X

Beliebte Themen

Lifestyle

David Bröckelmann: Die meisten findens toll

Persönlich. Der Basler Schauspieler David Bröckelmann über seine Parodien bei Giacobbo/Müller, seine Opfer und die Wichtigkeit des Humors.

TEXT
FOTOS
Heiner H. Schmitt
19. Januar 2010

Dabid Bröckelmann als Pascal Couchepin, ... als Christian Gross, ... als Matthias Hüppi, ... oder als Hakan Yakin.

Dabid Bröckelmann als Pascal Couchepin, ...

als Christian Gross, ...

als Matthias Hüppi, ...

oder als Hakan Yakin.

Coopzeitung: Wer war der erste Mensch, den Sie parodierten?
David Bröckelmann: Das war noch vor dem Stimmbruch meine Nachbarin, Frau Straub. Sie kam aus Zürich und sprach folglich einen exotischen Dialekt. Sie sagte immer: Isch gföhrli, isch gföhrli uf de Straass! Später warens die Lehrer. Zum Beispiel Herr Kegel, mein Mathe-Lehrer im Progymnasium.

Sie sind also, was das Parodieren angeht, ein Frühberufener.

Sagen wirs so: Es gelang mir schon als Bub recht gut. So avancierte ich zum Klassenclown; eigentlich furchtbar, aber damals fand ich das toll, weil ich glaubte, es beeindrucke die Mädchen.

Und, hats das?
Nicht wirklich. Ich war eher der Unheimliche, weil ich in Binningen nicht auf dem Kotelett-Hügel wohnte wie die meisten, sondern im Cervelat-Quartier.

Und wie reagierten Ihre damaligen Opfer?
Tja, was denken Sie? Ich bin ja nicht blöd. Ich hab das selten vor den betroffenen Leuten gemacht zumindest nicht absichtlich.
Und heute, wenn Sie jemanden bei Giacobbo/Müller parodieren, bekommen Sie da Feedback?
Die meisten Parodierten finden es ganz toll sagen sie zumindest. Matthias Hüppi hat mal in einem Interview gesagt, er habe sich sehr amüsiert.

Und Hakan Yakin?
Da muss ich besonders aufpassen, weil die Leute immer wieder denken, ich wolle mich über ihn lustig machen. Das ist aber nicht der Fall.

Erzählen Sie das dem Fährimaa!
Doch, denn ich finde, er ist ein fantastischer Fussballer; ich verdanke ihm tollste Champions-League-Nächte und hätte ihn am liebsten wieder beim FC Basel. Meine Parodien sind eine Hommage an Hakan.

Sie parodieren ihn ja nicht, damit die Leute heulen.
Natürlich nicht. Aber ich mache mich im positiven Sinn lustig: Ich parodiere, ich überzeichne bewusst. Ich habe vor den Menschen, die ich parodiere, Respekt, denn ich verdanke ihnen viel. Ich gehe noch weiter: Ich finde, parodiert zu werden ist eine Auszeichnung, denn man parodiert ja nur Personen, die allen Leuten bekannt sind, querbeet durch alle Gesellschafts- und Altersschichten; Personen, die etwas geleistet haben.

Eine Ihrer Figuren ist alt Bundesrat Couchepin. Der ist jetzt weg, Burkhalter kam ...

... tja ...

... ein schwieriger Fall?
Lassen wir ihm 100 Tage und schauen dann weiter. Couchepin ist für mich bei meinen eigenen Cabarett-Auftritten übrigens immer noch ein Thema. König bleibt König, sein Leben lang.

Wie wählen Sie Ihre Opfer aus?
Ich probiere eine Figur einfach aus. Dann kann ich sie oder eben nicht. Ich kann nichte jede Person parodieren. Von Roger Federer zum Beispiel lasse ich die Finger, weil ich seine Stimmlage einfach nicht treffe.

Sind Sie ein lustiger Mensch?
Ich mache gerne Sprüche, aber nur, wenn ich mich in meinem Umfeld wohlfühle. Ich spiele nicht mehr auf Teufel komm raus den Clown. Das hat sich geändert gegenüber meiner Schulzeit; da hab ich meinen Schulkollegen den Clown ja förmlich aufgezwungen. Ich will auch nicht auf Kommando lustig sein, wenn ich nicht muss. Abseits der Bühne schaffe ich mir heute gerne ein Refugium der Ruhe.

Kommt man mit Humor leichter durchs Leben?
Humor ist etwas ganz Wichtiges. Humor kann eine verkorkste Situation sehr schnell auflockern. Wir leben in einer nicht einfachen Zeit, und ich denke, dort, wo man es sich einfach machen kann, soll man es sich auch einfach machen.

Welche Art von Humor mögen Sie?

Ich mag keinen seichten, eher den etwas schwarzen Humor. Was zum Teil auf deutschen Privatsendern läuft, ist weniger mein Stil. Franz Hohler mag ich zum Beispiel total gern. Oder Simon Enzler. Für mich ist es wichtig, dass Humor Gehalt hat, dass eine Aussage dahintersteckt, dass man auch mal den Spiegel vorgehalten bekommt. Das tönt jetzt etwas gar ernst: Natürlich darf man sich auch mal einfach amüsieren; man muss nicht die ganze Zeit reflektieren.

Können Sie über Ihre Beiträge lachen?

Ja, kann ich. Und ich freue mich, wenn es den Leuten gefällt. Aber ich bin sehr kritisch gegenüber mir selber. Das ist wichtig. Man darf als Schauspieler nie bequem werden. Wenn man sich grossartig findet, hat man verloren. Wenn man sich selber gefällt, bekommt man eine gewisse Arroganz, und das schätzt das Publikum gar nicht. Ich finde, gerade in Zeiten des Erfolgs sollte man demütig bleiben und den Leuten dankbar sein, die einem eine Chance geben.