Abstieg: 830 m