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Ernst Bromeis: Endlich eintauchen

Persönlich. Ernst Bromeis durchschwimmt den grössten See jedes Kantons und verbreitet seine Wasserbotschaft von Graubünden bis nach Genf. Die längste Etappe misst 26 Kilometer.

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Andrea Badrutt
29. Juni 2010

Coopzeitung: Was bringt es, wenn Sie die Schweiz auf 300 Kilometern sozusagen durchschwimmen?
Ernst Bromeis: Ich mache,was ich gern tue und ich freumich auf die Ruhe und aufs Ausgesetztsein in den Seen. Zwei Jahre lang habe ich darauf hingearbeitet und jetzt ist dann nur noch der Dialog zwischen mir und dem Wasser. Die Endlich eintauchen-Tour ist auch eine Herausforderung. Es geht ja nicht nur darum, beispielsweise 20 Kilometerzwischen Montreux und Lausanne zu schwimmen, sondern danach mit den Menschen zu reden. Schwimmen ist für mich ja nicht ein Selbstzweck, ich habe eine Botschaft, welche ich vermitteln will.

Was ist der Inhalt dieser Botschaft?
Ich will den Wert des Wassers vermitteln. In vielen Weltgegenden ist es knapp und wird immer knapper. Bei uns fliesst es noch in Hülle und Fülle, auch weil die Glet-scher schmelzen. 1000 Liter kosten nicht mal 2 Franken. Doch Süsswasser ist nur in unserer Vorstellung unend-lich. Wie jeder See ein Ende hat, sind auch unsere Süss-wasservorräte endlich.

Wenn es denn schon etwas Verrücktes sein muss, würde man Ihnen als Bergler eher eine Kletter-Tour-de-Suisse zumuten. Sie aber wollen ab dem 1. Juli sozusagen die Schweizer Seen durchschwimmen
als Bergler müsste ich wohl klettern. Doch unübliche Wege zu gehen liegt mir. Das Archaische der Berglandschaften finde ich auch im Wasser wieder. Darum erklettere ich die Schweiz nicht, darum durchschwimme ich sie.

Welches sind die grössten Herausforderung bei Ihrem Unternehmen?
Bis jetzt war es der Aufwand, alles alleine zu organisieren. Ich habe ja kein Team, muss jedes Telefonat, jedes Treffen selber auf die Reihe kriegen. Alleine schon der Aufwand, als Ernst Bromeis einen Termin beim Bundesamt für Umwelt zu erhalten! Oder in Montreux den Verkehrsver-ein zu mobilisieren. Nach dem Start wird das grösste Problem sein, allen Schiffen, Surfern und Seglern aus dem Weg zu schwimmen. Die Gefahren kommen von den Menschen, nicht vom Wasser.

Aber dem Wasser geht es keinen Deut besser, wenn Sie es durchschwimmen
Nein. Aber es geht nicht nur ums Wasser, sondern auch um uns Menschen, welche vom Wasser abhängig sind, und nicht umgekehrt. Ich kann die Menschen sensibilisieren. Entweder auf der Endlich eintauchen-Tour selber oder bei meinen Vorträgen vor Managern, Sportlern oder in Schulen. Natürlich verändere ich damit nicht die Welt. Doch Sie kennen ja die Geschichte vom steten Tropfen.

Sind Sie auf die Strapazen vorbereitet?
Ich denke schon. Doch es ist weniger ein körperliches als ein mentales Problem. Die Einsamkeit beim Langstreckenschwimmen kann sehr gross sein. Wie bin ich beieinander, nachdem ich zehn Stunden im Wasser war? Da komme ich an meine Grenzen. Werde ich dann noch fähig sein, meine Freude, meine Botschaft rüberzubringen? Es sind solche Fragen, die mich beschäftigen. Es beruhigt mich aber, dass das alles vor zwei Jahren bestens geklappt hat. Damals durchschwamm ich ja beim Projekt Das Blaue Wunder 200 eiskalte Bündner Seen.

Fühlt sich das Wasser in einem Bergsee anders an als im Bodensee?
Jeder See hat eine eigene Seele. Und wenn etwas eine Seele hat, ist es auch nicht immer gleich. Die Seen sind vom Geschmack, Geruch und Gefühl her sehr unterschiedlich. Kaltes Wasser ist härter als warmes. Je nach Wetter ist das Wasser einladend, an manchen Tagen stösst es dich zurück.

Wasser hat also auch eine religiöse oder mystische Komponente?
Ja klar. Jeder, der schon einmal an einem Bach, Fluss oder See gesessen hat, kann das spüren. Ausserdem spielt Wasser in allen Religionen eine grosse Rolle. Für mich ist Schwimmen ein Weg, es ist zyklisch und hat darum etwas Meditatives. Zwischen einem Sportschwimmer und dem was ich tue, liegen darum Welten.

Man könnte auch behaupten, dass Sie sich Ihr privates Steckenpferd von irgendwelchen Gutmenschen finanzieren lassen
Dafür steckt zu viel Arbeit dahinter. Firmen, Umweltorganisationen oder das Bundesamt für Umwelt unterstützen mich zudem nicht wegen meiner blauen Augen. Sie haben gesehen, dass ich es ernst meine und dass wir gemeinsam etwas erreichen können.

Was kommt als Nächstes?
Die Mutter aller europäischen Flüsse ist der Rhein. Er ist kulturell, wirtschaftlich und ökologisch enorm wichtig. Darum möchte ich von der Quelle des Rheins dem Tomasee bis nach Rotterdam schwimmen. Wenn ich in diesem Sommer die Schweizer Seen schaffe, freue ich mich auf diesen (Über-)Fluss.