X

Beliebte Themen

Lifestyle

Brenda Mäder: Politik macht Spass

Persönlich.Brenda Mäder (23) ist die einzige Frau in der Schweiz, die eine grössere politische Partei präsidiert: die Jungfreisinnigen Schweiz.

TEXT
FOTOS
Ferdinando Godenzi
20. April 2010

Coopzeitung: Wir haben in dieser Ausgabe der Coopzeitung die Präsidenten der sechs grössten Schweizer Parteien befragt alles Männer. Sie sind weit und breit die einzige Frau auf einem Parteipräsidentenstuhl. Was ist da los?

Brenda Mäder: Das hab ich mir erst nach Ihrer Anfrage überlegt, vorher ist mir das gar nicht aufgefallen. Es ist lustig, dass die einzige Frau gerade bei der FDP ist, weil wir eher weniger Frauen haben und ich auch die einzige Frau im Vorstand bin. Vor ein paar Jahren waren wir noch vier Frauen im Vorstand, jetzt bin ich die einzige Frau. Aber das wird sich wieder ändern. Vielleicht exponieren sich Frauen weniger gern. Insgesamt hat es ja zum Glück immer mehr Frauen in der Politik und auch im Bundesrat.

Wie sind Sie zur Politik gekommen?
Eigentlich habe ich mich schon immer für Politik interessiert. Meine Eltern sind nicht in einer Partei, wir haben aber immer über Politik diskutiert. Richtig engagiert habe ich mich erst 2007 bei den Nationalratswahlen. Einfach nur passiv bei einer Partei zu sein, wollte ich nicht, deshalb engagierte ich mich im Vorstand.

Für welche Probleme interessieren Sie sich?
In der nationalen Politik sind es vor allem Sozialversicherungsfragen. Das ist auch ein Thema in meinem Studium. Ein wichtiger Aspekt ist dabei die Generationengerechtigkeit. Gerade diese Frage sieht aus der Sicht von jemandem in meinem Alter anders aus als aus der Sicht eines 60-Jährigen. Ein zweites Thema ist für mich, dass wir immer mehr eingeschränkt werden in unserer persönlichen Freiheit und dass es immer weniger um Eigeninitiative geht. Da lohnt es sich, dafür einzustehen.

Warum sind Sie ausgerechnet in der FDP?
Eigentlich vor allem deshalb, weil es die Partei ist, die für Eigeninitiative und Freiheit steht. Und dann auch deshalb, weil die Jungfreisinnigen sich für die Themen einsetzen, die mir wichtig sind. Also für Generationengerechtigkeit, Privatinitiative statt Staat und Investitionen in die Infrastruktur. Nehmen Sie die Bahn 2030. Da müssen doch wir Jungen mitreden, wir werden es sein, die diese Infrastruktur brauchen werden, nicht die, die jetzt darüber entscheiden.

Ihr Partner ist der Walliser Philippe Nantermod, Vizepräsident der Jungfreisinnigen. Bei den Präsidiumswahlen vor sechs Wochen haben Sie ihn geschlagen. Wie geht er damit um?
Super, er ist jetzt Première Dame und macht das sehr gut (lacht). Es hat uns niemand geglaubt, dass wir gegeneinander antreten. Aber die Leute haben es cool aufgenommen. Wir sind eine Partei, die für Eigeninitiative und Wettbewerb eintritt, da muss man das auch durchziehen. Wir waren zwei Leute, es gab einen Posten, man hat darüber abgestimmt, das war das Resultat. Wir wollten beide nicht verlieren aber Philippe hat es sehr sportlich genommen.

Le Matin hat kürzlich über Sie beide getitelt: Un Amour Radical!
Ja (lacht). Das war ein guter Titel! Es tut auch den Jungfreisinnigen gut, dass sich die beiden Regionen näherkommen und besser zusammenarbeiten. Privat ist es manchmal schon schwierig: Weiter auseinander als im Thurgau und im Wallis kann man fast nicht wohnen in der Schweiz.

Jetzt wollen wir mal sehen, wie Sie als junge Frau die Fragen beantworten, die wir den Herren Parteipräsidenten gestellt haben. Was ist aus Ihrer Sicht das wichtigste Umweltanliegen in der Schweiz?
Für mich ist das die Zersiedelung. Pro Sekunde wird etwa ein Quadratmeter überbaut. Die Frage ist dabei, wie gebaut wird. Wenn man irgendwo auf dem Land eine Überbauung hinstellt, ist das zwar günstig für den Bauherrn, aber die Gemeinschaft hat viele Folgekosten, etwa im Bereich Infrastruktur. Viel gescheiter wäre es, man würde in der Stadt und verdichtet bauen. Wenn alle den Anspruch haben, dass sie 120 Quadratmeter zum Wohnen haben wollen, dann geht das auf Kosten des Erholungsraums, wenn wir nicht lernen, verdichtet zu bauen. Für mich ist Zersiedelung deshalb das grösste Problem. In allen anderen Umweltfragen gibt es technische Lösungen, bei der Zersiedelung nicht.

Welche Chancen bietet der Umweltschutz für die Schweiz?
Wenn man bei der Zersiedelung anknüpft, dann ist es der Aspekt, dass wir unser Land für Touristen attraktiv halten. Wir haben ja kein Öl im Boden, wir müssen der Landschaft deshalb Sorge tragen, es ist unsere einzige natürliche Ressource.

Was machen Sie konkret und persönlich für die Umwelt?
Ich fahre nicht Auto, ich habe ein GA und mit dem Zug kommt man in der Schweiz überall hin. Ich muss aber ehrlich sagen, dass ich manchmal auch mit dem Flugzeug in die Ferien fliege. Dann gibt es viele Basics, zum Beispiel Abfalltrennung und Recyling.

Wie oft kaufen Sie Bio-Produkte?
Ehrlich gesagt, nicht wirklich oft. Ich bin ja meistens unterwegs und verpflege mich zum Beispiel in der Mensa. Zu Hause essen wir viele Bio-Produkte. Meine Mutter ist ein Bio-Fan und hat einen eigenen Gemüsegarten.

Wo sehen Sie die Schweiz in Sachen Umwelt in 20 Jahren?
Wir waren mal Weltmeister in Sachen Aluminiumsammeln. Oder war es Altpapier? Auf jeden Fall sind wir darin ein Vorbild für andere Länder. Dann denke ich, dass wir in Sachen Umwelttechnik vorwärts machen und innovativ bleiben sollten.

Und wo steht unser Land in 20 Jahren?
Ich glaube, wir haben keine schlechte Ausgangslage, es wird vor allem darauf ankommen, wie wir die Energiefrage lösen. Es wird eine AKW-Debatte geben und die wird fast religiöse Züge annehmen. Ich hoffe, dass trotzdem Eigeninitiative gefragt bleibt und der Staat nicht alles reglementiert.

Und wo sehen Sie sich selbst in 20 Jahren?
Keine Ahnung. Mit 23 Jahren ist das schwierig zu sagen. Da sehe ich höchstens auf fünf Jahre hinaus.

Und wo sind Sie in fünf Jahren?
In der Schweiz, in der Politik, das macht mir sehr viel Spass.