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Zum ersten Mal Dreck gefressen

Persönlich. Der Mundartrocker Baschi (23) ist bereit, mit der CD Auf grosser Fahrt nördlich des Rheins zum Star zu werden.

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Ferdinando Godenzi
03. August 2010

Coopzeitung: Mit welchem Gefühl haben Sie sich auf grosse Fahrt begeben?

Baschi: Eine Triebfeder teile ich mit Kolumbus: Den Wunsch, etwas zu entdecken. Mit 23 Jahren läuft einem die Zeit zwar noch nicht davon, aber nachdem ich zu Hause schon fünf Jahre erfolgreich Musik gemacht hatte, kam das Angebot der deutschen Universal gerade richtig, zumal ich schon immer davon geträumt hatte, in einem anderen Land Musik zu machen.

Sind Sie nervös?
Natürlich ist ein solcher Aufbruch mit Risiken verbunden, doch ich bin hoch motiviert, den Deutschen und den Neidern im eigenen Land zu beweisen, dass ich auch als kleiner Schweizer auf dem drittgrössten Markt der Welt bestehen kann. Alle Anstrengungen werden aber nichts nützen, wenn nicht die nötige Portion Glück hinzukommt.

Wo liegen die nationalen Unterschiede?
Es handelt sich um ganz andere Dimensionen. Statt drei Leute wie bei Universal Schweiz sind in Deutschland zehn Leute für mich zuständig. Dort weht auch sonst ein anderer Wind. Die Veröffentlichung wurde schon zweimal verschoben. Einmal zog Lena Meyer-Landrut alle Aufmerksamkeit auf sich, dann fehlte ein PR-Türöffner wie eine grosse TV-Show. Skandale, welche die Aufmerksamkeit auf mich lenken, liefere ich nun mal nicht auf Bestellung. Bei mir entstehen sie nur aus Missgeschicken ... (lacht).

Wie einst bei Musicstar, als Sie Ihrer Freundin Katy das Friendship-Ticket verweigerten?
Ich war 17, wir sassen auf diesem Sofa und 100 Kameras waren auf mich gerichtet. Die Entscheidung, die ich treffen musste, hat mich überfordert. Ich meinte das Richtige, aber sagte das Falsche. Ich bin nun mal ein Chaot, manchmal etwas naiv. Ich überlege zu wenig, bevor ich etwas sage. Ich bin eben ein Bauchmensch und ich denke, das hört man der CD an.

Was haben Sie mit James Dean gemeinsam, an den Ihr Look erinnert?
Ich will nicht behaupten, dass ich ihm ähnlich bin, denn er war schon en huere geile Siech: Unbeschwert, Vollgas das Leben geniessend und ein Riesentalent. Irgendwie verrückt. Und ich bin das auch, das muss man sein! Auf der vorletzten Platte Irgendwie Held hatte ich schon etwas auf James Dean gemacht, aber viel zu verspielt und nicht überzeugend. Jetzt habe ich ein gutes Gefühl, weil es den Texten entspricht, die ich mehrheitlich selbst geschrieben habe und sehr persönlich sind.

Wie sind sie entstanden?
Ich war während zweier Jahre fast permanent im Studio, drei Monate in Berlin ...Es war die Hölle! Ich habe zum ersten Mal richtig Dreck gefressen. Gitarrist Philipp Merk und ich haben in einer Bruchbude gehaust, ohne Fernseher, ohne Internet. Es war saukalt, aber wir haben es geschafft. Manchmal fand ich diese Arbeit so toll, dass ich nie mehr heim in die Schweiz wollte, dann habe ich Katy wieder unglaublich vermisst.

Hat sich Ihr Verhältnis zu den Deutschen verändert?
Ich habe Verwandte im Schwarzwald und höre immer gerne Musik mit deutschen Texten, weil es mir wichtig ist, dass ich den Inhalt der Songs verstehe. Daher war mein Verhältnis zu den Deutschen schon immer ziemlich entspannt. Nur beim Fussball waren sie mir ein Dorn im Auge bis das Sommermärchen bei der WM 2006 kam und Oli Pocher für die EM 2008 mein Bring en hei coverte. Zwei positive Erfahrungen, die sich nun bestätigt haben. Die Leute in Berlin waren alle so nett und offen, überhaupt nicht arrogant. Wie die auf Fremde zugehen, davon könnten sich viele Schweizer eine Scheibe abschneiden.

Was bewirkte Ihre erste hochdeutsche Single Unsterblich, die zum Abspann von Zweiohrküken lief?
Die Platzierung in diesem Kinohit schien vielversprechend. Wir hatten ein tolles Video, das auf MTV und Viva lief, ich habe Till Schweiger getroffen, wir gaben ein paar Interviews und der Song kam in die deutschen Top 30 für mich als Newcomer wunderbar. Aber dann war meine CD noch nicht bereit und Universal wurde durch den Eurovision Song Contest absorbiert.

Nun ist alles angerichtet. Gesang und Musik passen perfekt zu den grossen Gefühlen, die Sie beschreiben.
Ich mache nur, worauf ich selbst stehe. Ich liebe starke Melodien und Emotionen, das leicht Kitschige, bei dem ich auf der Bühne auch zu grossen Gesten greifen kann. Kuno Lauener von Züri West mag es eine Nummer kleiner, Grönemeyer mag das Pathetische auch. Mit beiden Vorbildern verbindet mich der Wunsch, dem Publikum eine Gänsehaut zu bescheren.

Bei Steh auf und Kein Pessimist ist es Ihnen hervorragend gelungen.
Die zählen auch zu meinen Lieblingsliedern. Kein Pessimist ist meinem Vater gewidmet, der vor drei Jahren an Krebs gestorben ist. Zuerst versuchte ich zu verdrängen, wie weh es mir tat, aber dann wurde der Schmerz immer schlimmer. Wenn ich denke, dass er bis zuletzt immer an meine Konzerte gekommen ist, glaube ich, er wäre auf das neue Album Auf grosser Fahrt stolz.

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